Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1878)
- Date
- 1878-05-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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gegrnzunehmen. Diese Anträge müssen ihm jedoch bis zum 31. Juli cr. schriftlich mitgetheilt werden. Das Central-Comitö hat die Ehre, zu der genannten Generalversammlung und den an dieselbe sich anschließenden Conferenzen die Comites der Alliance, die eonstituirten israelitischen Körperschaften, alle Vereine, die sich für die vorstehend angegebenen Gegenstände interessiren, und die isr. Presse einzuladen, und hofft, daß dieselben ihm baldmöglichst die Delegirten bezeichnen werden, die sie hierzu Leputiren wollen und deren gütige Unterstützung es mit vielem Vergnügen annehmen wird. Feuilleton. Simon Aeding.*) Erzählung aus dem Anfang des neunzehnten Jahrhunderts von 8. Holm. (Verfasser von „Gabriet".) (Fortsetzung.) Das Gotteshaus war mit Menschen angefüllt, mit Kränzen und Blumenguirlanden festlich ausgeschmückt, die an den Almemmor - Säulen und an den kunstreich gearbeiteten Messinglampen, die von der hohen Decke niederhingen, angebracht waren, der weite Raum war herrlich erleuchtet, der Fußboden war mit duftenden Kräutern und mit Kalmus bestreut. Man wartete am ersten Schowuosabende nach rabbinischen Bestimmungen bis die Nacht vollständig angebrochen, dann begann der Chasan **) mit seinen Meschorerim29) das Maariwgebet 9<>); Reding war tief ergriffen als er wieder nach einer langen Reihe von Jahren gemeinschaftlich mit seinen Glaubensgenossen sein Gebet zum Allvater emporfteigen ließ und für kurze Zeit zog wieder Ruhe und Friede in feine gramzerwühlte Seele, — aber dieser Zustand der *) Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Ueberfetzungsrecht Vorbehalten. 27) Tribüne in dec Mitte des Gotteshauses, auf welcher die Thora verlesen wird. 28) Vorbeter. 29) Sänger, Choristen. 30) Abendgebet. Beruhigung sollte nicht lange anhalten! Als der Gottesdienst beendet war und die zahlreichen Beter aus der Synagoge, nach Hause, zu ihrer Familie zu ihren Angehörigen in ein wohl erleuchtetes Zimmer, zu einer wohlbesetzten Tafel eilten, fühlte er es wieder mit entsetzlichem Drucke, daß er — auch in der Heimath, fremd und heimathlos — mehr als das, obdachlos war! Es hatten sich in der Vorhalle mehrere fremde durchreisende arme Leute aufgestellt, die von wohlhabenden oder auch nur wohlthätigen Familienvätern eingeladen wurden, mit nach Hause, zu Tische zu kommen. Reding fühlte tiefes Mitleid mit sich, er, der früher stolz, wenn auch nie hochmüthig gewesen, der an seiner Mutter Tische selbst oft arme fremde Durchreisende gesehen, wäre jetzt überglücklich gewesen, wenn ihn Jemand — und wäre es auch der Aermste gewesen, zu einem dürftigen Mahle geladen hätte; — aber Alle gingen schweigend an ihm vorüber! — Es war gar nicht denkbar, daß nicht wenigstens einige Simon Reding erkannt hatten; — als er, der Letzte, gramgebeugt aus dem Gotteshaufe wankte, war es ihm vollkommen zweifellos: er war in seiner Vaterstadt ein verachteter, verfehmter, ausgestoßener Mann, und wenn der allgütige Gott in seiner Allmacht nicht ein Wunder that — war es ihm nicht möglich, die verlorene Achtung wieder zu gewinnen! Wieder stand er rathlos vor dem schönen nun geschlossenen Gotteshause — er hatte keinen Ort, sein müdes Haupt niederzulegen — in einem Momente wild überströmender Bitterkeit, glaubte er noch weit weniger unglücklich gewesen zu sein, als er im Kerker in Ketten geschmachtet hatte — da war er wenigstens sorgenlos gewesen, da hatte seine Phantasie — der hatte man keine Fesseln anzulegen vermocht — sich in expansiver Hoffnungsseligkeit den Moment der wiedergewonnenen Freiheit mit wunderbar schönen Farben ausmalen können, — und nun da der lang ersehnte Moment da war — glaubte er — vielleicht mit vollem Rechte — der Unglücklichste, der Verlassenste auf Gottes weiter Erde zu fein! Planlos irrte er durch die Straße des Ghetto; bei seiner ziellosen Wanderung war er zufällig vor eine Seitenpforte des großen schönen, weltberühmten alten Friedhofs3I) gekommen, sie war geöffnet, mit unbeschreiblicher Macht drängte es ihn einzutreten .... da, da — herrschte der schöne wahre Gottesfriede — da gab es keinen lebenden Men- 81) Der damals schon nicht mehr benutzt wurde.