Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1878)
- Date
- 1878-05-22
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XIX. Jahrgang. y Zweite Geilage zu Nr. A des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 21. Mai. Die gnädige Fürsorge des Allmächtigen hat das schmähliche Attentat, welches ein verruchter, wahnsinniger Mensch gegen unsern allverehrten und geliebten Kaiser unternommenen Nichte gemacht. Es bedarf kaum der Erwähnung, daß in fast allen Synagogen Deutschlands und namentlich Preußens Dankfeierlichkeitcn veranstaltet wurden. Es liegen uns darüber zahlreiche Berichte vor. Unsere Leser werden es begreiflich finden, daß wir alle diese Berichte, die auf Monate hinaus die Spalten des „Israelit" füllen würden, nicht veröffentlichen. Besonders hervorheben wollen wir nur den Dank-Gottesdienst der russisch-polnischen Gemeinde zu Königsberg in Preußen. Tausende von Menschen hatten sich versammelt, und der weltberühmte Rabbiner dieser Gemeinde, Herr M. L. Malbim hat es verstanden, sein so überaus zahlreiches Publicum in gediegener und ergreifender Rede länger als zwei Stunden zu fesseln. — Möge der all gütige Gott unfern greisen Helden-Kaifer noch lange, froh, gesund und glücklich erhalten. Darmstadt, 10. Mai. Um der Parität Rechnung zu tragen, wurde an die hiesigen Volksschulen ein zweiter israel. Lehrer decretirt, der zugleich Cantor an der neuen Synagoge ist. Dies hinderte denselben, am Samstag Schule zu halten und wirklich blieb derselbe auch am 4. d. M. weg, d. h. er versah seinen Canlordienst. Dies erregte nicht geringes Aufsehen, ' und da der neue Lehrer jenen Dienst nicht aufgeben wollte oder konnte, so soll er dem Vernehmen nach sein Decret wieder zurückgegeben haben. Principiell wird dadurch entschieden , daß ein an einer Comm'.'nalschule ange. stellter israel. Lehrer am Samstag Schule zu halten hat. Darmftadt, 12. Mai. Das Ministerium deS Innern hat die Kreisschuleommission angewiesen , daß die israel. Schüler und Schülerinnen Samstag zwar die Schule zu besuchen haben, jedoch auf Wunsch der Eltern nicht zum Schreiben angehalten werden sollen. Darmftadt, 14. Mai. In heutiger Sitzung der wieder zufammeugetretenen zweiten Kammer wurde eine Petition um Ertheilung von israel. Religionsunterricht an einem der Lehrerseminare für erledigt erklärt, da die Regierung deßfallsige Zusage gemacht. -Würzbirrg, Mitte Mai. In Nr. 19 der „Jüdischen Presse' ist ein Artikel enthalten: .,Consefsionsschule und Simuntanschule", worin folgender Satz zu lesen: „Seihst in Würburg, dem Sitze des Districtsrabvhüers S. B. Bamberger machen sich Bestrebungen, geltend, die eine Aufhebung der jüdischen Schule erzielen, aus Gründen, die vor einer eingehenden Kritik wie Wachs vor der Sonne zerfließen rc rc." Ich sehe mich hierauf veranlaßt, den wahren Stand der Sache mitzutheilen. Die hiesig» jüdische Schule, die ihren eignen Schulrath hat, erhält von der Gemeinde eine bedeutende Subvention. In neuester Zeit werden nun im Schullocale bauliche Veränderungen vorzunehmen sein, die also mit neuen Ansprüchen an die Gemeinde herantreten dürften. Diese Gelegenheit benutzend, hat ein Gemeindemitglied bei der Verwaltung den Antrag auf Aufhebung der Schule gestellt Der Antragsteller sah jedoch sehr bald ein, daß er vereinzelt dastehe und zog seinen Antrag, noch bevor derselbe in der Verwaltung beratheu werden konnte, zurück, so daß eine Gemeindeversammlung zur Abstimmung hierüber — wo dieser Antrag wohl mit Glanz durchgefallen wäre — nicht nöthig wurde. Der beste Beweis dafür, daß die hiesigen Gemeindemitglieder den Werth der jüdischen Schule kennen, ist wohl der, daß die meisten Eltern ihre Kinder der Schule anvertrauen und mit deren Leistungen vollkommen zufrieden sind. Das es in jeder Gemeinde Auswüchse gibt, ist natürlich, wieso aber die Bemerkung der „Jüd. Presse" hier am Platze ist, bleibt unerfindlich. Berlirr Die auf Antrag des Abg. Lasker niedergesetzte Commission zur Prüfung der Frage, baß den deutschen Israeliten in Rumänien gleiche Rechte wie allen anderen Confessionen eingeräumt werden sollen, hat ihre erste Sitzung abgehalten.