Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1878)
- Date
- 1878-05-08
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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368 polnischer Utopien sorgfältig zu bewahren. Gestern hat nun die Generalversammlung dieses Vereins stattgefynden, und wir konnten aus dem zur Verlesung gelangten Rechenschaftsberichte des Ausschusses ersehen, daß die versöhnliche Wirksamkeit des „Dorsche Schalom", der bereits mehrere hundert Mitglieder zählt, allenthalben großen Anklang gefunden habe. An der Spitze des Vereins stehen die Landtags-Abgeordneten Dr. Goldmann, LazaruS und Dr. Zucker, ferner die Reichtags- Abgeordnete Hermann Mises und der Gemeinderath Dr. I. Blumenfeld. Lemberg. Der hiesige Israel. Kultusvorstand hat an den Gemeinderath eine Petition wegen Gewährung einer Subvention jährlicher 4000 fl. zum Zwecke der Errichtung von 5 Parallelklassen an den hiesigen überfüllten jüdischen Volksschulen überreicht, und dieselbe damit begründet, daß die Verpflichtung zur Erhaltung der Volksschulen die Stadtgemeinde treffe, und daß durch eine Auflösung der jüdischen Volksschulen das Schulbudget der Gesammtgemeinde unverhältnißmäßig größere Lasten tragen müßte. Der Lemberger Magistrat hat den Antrag gestellt, die gebetene Subvention sei zu verweigern, und üherdies möge sich der Gemeinderath an die Statthalterei mit der Bitte wenden, daß der Betrag von 2400 fl., welcher den Lemberger jüdischen Volksschulen als Subvention aus dem sogenannten ostgalizischen jüdischen Normalschulfonde jährlich gewährt wird, künftighin der Stadtgemeinde zum Zwecke der Bezahlung der jüdischen Religionslehrer an den allgemeinen Volksschulen zu. überlassen sei; — oder kurz gesagt: Der Lemberger Magistrat hatte die wohlmeinende Absicht der Petition des Kultusvorstandes den Erfolg zu verschaffen, daß anstatt der gebetenen Vermehrung der Fände um jährliche 4000 fl. eine Verminderung derselben um 2400 fl. einzutreten hätte. Die Schulsection des Gemeinderathes hat diesen freundlichen Antrag des Magistrates verworfen, und vielmehr die Bewilligung der gebetenen Subvention beschlossen. Doch dieser Beschluß muß noch die Finanzsection und das Plenum des Gemeinderathes passiren. (Lemb. Jsr.) Bur-Palota, 29. April. Der allgemein geehrte und geachtete Wolf Rosenthal aus dem benachbarten Kenesse ist vor Kurzem im Alter von 84 Jahren gestorben. Der Verstorbene war ein großer vjjn pns, uhj und hat seinen Kindern eine musterhaft religiöse und fromme Erziehung und Ausbildung zu Theil werden lassen. Sein älterer Sohn war ein Iran -i'vbri des Chasam Sofer und der jüngere, Herr vr. Rosenthal, ist Rabbiner zu Beuthen. Trotz seines hohen Alters übte er mit jugendlicher Kraft unablässig npns, und in seinen Mußestunden beschäftigte er sich mit Vorliebe mit Erna und pp. Am ersten Tage huyn on"in erkrankte er, und trotzdem sein Zustand in den letzten Peßachtagen einen sehr bedenklichen Charakter angenommen, wollte er dennoch pan ti/wn ’Jdd öor d'V \xbio kein Medikament nehmen. Gestern wurde die Leiche hierher überführt. Zahlreiche Verehrer des Dahingeschiedenen waren herbeigeeilt, um ihm das letzte Geleite zu geben. Dem Sohne in Beuthen war es nicht möglich zu kommen; die Gattenpflicht hielt ihn in weiter Ferne gefesselt. Er konnte seine schwer erkrankte Frau, die, wie ein eben eingelangtes Telegramm meldet, leider auch gestern Nacht verschieden, nicht zurücklassen. An der Bahre sprach Herr Bezirksrabbiner Abraham Singer tiefergreifende Worte, die kein Auge thränenleer ließen, Er skizzirte das tugendhafte Leben und Wirken des frommen Dahingeschiedenen als Jude, Gatte, Vater und Menschenfreund, und beklagte den schweren Verlust, den die glaubenstreue Judenheit, die gramgebeugte Familie und die Menschheit im Allgemeinen durch das Ableben dieses biederen Tugendhelden erlitten. Möge die trauernde Familie' in der allgemeinen aufrichtigen Theilnahme Trost finden! Rumänien. Aus Bukarest schreibt man der „Pol. Corresp.": „In den israelitischen Kreisen hierzulande hat eine von einem Wiener Blatte in die Welt gesendete Nachricht viel Staub aufgewirbelt. Minister-Präsident Bratianu soll nämlich in Wien an sehr maßgebender Stelle erklärt haben, daß die Regierung das Project wegen Emancipirung der Juden bereits vorbereitet habe. Während man in Wien theilweise an der Richtigkeit dieser Erklärung Bratianu's zweifeln zu sollen glaubte, knüpfte man hier in Kreisen, die an der Frage zunächst Interesse haben, einige auf einer dreißigjährigen Erfahrung basirende Fragezeichen an die Realisirung der angeblichen Erklärung. Wie positiv gemeldet werden kann, hat der rumänische Ministerrath kurz vor der Abreise Bratianu's nach Wien über ein rnotivirt^s Referat des Ministers des Aeußern, Cogolnitschenau, einen Gesetzentwurf genehmigt, wonach den eingeborenen und hier stabilen Israeliten das Recht, Liegenschaften in städtischen Gemeinden erwerben und besitzen zu können, in derselben Weise eingeräumt werden soll.