Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1878-05-08 · Heft 19 (8.5.1878) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 19 (8.5.1878)
Date
1878-05-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447747-2447766--14889-2470816
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

452 mahnenden Ruf eigener Ueberzeugung, sondern hält ihn für die Stimme kindischer Thorheit, die noch aus erster Erziehung anklebt. Der Leichtsinn ist ihr Vater, die blinde Gefallsucht ihre Mutter. Um zu gefallen, enthüllt sie mit frecher Hand ihre Blößen, und der Leichtsinn hindert, daß sie wahrnehme, wie sie des Zweckes verfehlt. Um geistvoll und über Vorurtheile erhaben zu scheinen, ist sie ohne Abscheu vor Zweideutigkeiten und Schlimmerem; ja, sie prahlt mit ihrer Schande und rühmt sich des Schlechten wie eines Triumphes, bis sie tiefer und tiefer sinkt — ein Abschaum der menschlichen Gesellschaft. Schamhaftigkeit ist eine Erbtugend des jüdischen Stammes. Als Boas die Schamhaftigkeit der Ruth zu beobachten Gelegenheit hatte, da sprach er: „Diese da ist Werth, sich dem jüdischen Stamme anzuschließen;" und sie ward die Stammmutter der jüdischen Könige Jahrtausende lang haben sich Israels Söhne And Töckter durch Schamhaftigkeit ausgezeichnet. Erst' in neuerer Zeit hat sich zu dem Verlassen des gesammten Gottesgesctzes vielfach Schamlosigkeit gesellt. Möge doch Jeder, dem es möglich ist, warnend dagegen die Stimme erheben! Welch eine Jugend wächst in den Kreisen der vom Gottesgesetz Abgefallenen heran! Junge Männer und junge Mädchen, die nicht an Gott glauben, die mit Nichtjuden und Nichtjüdinnen Verhältnisse anknüpfen , die die alte, jüdische Stammestugend der Schamhaftigkeit in Schamlosigkeit verkehren. Als Israel aus Aegypten zog, da gab es nur Ein Weib in Israels Mitte, das schamlos, Ehre und Tugend vergessend, ein Verhältniß mit einem Aegypter angeknüpft hatte, und der Sohn dieser Israelitin ward ein Gotteslästerer. Beherzigen wir diese Warnung; gerade in der Gegenwart ist die Verführung größer als sie zu irgend einer Zeit gewesen. Erziehen wir unsre Kinder zu gesetzestreuen Juden und Jüdinnen; dann werden die Erbtugenden des jüdischen Stammes auch der kommenden Geschlechter herrlichster Schmuck sein. AettungSnacdrichten und Correfpondenzen. Oesterr. Ungarische Monarchie. * ' Wien, 14. April. In Nr. 14 Ihres gesch. Blattes befindet sich eine Correspondenz „AuS Böhmen", in welcher behauptet wird, daß mein Bericht vom 13. v. M. über die Eingabe der Rabbiner von Pilsen und Saaz geeignet sei, „ein schiefes Licht auf die Rabbiner und Gemeinden Böhmens zu werfen". Es ist unbegreiflich, wieso jener Correspondent in meiner Notiz auch nur den Schatten eines Angriffes gegen „die" Rabbiner und Gemeinden Böhmens erblicken konnte, nachdem ich nur der von den Rabbinern zu Pilsen und Saaz überreichten Eingabe erwähnte, es mir daher umsoweniger befallen konnte, eine von den beiden Genannten ausgegangene Petition sämmtlichen Rabbinen Böhmens zur Last zu legen, als vor einigen Monaten bereits in diesem Blatte — ohne daß eine Gegenbemerkung erfolgte — constatirt worden, daß jene Eingabe nicht von sämmtlichen Rabbinen Böhmens gefertigt wurde und die beiden Ueberreicher ebensowenig von sämmtlichen Rabbinen Böhmens ein Mandat zu einer Eingabe oder irgend einem sonstigen Schritte hatten. Darum ist es höchst sonderbar, daß der Correspondent zwei oder einige Rabbiner Böhmens mit „den" Rabbinern und Gemeinden Böhmens identificirt. Ich juchte in Folge jener Correspondenz noch nähere Erkundigung einzuziehen, konnte feboct) nicht erfahren, wie viele Rabbiner bei jener Rabbinerversammlung in Pilsen waren; es wurde mir aber mit Bestimmtheit aus sehr verläßlicher Quelle mitgetheilt, daß nur ein Theil der Rabbiner Böhmens sich an jener Versammlung und an der Eingabe betheiligt hat, und daß die Gemeinden diesem Schritte gänzlich fern gestanden, daß sogar die Cultusgemeinde Pilsen, also die Gemeinde des einen der beiden Ueberreicher, bei der Repräsentanz der böhmischen Landesjudenschaft einen Protest gegen jene Eingabe überreicht hat, und daß in einer am 8. März in Eger stattgefundenen Versammlung von Gemeinbedelegirten beschlossen wurde, an die genannte Repräsentanz im Namen von 15 Gemeinden einen Protest gegen die von jenen zwei Rabbinern überreichte Eingabe ergehen zu lassen. Daß von anderen Gemeinden kein Schritt gegen jene Petition geschehen ist, soll darin seinen Grund haben, weil der Eingabe ebensowenig als der Rabbinerversammlung , von der sie beschlossen worden, eine Wichtigkeit beigelegt wurde, und weil man nicht befürchtet hat, daß von Seiten der hohen Regierung einer von einigen Rabbinen unterschriebenen Petition, ohne die Gemeinden darüber einzuvernehmen, Folge gegeben werde. Mein Bericht konnte daher auf die Gemeinden ebensowenig als auf „die" Rabbiner Böhmens ein schiefes Licht werfen; derselbe hat nur die von einigen Rabbinern Böhmens ausgegangene Petition charakterisirt, und das darin ausgesprochene Urtheil ist gerade durch die in jenem Berichte „Aus Böhmen" erfolgte Angabe der „Wünsche"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.