Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1878)
- Date
- 1878-05-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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440 „Mein lieber, Großpapa! Ich grüße Dich. Wie geht es Dir? Hoffentlich bist Du gesund und meine liebe Selma auch. Ich bin auch gesund, aber Mama hat mich mit sich fortgeschleppt weit, sehr weit von Dir und von Selma. Und Mama hat mich taufen lassen und will haben, daß ich ganz viel Böses thue, aber ich thue es doch nicht. Aber bitte, lieber, guter Großpapa , komm doch her und hole mich und nimm mich wieder mit Dir nach Hause. Wir wohnen in Z.... am See, Villa Louise. Adieu, lieber Großpapa 1 Ich grüße Dich und Selma und Susanne auch. Dein lieber Hugo." Und nun nahm das Schlauköpschen das Couvert, in dem sein Lehrer heute den Brief erhalten. Vorsichtig machte er es auseinander und wendete es tun, so daß die Adresse nach Innen kam und nun legte er sein Schreiben hinein und klebte das Ganze mit Oblate wieder zu. Und nun kam das Wichtigste, die Adresse, er machte sie in großer deutlicher Kinderschrjft und so schwarz als möglich, indem er den Bleistift wiederholt anfeuchtete; denn er scheute sich, im Zimmer, wo er sein Schreibzeug hatte, daran zu schreiben. Er athmete hoch auf, der Brief war nun vollendet und hastig schob er ihn in seine Brusttasche. Ob es ihm nur gelingen würde, ihn unbemerkt in einen Briefkasten gleiten zu lassen- — Er hoffte es — darum hatte er heute seinen Lehrer gebeten, ihn in die Stadt zu führen. Darum war er mit der angespanntesten Aufmerksamkeit dem Unterricht gefolgt, um den versprochenen Ausflug zu verdienen. Er war furchtbar erregt; wenn es gelingen würde, wenn sein Brief seinen Großvater erreichen würde, dann durfte er auf Rettung hoffen. Er athmete rasch, seine Lippen bebten, fieberhafte Röthe wechselte auf seinem Angesicht mit erdfahler Blässe. (Fortsetzung folgt.) A N Z E I G E N. Für den folgenden Theil ist die Rednction nicht verantwortlich. Jttferaten-Annahme für fftanffutt a.M. bei </• Kauffmann^ Buchhandlung , und für bei ^f. Goldschmidt« Buchhandlung in ßambuva, Kohlhöfen 39. Rödelfee, Unterfranken. Gestatten Sie mir, geehrter Herr Redacteur, in Ihrem geschätzten Blatte, das so sehr verbreitet, Einiges über das Leben eines schlichten Mannes zu berichten, der kürzlich das Zeitliche gesegnet. Herr Lehmann Frank y"j ging am4. Nissan in das bessere Jenseits. Das Leben dieses Biedermannes sollte wirklich als Muster gelten. Er glänzte in der Familie, in der Gemeinde, im Judenthum, und als Mensch besonders ob seiner vorzüglichen Eigenschaften und Tugenden. Durch ihn entgeht der Familie ihre Hauptstütze, der Lenker und Führer des Haushaltes. Die Gemeinde verliert an ihm ihr schönstes Mitglied. Er unterzog sich gerne der ihm obliegenden Pflichten, übertrat nie einen rvjj/p, war stets bereit, dem Frieden und der Eintracht Opfer zu bringen und legte fortwährend einen für den Grad seiner religiösen Bildung höchst anerkennenswerthen Sinn für Anstand und Ordnung beim Gottesdienste an den Tag. Er bekleidete lange die Stelle eines Cultusvorstehers. Er wirkte viel Gutes in dieser seiner Stelle. Die Gemeinde verdankt ihm die neue Synagoge und die gar nicht zu schätzenden Gemeindestatuten. Er hielt die Ordnung im Gebethause strenge aufrecht. Er versah sein Amt nur dw owb, wofür ihm jetzt auch Dny'Da noec noi das Verdienst der Urväter beistehen wird. Als Geschäftsmann war er streng solid, rechtschaffen im wahren Sinne des Wortes. Durch seinen offenen Sinn stieß er manchmal an, aber die Vielen, mit denen er zu verkehren hatte, rühmen ihm nach, daß sie gerne mit ihm umgegangen, was sich auch durch das ehrenwerthe und zahlreiche Gefolge zu seinem Grabe bekundete. Noch nie sah man einen solchen Leichenzug hier; Juden und Nichtjuden aus Nah und Fern eilten herbei, dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Er ist nun heimgegangen zu seinen Vätern. Möge er den Lohn empfangen für die guten Werke, die er geübt, aus der Hand unseres himmlischen Vaters. n"3"s"j"n. [1214] —k.