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Der Israelit · 1878-05-01 · Heft 18 (1.5.1878) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 18 (1.5.1878)
Date
1878-05-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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430 schöne Fest, welches die Betheiligten bis um 2 Uhr Nachts in gehobener Stimmung vereint hielt, gab Aeugniß von der lebhaften guten Strömung, welche der genannte Verein in die verschiedenen Kreise der hiesigen israel. Gemeinde getragen hat. Oesterr.-Ungarische Monarchie. Wie«. Es ist in jüngsten Zeit wiederholt vorgekommen, daß von jener unnatürlichen Selbstmordmavie, welche heutzutage grassirt, oft Kinder und junge Leute, bei denen Lebensüberdruß unbegreiflich ist, ergriffen werden. So stürzte sich denn die vorige Woche ein siebzehnjähriges Mädchen, weil es von dem Lehrer getadelt wurde, vom Karls, Kettenstieg in die Donau. Es dämmerte eben der Abend heran, und die am Ufer Vorübergehenden konnten bereits nicht mehr unterscheiden, ob das Wesen, das mit den Wellen ringt, ein Mensch oder ein Thier sei, als ein junger Mann, den sein Weg vorüberführte und der sich nach der Ursache der Ansammlung der Menge erkundigte, schärfer den schwimmenden Körper betrachtete und mit dem Rufe: „Es ist ein Mensch," sofort in den Fluß sprang, mit Gefahr des eigenen Lebens das bereits ohnmächtig gewordene Mädchen an's Ufer brachte, wo beiden, dem Retter und der Geretteten, Hilfe geleistet wurde. Der edle Jüngling, der jeden Dank für seine menschenfreundliche Heldenthat ablehnte, obgleich er selber leicht das Opfer seiner Nächstenliebe hätten werden können, heißt Hugo Spitzer und ist der Sohn des Bezirksrabbiners Dr.. Samuel Spitzer in Essek. Herr Hugo Spitzer, der Lebensretter, studirt Jura an der hiesigen Universität und fristet seinen Lebensunterhalt als Kanzlist bei einem hiesigen Advokaten, da der gelehrte Vater, wie die meisten jüdischen Geistlichen, leider nicht in der Lage ist, aus eigenen Mitteln seinen begabten Sohn zu unterstützen. Bemerkenswerth ist, daß Herr Hugo Spitzer nicht nur ein edler Mensch und wackerer Student ist, sondern auch den rituellen Satzungen des Judenthums Treue und Gehorsam bewahrt. Lemberg, im April. Der hiesige politische Verein „Schomer Israel" hat dieser Tage nachstehende Petition an den Grafen Andrassy überreicht : Euer Excellenz! Die hohe kaiserliche und königliche österreichisch-ungarische Regierung hat angesichts der orientalischen Wirren stets den humanen Gedanken vertreten, daß das Loos der christlichen Unterthanen in den türkischen Ländern zu verbessern sei. Die Gesetzgebungen beider Hälften unseres Reiches haben schon längst die Gleichberechtigung aller Religions-Genossenschaften gewährleistet, und unserem österreichisch-ungarischen Staate fehlt ebenso wie den beiden Staatshälften jeglicher confesstonelle Charakter. Das gerechte Eintreten der hohen Regierung für das Wohl der christlichen Unterthanen der Pforte ist daher lediglich Ausfluß jener Humanität, die nicht minder mit Füßen getreten erscheint, wenn die Bekenner anderer Religionen und speciell die Juden in den genannten Ländern hintangesetzt werden. Die traurigen Verhältnisse für die Juden in Rumänien und den übrigen nach Unabhängigkeit strebenden Ländern, welche unter türkischer Suzeränetät standen, sind Euer Excellenz wohl bekannt. Die wegen Schlichtung der orientalischen Wirren obschwebenden Verhandlungen und der etwaige europäische Congreß beanspruchen zwar in erster Linie Eurer Excellenz Weisheit und Erfahrung, um jene wichtigen österreichisch-ungarischen Interessen sicher zu stellen, welche auch uns als treuen Söhnen des Reiches zunächst am Herzen liegen. Doch werden Euer Excellenz nach Erreichung dieses ersten und heiligsten Zieles es gewiß nicht zurückmeisen, auch für das Loos unserer unglücklichen jüdischen Glaubensgenossen einzutreten^ und es bittet sohin der ehrfurchtsvoll gefertigte politische Verein „Schomer Israel" in Lemberg, dessen statutenmäßige Aufgabe es ist, jüdische Interessen zu wahren: Euer Excellenz geruhen den Einfluß der kaiserlichen und königlichen österreichisch-ungarischen Regierung dahin geltend zu machen, daß die Juden in den zur Unabhängigkeit gelangenden — bis jetzt unter türkischer Schutzherrlichkeit stehenden Ländern — den übrigen Einwohnern gleichgestellt werden. Lemberg, am 30. März 1878. Der Ausschuß des Vereins „Schomer Israel"' Aus Oberungarn, im April. Die Wirren auf religiösem Gebiete haben auch bei uns in den größten Gemeinden Ob er Ungarns praktische greifbare Gestalt angenommen. So hat sich die Chassidaer-Gemeinde in S. A.Ujhely gänzlich von der Mutiergemeinde losgelöst und durch Aufnahme eines Drop den Beweis geliefert, daß sie nicht auf dem Boden des iny qnS» steht, nachdem der Oberrabbi dieser Gemeinde, Herr Lasar Lö w, das Fleisch von jener geassert und durch persönliches Entgegenkommen Alles aufgeboten hat, den Riß nicht eintreten zu lassen. Während in früheren Jahren die Chassidaer Alles aufboten, von dem Rabbinate des fel. Jeremias Löw t>"7 sich loszulösen, so wagte es doch Niemand, gegen diesen großen Mann offen hervorzutreten. War

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