Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1878)
- Date
- 1878-04-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447747-2447762--14781-2470704- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
340 , der Einfältige, der nur an der Oberfläche haftet, und der Gleichgiltige, dem nichts auffällig ist, der nicht einmal zu fragen versteht. Ehe wir jedoch die Arten der Forschung deS Weisen und deS Bösen näher erörtern; müssen wir uns mit der Einleitung beschäftigen. mjn min jnjff ")ro , drin "pa ,c:ipDn “jna drin “))"□ ^dr->^' „Gelobt sei Gott, gelobt sei Er, gelobt sei, der die Thora gegeben hat Seinem Volke Jisrael, gelobt sei Er." Es ist hier vieles auffällig: Erstens, warum wird Gott hier mit dem Namen „Makom" bezeichnet, welches Wort ursprünglich „Ort" heißt; zweitens, das erste „Baruch Hu" ist an sich nicht auffällig; man könnte sagen, da der Verfasser der Hagadah den Namen Gottes erwähnt, will er Ihn auch preisen; da aber dieselbe Ausdrucksweise noch einmal wiederkehrt, so muß sie auch hier eine tiefere Bedeutung haben; drittens, warum wird gerade hier Gott als Spender der Thora gepriesen, das wäre doch besser am Anfänge der Hagadah am Platze gewesen; und viertens, warum wird das „Baruch hu" wiederholt? Um diese Fragen zu beantworten, müssen wir die geehrten Leser ersuchen, uns ein wenig auf das philosophische Gebiet zu folgen. Wenn wir von allem unserm Wissen, von sämmtlichen Vorstellungen, die wir unfern Sinnen verdanken, sowie von allen Resultaten des Nachdenkens abstrahiren, oder mit andern Worten, wenn wir von dem Vorhandensein aller Dinge absehen, so sind es doch zwei Begriffe, die wir uns nicht hinwegdenken können: Raum und Zeit. Wenn wir es versuchen, alle Dinge als nicht vorhanden zu betrachten, so bleibt uns dennoch der leere, anscheinend unendliche Raum, den hinwegzudenken unmöglich ist. Wir können uns vorstellen, daß Sonne, Mond und Sterne, daß die Erde mit allem ihrem Zubehör nicht da sei; aberden Raum, in welchem, sich das Alles befindet, hinwegzudenken — das vermögen wir nicht. Ebenso ergeht uns in Bezug auf die Zeit. Wir können uns in Gedanken Jahrtausende rückwärts wenden, wir können auf den Flügeln der Phantasie Jahrtausende vorwärts fliegen, eine zeitlose Vorstellung — daran erlahmt unser Denken. Aehnliches haben unsere Weisen im Tractat Chagiga ausgesprochen: „Derjenige, welcher den Begriff des Raumes myo1? no hüdS no oder den Begriff der Zeit no d\je^> no ‘vnxb ausdenken will, dem wäre es besser, er wäre nicht erschaffen worden." Es sind die natürlichen Schranken unsres Geistes, die uns an vollkommener Erkenntniß verhindern. Sollen wir aber, weil wir das All nicht ergründen können, alles Denken und Forschen aufgeben? Nicht doch. Wenn es unsrem Geiste auch versagt bleibt, Raum und Zeit auszumessen, einen bestimmten Ort, innerhalb einer bestimmten Zeit vermögen wir zu erkennen. Dies ist der feste Punkt oipo, von dem aus wir in unserm Denken das Universum, das unS zu entschwinden drohte, gleichsam wieder aufzubauen, vermögen. Und daher heißt Gott „Makom". Er ist der feste Hort inmitten planlosen, zwecklosen, ohne Ziel schweifenden Denkens «in«? möd dipo iDt? «opj not» nb\y bw lDipo Gott heißt deßhalb „Ort", weil Er ist der Ort der Welt. Gott ist unendlich, ewig, und die Welt ist in Ihm. in Ihm der Raum, durch Ihn die Zeit; jede Forschung muß mit Ihm beginnen, in Ihm aufhören. Dipan “po, gelobt sei Gott, der da ist der Ort des Universums" — das ist die Grundwahrheit, die jeder echten und rechten Forschung zu Grunde liegen muß. Mit diesem festen Boden für die Forschung haben wir jedoch noch nicht alle irrtümlichen Anschauungen und Systeme beseitigt; cS ist nicht genug, daß wir das Dasein Gottes überhaupt anerkennen, eines Gottes, wie ihn die Pantheisten und andere philosophischen Schulen lehren, — unser Gott ist nicht ein solcher Gott, der etwa als Weltseele zu bezeichnen wäre, eine Gottheit ohne Willen, ohne thatliches Eingreifen in das Weltengetriebe; unser Gott ist ein persönlicher Gott, der Schöpfer und Lenker des Weltalls; deßhalb fügt die Hagadah sofort hinzu: Baruch hu, gelobt sei Er, der Sich uns als persönlicher Gott offenbart hat ivp mm jnjip *jro, der Seinem Volke die Thora gegeben; und auS dieser Thora wissen und erkennen wir Ihn als Weltenschöpfer und Weltenlenker »«in -,na, als persönlichen Gott, der schafft und zerstört, der hilft und rettet, der bestraft und belohnt nach Seinem heiligen Willen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten Gnrrefpoudenzev. Deutschland. Mainz, 2. April. Wir haben bereits mehr, fach von den bedauerlichen Zerwürfnissen in Frankfurt a. M. berichtet. Ein Theil der isr. Religionsgesellschaft ist auS der Gemeinde auSgefchieden, ein Theil ist im stutue qno ante verblieben , ein dritter Theil hat mit der Gemeinde ein Compromiß geschloffen; dieser letztere hat nunmehr durch den Vorstand der isr. (Reform-) Gemeinde einen Rabbiner berufen lassen, Herrn