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Der Israelit · 1878-03-27 · Heft 13 (27.3.1878) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 13 (27.3.1878)
Date
1878-03-27
Page
– (sequence 19)
Language
German
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329 auch mit Rücksicht auf den eintretenden Sabbath, den Wunsch, ja die Forderung, die Leiche nach Neunkirchen überführen und auf ihrem Friedhofe beerdigen zu dürfen, da sie es sich zur besonderen Ehre rechneten, der allverehrten Verblichenen daselbst die letzte Ruhestätte zu bereiten. Und so geschah es denn auch; die edle Verstorbene, der man in ihrem Geburts- und Heimathsorte aus niedrigen Mammonsgelüsten das kleine Stückchen Erde verweigerte, fand auf dem Friedhofe ihrer Glaubensgenossen in Neunkirchen die letzte Ruhestätte. Daß die israel. wie auch theilweise die christliche Gemeinde in Illingen, die übrigens zum Empfang und zur Beerdigung der Leiche bereit waren, über diese Handlungsweise des israel. Vorstandes entrüstet waren, und daß auch der Vorstand selbst, der, wie aus erweislichen Aeußerungen hervorgeht, „diesen Ausgang" nicht erwartet, und jetzt zu einer Aufnahme der Leiche gern bereit wäre, falls die Angehörigen sie wieder ausgraben lassen wollten, ändert leider an der Thatiache nichts, denn die endlich gefundene Ruhe der Todten nochmals zu stören, dürfte selbst ihrem Wunsche gegenüber, in Illingen zu ruhen, gegen die zumal bei Israeliten bekannte angeborene Pietät verstoßen. Königsberg Dem VerwaltungS - Bericht des isr. Vereins für Krankenpflege und Beerdigung zu Königsberg i. Pr. für das Jahr 1877 entnehmen wir: Für ärztliche Honorare, Medikamente und Brunnen-Bäder, chirurischeJnstrumente undSchröpfköpfe, Krankenwachen und Baar- Unterstützungen wurden zusammen 5639 Mark 94 Pf. verausgabt. Diese intensivere Unterstützung ist uns theils durch die erhöhten Jahresbeiträge unserer Mitglieder, theils durch die wachsende Anzahl derselben ermöglicht worden. Mögen sich unsere Vereins-Mitglieder überzeugt halten, daß, sowohlthätige und edle Zwecke auch die verschiedenen in unserer Gemeinde existirenden Vereine verfolgen, unserem, dem ältesten derselben, welcher neben dem Unterstützungswerke die freiwillige Ausübung persönlicher Liebeswerke gegenüber Kranken und Verstorbenen ohne Unterschied des Ranges nnd Standes bezweckt, die erste Stelle unter ihnen gebührt, die auch durch die allerorts übliche Bezeichnung als tnan — heilige Genossenschaft — anerkannt wird. So sehr wir auf der einen Seite in der erfreulichen Lage sind, für die sich unserem Vereine aus immer weiteren Kreisen zuwendende Theilnahme und hiedurch erstarkenden Mittel dankbar zu sein, so müssen wir doch leider gestehen, daß die Steigerung Der Ansprüche, welche an den Verein gestellt werden, eine noch unverhältnißmäßig größere ist. Daß wir bei Erfüllung der an uns herantretenden Aufgaben den armen Kranken gegenüber niemals kargen, beweisen unsere specificirten Rechnungen; leider hat sich die Zahl der regelmäßigen Unterstützungsempfänger allmonatlich fast auf dreißig erhöht, und es wird hier sehr bald eine Reduction eintreten müssen, wenn unsere Mittel von vornhinein erschöpft werden sollen; mögen jedoch unsere Mitglieder überzeugt sein, daß alle unsere Maßnahmen dahin gerichtet sein werden, innerhalb der gegebenen Mittel die Tendenz des Vereins zu immer vollkommener Ausführung gelangen zu lassen. Der Verein hat von einem Capitals-Betrage von 58,650 Mark a 5 pCt., eine feste Zins-Einnahme von 2932 Mark 50 Pf., so daß etwa die Hälfte unserer etatsmäßigen Ausgaben an Unterstützungen hierdurch gedeckt wird. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Pesth. Blind Ori ist gestorben. Wer ist blind Ori? werden unsere Leser fragen. In Pesth wird Niemand diese Frage stellen, da blind Ori die bekannteste Persönlichkeit in unserer Hauptstadt gewesen. Wann der Mann geboren ist, weiß Niemand, da bei seiner Geburt in unserer ganzen Monarchie noch keine jüdischen Matriken existirten. Ebensowenig dürfte Jemand wissen, woher derselve stammt. Blind geboren, hat die Vorsehung den Unglücklichen mit einem ungewöhnlich starken Gedächtnisse beschenkt. Theilte ihm Jemand mit, daß sein Vater oder seine Mutter gestorben, da merkte er sich den Jahrzeitstag. Begegnete derselbe Mann blind Ori nach 20 Jahren und fragte ihn: Wer bin ich, Ori? da besann er sich keinen Augenblick, und antwortete: Sie heißen so und so, wohnen da oder dort und haben für Ihren Vater und Ihre Mutter an dem und dem Tage Jahrzeit. Blind Ori war sein ganzes Leben hindurch Jahrzeitsansager der Pesther Juden. Er wußte sich in der Stadt so gut aus, daß er trotz seiner Blindheit jedes einzelne Haus kannte, bis zum 3. und 4. Stock hinaufstieg und durch die Fenster hineinrief: Morgen haben Sie Jahrzeit, vergessen Sie nicht zu sagen und ein Licht anzuzünden! Hierfür wurde blind Ori von den betreffenden HauSleuten immer beschenkt. Das Jahrzeitansagen wurde so zu seiner immerwährenden Beschäftigung und zu einer lohnenden Einnahmequelle! Ori ist* im Laufe dieser Woche im jüdischen Spitale gestorben in einem Alter von mindestens über 90 Jahren. Für ihn wird Niemand Jahrzeit halten, da er nie verheirathet gewesen. (Pesth. j. Zeit.)

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