Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1878)
- Date
- 1878-03-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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312 daß Ihr gut und recht thun werdet, wenn Ihr Eure Schüler auch in der Landessprache, in der arabischen Sprache und Schrift unterrichtet, damit sie diese Sprache grammatisch und syntactisch erlernen . auf daß sie, wenn es nothwendig werden sollte, im Stande seien, mit der Regierung schriftlich zu verkehren. Seht Ihr nicht, daß leider Viele sich von der Unterstützung der Armen im heiligen Lande zurückziehen? Drßhalb solltet Ihr Euch die Möglichkeit verschaffen, selbst für Euren Lebensunterhalt zu sorgen. „Es sind jetzt fast 40 Jahre her, daß ich vor dem Sultan Abdul Hamid meine Bitten vorbrachte, um unfern in Damascus verfolgten Brüdern ihr Recht zu verschaffen. Damals ermunterte ich unsre Glaubensgenossen in Constantinopel zur Erlernung der Landessprache; sie folgten meinem Rathe zu ihrem Wohle. Heute nun sende ich, ehrwürdige Herren, 105 1. st. (2100 Mark), damit Ihr dieses Geld zur Anstellung eines Lehrers für den Unterricht in arabischer Sprache und Schrift verwendet; nach drei Monaten wollet Ihr mir einige, von jedem Schüler geschriebene, arabische Zeilen einsenden. Solltet Ihr aber meinen Wunsch aus mir unbekannten Gründen nicht erfüllen wollen, so sendet mir das Geld zurück. — Derjenige, welcher Zion erwählt hat, möge sich bald erbarmen des Ueberrestes Seines Volkes wie es der Wunsch ist Eures Euch verehrenden und stets für das Wohl seines Volkes betenden Moses Montefiore." Nachdem die Rabbinen der Talmud-Thora diesen Brief empfangen hatten, beriethen sie sicb mit den hervorragendsten Rabbinen der aschkenasischen Gemeinden und beschlossen. das großmüthige Geschenk des edlen Gebers anzunehmen und zu dem angegebenen Zwecke zu verwenden. Dieser Beschluß fand die Zustimmung der großen Mehrheit der israel. Bewohner Jerusalems. Einige aber schüttelten den Kopf und sprachen: „Es wird dieses nur der Anfang sein zur Errichtung von Schulen, in denen die Jugmd dem Thora-Studium und der Gottesfurcht wird entfremdet werden." — Zu diesen es treu und aufrichtig Meinenden gesellten sich aber Heuchler, die einen furchtbaren Lärm erhoben und sich jeder vernünftigen Einrede verschlossen. Es kam zu Gewaltlhätigkeiten, und am Ende wurden die Rabbinen von der aufgeregten Menge gezwungen, ihren Beschluß zurückzunehmen und das Geld an Sir Moses Montefiore zurückzusenden. Wir haben uns im Vorstehenden an den Bericht der in Jerusalem erscheinenden hebräischen Zeitschrift „Jehuda und Jeruschalajim" gehalten. Privatbriefe, die uns zugegangen, stimmen damit überein. Daß diese betrübenden Vorgänge uns mit Trauer und Schmerz erfüllen, brauchen wir wohl nicht zu sagen. Wir wollen mit den Aufrichtig- Meinenden nicht rechten; wir wollen den Kernpunkt der Sache, ob die Erlernung der arabischen Sprache gut und nothwendig sei, heute nicht erörtern; (in Paranthese wollen wir bemerken, daß die Erlernung der Sprache, in welcher Maimonides, Jehudah Hallevi und viele Andere epochemachende Werke sMaimonides den Mischnajoth-Commentar, den Moreh Nebuchim re. Jehudah Hallevi den Kusari rc.) geschrieben haben, nicht sündhaft sein kann). Wir wollen hier nur einen Punkt hervorheben, den nämlich, daß man die Rabbinen durch Toben und Schreien und Androhen von Thätlichkeiten gezwungen hat, ihren Beschluß zurückzunehmen. Die erwähnte streng orthodoxe Zeitschrift bezeichnet die Uebelthäter als rm« D'koiS"! pit? \ycb nN-pn als „Gefärbte (Heuchler), die sich heuchlerischer Weise in den Mantel der Gottesfurcht hüllen." Man sollte doch diesen Heuchlern die Larve abreißen und nicht dulden, daß sie die braven. frommen und fleißigen Bewohner von Jerusalem in Verruf bringen, daß sie die Bewohner der heiligen Stadt terrorisiren. Hätten die Rabbinen aus frei?« Stücken die Einführung des Unterrichts in der arabischen Sprache abgelehnt, so ließe sich wohl darüber streiten, ob sie recht daran gethan; nichtsdestoweniger hätte man es ihrer Einsicht überlassen müssen, so zu verfahren, wie sie es für recht und zweckmäßig halten. Wie aber die Sache gegenwärtig liegt, ist jeder aufrichtige Freund der Israeliten des heiligen Landes verpflichtet, Einsprache zu erheben gegen einen Terrorismus, dem sich zu fügen, ebenso fromme wie einsichtsvolle Männer gezwungen wurden. Zum Schluffe möchten wir noch unsere geehrten Leser bitten, in ihrem Urtheile nicht vorschnell zu sein und nicht in das Geschrei derer einzustimmen, welche diese Gelegenheit dazu benützen werden, in gewohnter Weise gegen die Armen Palästinas loszuziehen und gegen die Unterstützung derselben zu eifern. Wir hegen vielmehr die Hoffnung. daß gerade dieser Anlaß dazu dienen wird, den Muth und die Kraft der Einsichtsvollen zu heben und einen Terrorismus zu brechen, der nicht zum Guten führen kann. Nehmen wir uns ein Beispiel an dem edlen Sir Moses, der trotz so vieler trüber Erfahrungen, die er in Palästina hat machen müssen, in seiner Liebe für das heilige Land und dessen Bewohner immer mehr erstarkt ist.