Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1878)
- Date
- 1878-03-20
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XIX. Jahrgang. Zweite Beilage;u Ar. 12 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Von dem Anfangs dieses Monats verstorbenen Erzherzog Franz Karl, Vater des Kaisers von Oesterreich, wird folgender schöner Zug erzählt. Im Sommer hielt sich der Erzherzog meistens in Salzburg oder Ischl auf. Auf seinen Spaziergängen beschenkte er sehr oft die ihm begegnenden Kinder mit Gold- und Silbermünzen und Spielwaaren und machte zu diesem Zwecke bei Haustrern oft nicht unbedeutende Einkäufe. Einmal traf er einen jüdischen Hausirer an, dem er zurief: Machen Sie doch Ihren Pack auf, damit ich Ihnen etwas Schönes abkaufe. Dieser erwiederte jedock: Gnädiger Herr! Ich habe für Sie nichts Schönes, ich habe blos jüdische Maare. Jüdische Maare! gibt es denn auch eine Maare, die nur für Juden bestimmt ist? fragte lächelnd der Erzherzog. Ich möchte diese interessante Maare doch gerne sehen. Der Jude öffnete schüchtern seinen Pack, welcher große ms» j/m« enthielt und erklärte dem Erzherzog , welchen Zweck eigentlich diese jüdische Maare habe. Der Erzherzog wählte das schönste und größte unter den niejD ymx aus, gab dasselbe > nebst fünf Dukaten dem Juden mit den Worten I zurück: Sehen Sie, ich habe dieses Stück jüdische j Maare abgekauft. Da ich es jedoch nicht selbst! benutzen kann, wollen Sie dasselbe in meinem Na-! men einem gelehrten und frommen Rabbiner geben.! damit er in diesem heiligen Kleide auch für mich! bete. (Pefth. jüd. Zeit.) > Wien! Der Kaiser von Oesterreich hat de-! kanntlich auf Verwendung des Hofwechslers Jg.! Deutsch unfern Glaubensgenossen Paul Lowitz! zum österr. Consul in Tripolis (Afrika) ernannt. Die Israeliten in Tripolis sind von der kaiserl.! Gnade höchst gerührt und erfreut. Der Vorstand j der isr. Gemeinde und der Oberrabbiner Elijoh von j Tripolis haben im Namen ihrer Gemeindemitglie-; der an den Kaiser eine Dank - und Ergebenheits-! Adresse gerichtet, und den Synagogenvorstehern in j Tripolis die Weisung ertheilt, Gebete für den j Kaiser und den österr. Staat verrichten zu lassen. (W. Isr.) , Aus Weftgalizien schreibt man der „N. ft. Presse*: Zu den vielen hierländischen socialen Uebelständen gehört der bei uns zu Lande seit jeher bestehende, von den Behörden großmüthig geduldete sogenannte „wandernde Wunder-Rabbi". Derselbe reist in der Regel in seinem eigenen Wagen, von einem Famulus begleitet, und läßt sich in jedem Orte, wo er für einige Tage sein Quartier aufschlägt, seine Wunderthaten sehr theuer bezahlen. An diesen Wunderthaten des gewöhnlich in einen weißen Kaftan gekleideten heiligen Mannes hat sein dienender Geist keinen geringen Antheil, denn das Geschäft des Letzteren besteht darin, daß er gleich bei der Ankunft in einem Orte von den Verhältnissen der jüdischen Gemeinde und auch von den geheimsten Vorgängen in jeder einzelnen Familie sich unterrichten läßt und die gewonnenen Erfahrungen dem seine Wohnung nie verlassenden Rabbi mittheilt. Ein solcher wandernder Wunder-Rabbi kam Anfangs voriger Woche in dem westgalizischen Städtchen G. an und producirte daselbst durch mehre Tage mit Hilfe seines Famulus großartige Wunderwerke. Er erhielt für das Versprechen, daß die zu ihm gekommenen Kranken geheilt und die von ihm gesegneten unfruchtbaren Frauen binnen Jahresfrist Mütter werden, beträchtliche Geldsummen von den Gläubigen. Eines Abends hörten die Vorübergehenden aus der Wohnung des Rabbi einen Lärm dringen. Sie näherten sich und erhielten von den Hausbewohnern die Antwort, daß ein solcher Lärm in jeder Nacht in dem Zimmer des „Heiligen" stattsinde und daß es — wie dessen Diener versicherte — vom „Beten" des Rabbi herrührte, der solches mit aller Kraft und im Kampfe mit den bösen Geistern allabendlich verrichtete. Einige Stunden später, gegen 10 Uhr Nachts, erschien ungewöhnlicherweise der „Heilige" in eigener Person im Vorhause und ertheilte dem Kutscher den Befehl, anzuspannen. Bald darauf verließ der Rabbi ohne den Famulus das Städtchen. Die Hausleute wagten nicht die geringste Bemerkung hierüber. Als aber am andern Tage die Hausbewohner den Famulus das Zimmer nicht verlassen sahen, fiel es ihnen auf; sie versuchten in dasselbe zu kommen. Die Thür war von Außen geschlossen. Als diese erbrochen wurde, sahen sie zu ihrem nicht geringen Erstaunen, daß der Diener des