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Der Israelit · 1878-02-13 · Heft 7 (13.2.1878) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 7 (13.2.1878)
Date
1878-02-13
Page
– (sequence 26)
Language
German
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176 und zur Nahrung theilte man uns nichts weiter als schimmliges Weißbrot und Wasser zu, in Portionen, gerade genug, um nicht an Entbehrung zu sterben." „Am 22. Ellul (1. September) wurden wir nach Dranova dirigirt, wo wir die Nacht zubrachteu. Hier hatten wir die ersten Kranken. Die Anstrengungen des Marsches, die Gluth der Sonne, die vollständige Entblößung von den unentbehrlichen Dingen, der Mangel an Schulzcug, Alles dies trug bei, uns schwer zu prüfen. Ein Kind starb und wurde auf dem Wege begraben." „Am 23. Ellul (2. September) reisten wir von Dranova ab und kamen am 24. nach Tirnova. Unterwegs begegneten wir dem Gros der russischen Armee. Jüdische Soldaten, die sich in den Reihen derselben befanden, gaben uns Alles, was sie besaßen, Geld und Lebensmittel, mit einer Herzlichkeit, die uns jedes Mal, wenn wir davon sprechen, die Thränen in die Augen treten läßt. Es waren die ersten Tröstungen, die wir kosteten, sie waren unseren gebrochenen Herzen recht süß." „In Tirnowa wurden wir in von den Türken verlassenen Häusern cinquartiert. In dieser Stadt hatten wir das Glück, einen jüdischen Kaufmann, einen Armee-Lieferanten, zu treffen; dieser ausgezeichnete Glaubensgenosse schickte uns sofort nach unserer Ankunft 600 Brot in die Wohnung und kam des andern Tages selbst uns besuchen und sich nach unseren Bedürfnissen erkundigen; er erlangte für uns die Erlaub - niß frei in der Stadt umherzugehen. Bei seinem Besuch vertheilte cr noch, bevor er uns verließ, Brot und Geld." Die Flüchtlinge blieben noch 5 Tage in Tirnova; während dieser Zeit ließen sich Einige freiwillig bei den Erdarbeiten mitbeschäftigen und -wurden hierbei von! den jüdischen Soldaten im russischen Dienste protegirt, die ihnen immer wieder Brot und Geld verschafften. „Aber der Schutz, den wir nun zu genießen begannen, konnte nicht verhindern, daß dennoch traurige Excesse begangen wurden." Bulgaren drangen in der Nacht in die momentan von den Juden bewohnten Häuser, versuchten den Oberrabbiner und einigen anderen Juden den Bart abzuschneiden und schändeten : jüdische Frauen und Mädchen. Diese niederträchtigen Handlungen wurden dem genannten Kaufmann gemeldet, welcher der Karavane den Rath ertheilte, so schnell als möglich nach Bucarest über Sistowa abzureisen, und ihr, ohne eine Miuute zu verlieren, einen Geleitsbrief ausstellen ließ, für Wagen und Lebensmittel sorgte! und sie in einem Schreiben an seinen Associs in Sij stowa empfahl. Diesen edlen Mann segnend, begab sich der Zug am 27. Ellul auf den Weg und kam am isr. Neu-! jahrstage in Sistowa an. „Während dieser Reise wurj den wir schwer geprüft; mehrere Kinder starben und! mußten unterwegs begraben werden. Bei unserer An-! kunft wurden wir auf dem Wege durch die Stadt wohin der Kaufmann von Tirnova inzwischen unser Eini treffen telegraphirt hatte, mit Herzlichkeit von unseren! Glaubensgenossen ausgenommen; man führte uns so-! fort nach dem Hofe der Synagoge, wo wir einige Nahrung zu uns nahmen, und ein in russischen Diensten | stehender isr. Arzt sich uns zur ärztlichen Behandlung > anbot. Dieser wohlthätige Mann war es auch, der uns rieth, lieber in diesem Hofe zu bleiben, als uns nach den von der Regierung uns angebotenen Häusern zu begeben, in welchen einige schlechtgesinnte Bulgaren sich versteckt hatten und dieselben Excesse hätten wieder beginnen können, deren Opfer wir leider seit Schipka! allzusehr gewesen waren." Die Juden blieben 6 Tage I in Sistowa und wurden am 7. Tischri(15. September)? zu Wagen, mit Lebensmitteln versehen, nach Bucarest! befördert, über Zimnitza, wo sie die von den Russen über die Donau geschlagene schwimmende Brücke passirten. „Wir hatten unterwegs den Schmerz, zehn der Unsrigcn durch den Tod zu verlieren; sie wurden durch die Fürsorge der isr. Gemeinde von Zimnitza bestattet; auch konnte die Caravane hier die Wagen wechseln und sich mit neuen Lebensmitteln versehen. Sic reiste noch an demselben Tage von dort fort und kam den 9. Tischri (17. Sept.) in Bucarest an. Der Brief berichtet schließlich über den Aufenthalt in Bucarest und die Reise nach Constantinopel, worüber unsere Leser s. Z. ausführlich Mittheilung erhalten haben. (Fortsetzung folgt.) ANZEIGEN. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. hebräische Zeitschrift, erscheint 2mal wöchentl., enthaltend: Politische Uebersicdt, Correspondenzen, Wissenschaft!. Artikel, Erzählungen u. s. w. Abonnemenislustige wollen sich wenden an den Redacteur der „Stimme", M. L. Rodkinssohn in Königsberg in Preußen. (553 in junges Mädchen, d. d. besten Zeugnisse auf zuweisen hat, sucht eine Stelle als Gesellsch od. z. Hilfe der Hausfrau. Näheres in Hamburg in der Pensionsanstalt und höheren Töchterschule von Minna Samson, Brüderft. 3 (557

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