Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1878)
- Date
- 1878-02-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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138 gebrochen. Es sollte in den Vormittagsstunden stattfinden. Die Leichenfeier mußte großartig werden, man wußte, daß sämmtliche Honoratioren der Residenz sich daran betheiligen würden, daß der Leichenzug nach Tausenden zählen werde. Lange vorder bestimmten Stunde herrschte reges Leben vor dem Trauerhause, doch auch draußen auf dem Friedhofe waren ungewöhnliche Vorbereitungen getroffen. Erst vor ganz kurzer Zeit war der Bau und die Ausschmückung der großen prächtigen Halle vollendet, in der fortan bei nobeln Begräbnissen die Reden gehalten werden sollten. Durch die Leichenfeier bei Nordens Bezräbniß sollte diese Halle zugleich die Weihe erhalten. Es war ein Prachtbau, Tausende umfassend und in sinnigster Weise von Künstlcrhand decorirt, eine ernste, fast düstere Pracht, ganz der ernsten Feier entsprechend , der sie geweiht. Nur am obern Ende erhob sich ein Katafalk von weißem Marmor, bestimmt während der Feier den Sarg zu tragen. Zwei Mitglieder der Begräbnißbrüderschaft befanden sich in der Halle, um nochmals Alles in Augenschein zu nehmen und sich zu überzeugen, daß auch Alles an Ort und Stelle. „Em herrlicher Raum," sagte der Eine, sich an den Katafalk lehnend und den Blick, musternd, über das Ganze schweifen lassend, ,.er macht dem Kunstsinn des Vorstandes und der Opferwilligkeit unserer Gemeinde-Mitglieder Ehre." Der Andere zuckte die Achseln. Der Raum ist schön, das läßt sich nicht in Abrede stellen und wird auch heute viel bewundert werden, doch was mich betrifft, meinem Geschmack entspricht er nicht." „Was?" rief der Andere erregt — doch im selben Moment hielt er inne, „war das nicht ein Echo?" „Freilich war's ein Echo, es ist mir schon vorhin aufgefallen, wie seltsam es hier hallt; doch es wird sich möglicherweise verlieren, wenn der Raum sich füllt." „Das wollen wir hoffen," entgegnet der Erste mit ernstlich bekümmertem Antlitz, „es wäre ja in der That entsetzlich, wenn dieser schöne und mit so vielen Opfern hergestellte Raum, der doch eben nur zu Reden bestimmt ist, wenn er, sage ich. ein Echo hätte. Doch Sie haben Recht, hoffentlich wird es sich verlieren, wenn es erst voll wird. Doch nun sagen Sie mir, was ist es denn eigentlich, das Ihnen hier mißfällt?" „Vor Allem diese Ornamente, diese Embleme." „Wie? die haben Ihren Beifall nicht? Aber das sind ja wahre Kunstwerke und so sinnig, lauter j Embleme von Tod und Unsterblichkeit, können Sie! sich etwas Zweckentsprechenderes auch nur denken?" „Allerdings, diese Embleme von Tod und Unsterblichkeit sind sinnig und schön, aber sie sind nicht jüdisch. Bei heidnischen Katakomben oder auch bei christlichen Begräbnißstätten würde ich sie sehr zweckentsprechend finden, doch bei einem jüdischen Friedhof." „Aber bester Freund, katholischer als der Pabst braucht man nicht zu sein. Was alle diese Ornamente betrifft, so sind die Pläne zu demselben vor der Ausführung dem Doktor (&-*... zur Ansicht vorgelegt worden — und wenn er nichts dagegen einzuwenden hatte." „Doktor G..., ja so!" Es war ein eigenthümlicher Ton und eine noch eigenthümlichere Bewegung des Kopfes, womit der Andere diese Wirte sprach. „Wissen Sie, daß Doktor G.... sich Ihnen sehr verpflichtet fühlen würde, wenn er wüßte, daß Sie ihn mit dem Papst vergleichen wollten! Doch nun kommen Sie, es ist spät, der Zug wird gleich hier sein. Wir wollen ihm entgegen gehen und uns anschließen." Beide verließen die Halle. (Fortsetzung folgt.) ANZEIGEN. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Jnseraterr-Arrnahme für Frankfurt a.M. bei jr. JButfräani)* lung, und für Hamburg bei A, Goltlschmidt0 Buchhandlung in Hamburg, Kohlhöfen 39. _'_ Bur Wechselzeit (Ostern) wird in einem kleinen j nissen gegen hohen Lohn gesucht. Offerten unter Haushalte eine israel. Köchin mit guten Zeug- > M. Nr. 348 an die Exped. d. Bl.