Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1878)
- Date
- 1878-01-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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81 fühle sich schon wieder ganz wohl. Aber sie vermochte die Augen noch nicht offen zu halten, ohne von Neuem vom Schwindel befallen zu werden, und Caroline eilte hinaus, trotz der Einwendungen der Schwester, eine kräftige Bouillon zu bestellen. Bald ward sie gebracht und schweigend näherte sich Caroline der noch immer mit geschlossenen Augen im Fauteuil ruhenden Schwester und hielt einen Löffelvoll Bouillon vor deren nicht ganz fest geschlossenen Lippen. Fast ohne daß sie wußte, was sie that. genoß Emma einige Löffel von der in der That kräftigen Brühe und schlug erfrischt die Augen auf. „Dank Dir," flüsterte sie mit verbindlichem Lächeln, doch im selben Moment kam es ihr erst klar zum Bewußtsein, was sie genossen batte und voll Entsetzen schrie sie laut auf: „Um Gotteswillen, Caroline, was Haft Du mir gegeben!" „Nichts, «c»S Dir irgend wie halte schaden können," erwiederte diese mit überlegenem Lächeln. „Aber Bouillon! nicht nach jüdischer Vorschrift bereitete Bouillon!" „Aber liebe, gute Emma, nimm doch Vernunft an und rege Dich um Gotteswillen nicht auf. Sieh*, Du mußt ja etwas Kräftigendes nehmen. Du sahst ja mehr einer Leiche als einem MeMchen ähnlich. Mein Gott! Du wirst schon wieder bleicher! Das ist die Folge von Deiner unsinnigen Erregung. Du mußt noch rasch ein Paar Löffel Suppe nehmen." „Nein! — nein! — waS würde Carl sagen!" „Er wird's nicht erfahren, und kein Mensch wird es erfahren; ich schiebe den Riegel vor die Thür." Sie eilte zur Thür und that wie sie gesprochen und dann hielt sie von Neuem die Tasse mit Bouillon der schwachen Schwester vor den Mund. Uud überwunden einerseits durch ihre Schwäche, andererseits durch Carolinens überredende Worte hatte sie nach wenigen Minuten die Taffe geleert. — Triumphirend schaute Caroline zu ihr nieder; „wie fühlst Du Dich, Liebe?" „Besser — ganz gut schon." „Nun siehst Du, daß ich Recht hatte, in Dich zu dringen? es war ja unerläßlich, Du mußtest eine Stärkung nehmen." „O, wäre ich Dir nur nicht gefolgt! wie werde ich Carl in's Auge sehen können?" „Und wenn Du mir nicht gefolgt wärest, hättest Du Car! vielleicht nie wieder in'S Auge sehen können."' mittel zur Hand habe, so dauert eS allerdings wohl etwas länger, aber eS geht doch bald vorüber." „Das läßt sich nicht immer im Voraus behaupten, man kann nicht von einem Mal auf das Andere schließen. Die Luft hat Dich auch erschöpft und das Fahren und das Stiegensteigen. All das vereint hat Dich mehr als gewöhnlich angestrengt; wer hat wissen können, waS daraus hätte «erden können. Kurz liebes Kind, es ist gar kein Grund vorhanden, daß Du Dich aufregft. WaS geschehen ist, ist geschehen; und waS geschehen ist. war gut und recht und vor der ganzen Welt wollte ich es verantworten und auch vor Carl." „Um des Himmelswillen nicht! nur nicht vor Carl, der darf eS »immer erfahren!" „Er wird es auch nie erfahren, sei unbesorgt — wenn Du eS ihm nicht selbst sagen wirst — ich bin keine Schwätzerin." „Wie werde ich ihm in's Auge schauen können!" murmelte Emma in sich hinein. „Ach, mache Dir doch keine solchen Gedanken, das kommt von Deiner übergroßen Schwäche. Weißt Du Kind, wie Du Deinem Manne am leichtesten in die Augen sehen könntest? wenn Du noch ein Stückchen Huhn und ein Glas Madeira zu Dir nehmen würdest." „Um Alles in der Welt nicht!" „Nun, nun, nur nicht so entschieden, ich will Dich ja nicht zwingen. Aber am gescheidtesten wäre es. wenn Du Dich, bevor Du nach Haufe fährst, erst gehörig kräftigen würdest. Das Fahren wird Dich wiederum anstrengen und wenn Du dann hrimkommst und der Schwindel Dich vou Neuem übermannt. Carl wird erschrecken und Du wirst ihn in Wirklichkeit nicht sobald anschaueu können." „Ich hätte Dir nicht folgen, hätte gleich heim fahren sollen." „Da hast Du recht, liebes Kind, ich habe mir auch schon bittere Borwürfe gemacht. Dich dazu überredet zu haben. Aber der Kampf gegen eia fait accompli ist noch sinnloser als der Kampf gegen Windmühlen. Mein liebes Schwesterchen ist nun einmal hier bei mir, und so gern ich Dich auch immer hier behalten möchte, so kann ich Dich doch nicht tadeln, daß Du heim zu Mann uud Kindern verlangst. Nur müssen wir Dich zuvor noch zu kräftigen suchen, es ist Deine Pflicht für Mann und Kinder Dich zu stärken." (Fortsetzung folgt.) „Ach, so arg wäre cs wohl nicht geworden. j ich leide ja in jüngster Zeit öfters an Schwindel j und wenn ich dann nicht gleich ein Stärkung--! »