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Der Israelit · 1878-01-23 · Heft 4 (23.1.1878) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 4 (23.1.1878)
Date
1878-01-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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inne, hört aber auf, sobald das gegenseitige Bedürfniß aufhört. Aehnlich würde es auck den Menschen ergehen (und ergeht es auch in zahlreichen Fällen), wenn Gott nicht den einfachen Naturtrieb durch Sein Gesetz erhöht und vereidelt hätte. Schauen wir uns um unter den Nationen und unter den jüdischen Verächtern des jüdischen Gesetzes: die zärtliche Liebe, welche die Eltern und ihre kleinen Kinder verbindet, hört mehr oder weniger auf, sobald die Kinder der Eltern nicht mehr bedürfen. Anders ist es da , wo das elterliche Haus das Heiligthum ist, in welchem die Grundlage gelegt wird zu aller Tugend, in welcher jüdische Sitte und jüdisches Gesetz herrschen, wo die Kinder von frühester Jugend an angehalten werden, Gott zu ehren, Gott zu lieben und Seine heiligen Gebote zu beobachten. Ehre deine Eltern, ruft uns das Gottesgebot zu, und gehorche ihnen. Sie gaben dir das Leben, sie gaben dir Nahrung und Freuden, da du ihnen noch nichts geben konntest als Sorge und Angst. Sie wachten für die Güte deines Herzens und bildeten dich für die Ewigkeit zu einer Zeit, da du noch kaum das irdische Leben kanntest. Gehorche ihnen; ihr Wille sei der deinige, in der Liebe zu deinen Eltern entwickelt sich auch deine Liebe Hu Gott. Wer seinen Vater von Herzen liebt, wer seine Mutter von Herzen ehrt, der ist zu allem Guten und Großen fähig. Die Ehrfurcht vor den Eltern ist der starke Schutzengel der kindlichen Unschuld, und der eiserne Stab, an welchem sich auch der Gefallene wieder aufrichtet. Gehorche Vater und Mutter mit freudiger Seele und ohne zu murren; denn was dir zum Besten dient, wissen sie am Besten. Sie mögen dich belohnen oder bestrafen, immer ist es ihre Liebe, die dich belohnt, ihre Liebe, die dich bestraft. Ehre deine Eltern, auch wenn du nicht mehr ihrer Leitung unterworfen bist, und vergiß nie, was sie dir Gutes thaten; sie haben so lange nur für dich gelebt, lebe nun dankbar auch für sie. Ehre den Vater, der deinetwillen manche sorgenvolle Nacht durchwachte, wenn du kummerlos schliefst; der für dich betete, wenn du freudig deinen Spielen nachjagtest, der sich manche Freude versagte, um sie dir aufzusparen, der manchen Tropfen Schweißes vergaß, um dir in der Welt ein gemüthliches Loos zu verschaffen. Ehre die Mutter, welche dich mit Schmerzen j gebar und schon über deiner Wiege Thränen der! Liebe und des Kummers weinte. Womit willst du > diese Liebe, diese Thränen,»diesen Kummer vergelten, wenn nicht mit der zärtlichsten Aufmerksamkeit für ihre späteren Tage? Denke, wenn du einen frohen Säugling auf I seiner Mutter Schooße erblickst, so lagst auch du einst hilflos im Schooße deiner Mutter, von Niemandem so heiß geliebt wie von ihr. Denke, wenn du eine Mutter voll Entzücken mit ihrem Kinde tändeln, oder sie mit bleich gehärmter Wange am Krankenlager ihres Lieblings siehst: so empfand auch deine Mutter für dich das gleiche Entzücken, den gleichen Schmerz! Wie könntest du ihr die zärtlichste Ehrerbietung verweigern, welcher unter allen Menschen auf Erden du das Höchste schuldig bist! Ehre Vater und Mutter und sei im Alter ihr Pfleger, ihr Versorger, ihr Freund und Beschützer. Gib ihnen in ihrem hohen Alter die frohen Stunden zurück, die sie sdir in deiner Kindheit gaben; ernähre sie und verbanne die Sorgen von ihrem Herzen, sowie sie auch deiner ehemals pflegten und schonten; opfere dich für sie auf wie sie einst für dich sich geopfert haben. Siehe, Gott verlangt, daß du mehr für deine Eltern thuest denn für Ihn. Bei der Ehrerbietung gegen Gott heißt es: 1u.1v 'i nas, „Ehktz Gott von deinen Vermögen." Wenn du Vermögen hast, so verwende es im Dienste Gottes, erbaue Schulen, Lehrhäufer, Synagogen. Krankenhäuser, spende den Armen rmsczi rjsb nxjnm und achte das Geld nicht, wenn es gilt, Gottes Gebot recht vollkommen zu erfüllen; wenn du aber kein Vermögen besitzest, so verpflichtet dich Gott, das Geld zu erbetteln, um es in Seinem Dienste zu verwenden. Bei der Ehrerbietung gegen die Eltern hingegen heißt es nw -p« m 13D, „Ehre deinen Vater und deine Mutter" — ohne nähere Bestimmung. Du mußt Vater und Mutter.selbst dann mit dem Nöthigen versehen, wann du auch gezwungen sein solltest, die Mittel dazu an den Thüren deiner Mitmenschen zu erbetteln. Ehre deine Eltern; verdecke ihre Fehler, beurtheile sie schonend; wolltest du der strenge Sittenrichter deiner alten Eltern werden? Verhülle ihre Unvollkommenheiten und Schwächen. Erinnere dich, wie auch sie so lange Geduld mit deinen Unarten und Schwächen gehabt und dich nicht verachteten, sondern mit treuer Zärtlichkeit dir zugethan blieben.

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