Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1878)
- Date
- 1878-01-02
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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18 derung an die Mitglieder ihre Liebe. Sorgfalt und volle Hingebung auch ferner der Religionsgesellschaft zu bewahren. Wir erlauben uns. noch einige Bemerkungen hinzuzufügen. Selbst abgesehen davon, daß die Religionsgesellschaft sich auf religions - gesetzlichem Boden befindet, was bei den meisten Gemeinden nicht der Fall, werden ihre Leistungen von keiner Gemeinde erreicht. Außer Hamburg und Frankfurt besitzt keine Gemeinde selbst nicht die Berliner eine Realschule II. Ordnung, sie haben Religions- oder höchstens Elementarschulen. Die Hamburger Schule (Talmud-Thoraschule) aber ist nur für Knaben nicht für Mädchen und wird von der Gemeinde nur subventionirt und selbst die Frankfurter Gemeinde-Realschule müßte nach Berhältniß der Mitgliederzahl der Gemeinde gegen die der Religionsgesellschaft die achtfacbe Schülerzahl aufweisen, als die der letzteren, während sie kaum doppelt so stark besucht ist. Hierzu kömmt, daß die Gemeinde eine sehr reiche ist. indem ihr in den fünfziger und sechsziger Jahren, als die Erlangung des Bürgerrechts für Auswärtige noch eine Gnadensache war, bedeutende Beiträge als Einkaufsgelder zugeflossen sind. Die Religionsgesellschaft aber entbehrt des staatlichen Schutzes und beruht nur auf Freiwilligkeit; hierin besteht jedoch gerade ihre Stärke, und liegt darin der beste Beweis, daß der staatliche Schutz für religiöse Gemeinschaften unnöthig. Schwabach (Bayern). Dem Rechenschaftsbericht über die eingelaufenen und verausgabten Gelder znr Errichtung einer Talmudschule in Schwabach von Rabbiner L. Wißmann und P. M. H. Wechsler daselbst pro anno 1876—77 entnehmen wir: Durch die uns zugeflossenen Spenden war es möglich, seit dem Monat December v. I. einen geprüften jüdischen Lehrer zu gewinnen, der den größten Theil seiner Zeit unserem Unternehmen widmen kann, und sowohl den profanen Unterricht in einer regelmäßigeren und gedeihlicheren Weise zu leiten, als auch in jüdischen Elementargegenständen Nachhilfe zu leisten im Stande ist. Wir können deshalb auf diesen Gebieten größere Fortschritte als früher verzeichnen, und haben auch zwei Jünglinge. die sich hier für das Schulfach vorbereitet haben, die Vorbereitungsklasse an der isr. Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg bestanden. Zur Zeit befinden sich 10 auswärtige Jünglinge hier, die je nach dem Grade ihrer Kenntnisse und Anlagen in Gemara mit und ohne PoSkim, Mischna, Chumesch mit Raschi, Neviim und Chaje- Adam; in Satzlehre, Aufsatz, Arithmetik, Natur- und Weltkunde, Weltgeschichte und im Französischen genießen. Die Ungunst der Zeitverhältniffe und die Inanspruchnahme unserer Glaubensgenossen zu verschiedenen Wohlthätigkeitszwecken, sowie daS Hinscheiden des Herrn M. Weinschenk s. A. in Nürnberg, welcher unserem Unternehmen sehr viele Gönner zugeführt hat, haben auch der Talmud- Thora-Cassa empfindlich geschadet, so daß die Einnahmen die Ausgaben beinahe nicht mehr decken, und wenn nicht bald reichliche Spenden einlaufen, wir uns gezwungen sehen, das kleine Kapital, welches wir besitzen, anzugreifen, um die laufenden Ausgaben bestreiten zu können. Das Gelingen und die Ausführung unseres Werkes legen wir daher nächst Gott in die Hände unserer edlen Glaubensgenossen. Wir richten an alle Diejenigen, welchen die Erhaltung unserer h. Thora am Herzen liegt, die dringende Bitte, uns recyt bald Beiträge zuzusenden und in ihrer Umgebung für diese heilige Sache thätig zu sein. Laut Anzeige' des Herrn Dr. Staadecker in Mannheim hat der selige Herr M. L. Sondheimer dortselbft ein Legat von M. 300, sowie feine sämmtlichen hebr. Bücher unserer Anstalt zugewendet. Di- Einnahmen betrugen 4.351 M., die Ausgaben 4328 M., das Vermögen besteht aus 6707 M. Breslau. Am 30. October starb im noch nicht vollendeten 35. Lebensjahre Johanna Neustadt geb. Sulzbacher, die Frau des in weiten Kreisen rühmlich st bekannten Predigers vr. P. Neustadt. Wer das bescheidene, anspruchslose, stille in sich gekehrte Wirken der Dahingeschiedenen gekannt, wie sie als echt fromme Jüdin, als zärtliche Gattin und liebevolle Mutter gelebt, der wird den herben Schlag ermessen können, der Herrn vr. Neustadt durch den Tod seiner edlen Gattin getroffen. Nicht nach äußerem Glanz und nach scheinbar sicherer materieller Existenz strebte sie, sondern nach dem, was in den Augen Gottes am meisten Werth und Bedeutung hat, nach Frömmigkeit und Thora. Innig liebte sie die Kinder ihres Mannes aus erster Ehe, war ihnen stets eine zärtliche Mutter, pflegte diese wie ihr eignes noch ganz zartes Kind aufs Sorgfältigste und hielt sie in nun und nSsn an. Wie glücklich war sie, wenn sie die Kinder nur Thora lernen und Gebete verrichten hörte. Möge Gott dem tiefgebeugten Gatten und betrübten Kindern und allen Verwandten, welche um die so früh Verstorbene trauern (sie war eine Tochter des gelehrten und frommen Rabbi Löb Sulzbacher '"j in Darmstadt) Seinen Trost spenden.