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Der Israelit · 1878-01-02 · Heft 1 (2.1.1878) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 1 (2.1.1878)
Date
1878-01-02
Page
– (sequence 13)
Language
German
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13 daß es der Tochter mehr ernst sein sollte als den Eltern." „WaS sagen Sie? der Fräulein Emma sollt*- nicht ernst sein — gehen Sie mir weg. Herr von Grün; frommer als die ist, finden Sie heut' zu Tage keine. Doch was red* ich von heut* zu Tage, zu Awrohm OwinuS Zeiten hat*S auch keine frömmere nicht gegeben, das können Sie mir glauben," und er preßte betheuernd die Linke auf die Wange. „Wenn ich mich nicht irre, so besuchen Weigert*s Töchter fleißig Gesellschaften?" „Na? was ist da mehr?" „In den meisten der hiesigen Gesellschaften werden keine koscheren Speisen gereicht." „Wenn ich Ihnen aber sage, daß die Fräulein Emma in die trefenen Gesellschaften gegangen ist und doch nix Trcfenes gegessen hat — nu, was sagen Sie dazu?" Winter war aufgesprungen und hatte im Eifer seiner Rede beide Hände in die Seiten gestemmt und stand nun Grün gegenüber, mit vorgebeugtem Oberkörper, ihm beständig mit dem Kopfe zunickend. „Daß Sie in die trefenen Gesellschaften niemals nix berührt hat, was von Fleisch kommt, was sagen Sie dazu? — Ja, was wollen Sie mehr, da oben auf dem Berg — wie heißt m'rs doch gleich — Schweizerkäs — nein, Schweizerhäuschen wollt* ich sagen — da hat sie niemals keine Milch nicht getrunken. — Nu, was sagen Sie dazu?" Grün schüttelte staunend das Haupt. ,,Weigert's Lichter sollte so f«omm sein?" „AlleTaneßim fastet sie, sage ich Ihnen, was wollen Sie mehr?" „Unglaublich! Sagen Sie mir um des Himmelswillen, woher weiß denn das Mädchen das Alles? Winter zuckte die Achseln, drückte die Oberarme fest an sich und spreizte gleichzeitg beide Hände von sich. „Was weiß ich? — aber lieber Herr von Grün, wie können Sie fragen, woher Sie*s weiß? wenn Hakkodoschborche Emuneh schicken will, dem schickt er sie. — Ich will Ihnen die reine Wahr- , heit sagen, Herr von Grün, Alles will ich Ihnen! genau verzählen. — Heut* in der Mittagstunde j geh* ich da über*n Graben — *ne Hitze war, mau hält* können braten. — Gerad* trockne ich mir*S Gesicht, als ich gegen einen Herrn, der da geht, beinah* anrenne. — Ich, höflicher Mensch, wie ich bin, spring* auf die Seit*, zieh* den Hut und sag*: ergebener Diener, Herr von Goldschmid. Erschaut mich au, nickt mir zu und sagt: guten Tag, Winter, kommen Sie *nen Augenblick mit hinauf, ich möcht* was mit Ihnen reden. Nu? was soll ich thun? — wir sind dicht an seinem Haus gewesen, bin ich mit hinein gegangen. — Doch, was soll ich Ihnen da lang* verzählen? — kurz und gut, er hat m*r gesagt, sei« Sohu möcht* sich verheirathen, ich möcht* einmal gehen zu dem Herrn von Weigert und hören, wie viel der seiner Tochter mitgibt und überhaupt mit ihm reden. „Nu, ich Hab gethan, was mein Geschäft ist, bin gegangen zu dem Herrn von Weigert und Hab* mit ihm geredet. WaS meinen Sie aber, was für Antwort er mir gegeben hat? — Herr Winter, hat er gesagt, der Herr Goldschmid ist zwar gerade kein überaus reicher Mann, aber ich hätt* nichts gegen ihn, mir wäre er schon recht. — Aber meiner Tochter Emma darf ich mit dem nicht kommen, die nimmt nur einen, der ganz orthodox ist, und Goldschmid fährt am Schabbes und ißt Trefes. Und dabei hat er mir von seiner Tochter erzählt, wie fromm die ist und was die Alles thut. Und wie ich das Alles so mit anhör', kommt mir auf *nmal der Gedanke, gerad* als ob ein Bas Kol mir*s zugerufen hält*: die muß der Herr Carl Grün nehmen und kein Anderer. Was sagen Sie dazu, Herr von Grün? 40,000 Gulden bekommt sie mit, efscher auch 50,000 — denn Herrn von Weigert kommt's auf 10,000 Gulden nicht an. „Es ist das ein Antrag, Herr Wintert," erwiderte Grün, „den ich nach Allem, was Sie mir da mitgetheilt haben, nicht so ohne Weiteres von der Hand weisen kann. Ich werd mit meinem Sohn darüber sprechen." „Thun Sie das, Herr von Grün, und mir scheint, der Herr Carl wird zugreifen mit beiden Händen. Denn das Fräulein ist *ne Schönheit — und die Frömmigkeit —" Er preßte wiederum betheuernd die Hand an die Wange und sprach noch lange und möglichst ausführlich über die Vortheile dieser Verbindung — als der Glockenschlag der Pendule ihn an die vorgerückte Abendstunde mahnte. (Fortsetzung folgt.)

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