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Der Israelit · 1878-01-02 · Heft 1 (2.1.1878) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 1 (2.1.1878)
Date
1878-01-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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7 übernehmen und ihre Irrenanstalt dem Dienste der Wissenschaft freistellen will. Diese Bewilligung ist auf zehn Jahre festgesetzt. Außerdem wu.de vom Stadtrath die Summe von 5000 fl. für das jüd. Hospital votirt. (Jew. Chr.) < n i U e t d it. «Wer Wem. Eine historische Erzählung. Am 27. Dschem-'ewwed (Schebat) des Jahres 1003 der Hadschira, am 18. Januar des Jahres 1595 der gewöhnlichen Zeitrechnung, fuhr eine Barke der Länge nach durch den Bosphorus. Wohl nie war das Wetter schöner gewesen; denn in jenen herrlichen Gegenden gleicht der Januar dem vielgepriesenen Mai im deutschen Vaterlande. Auf dem Verdecke der Barke standen zwei Männer , von denen der jüngere die wundervolle Landschaft mit entzücktem Auge zu verschlingen schien, während der ältere demuthsvollen Blickes auf die Ausrufe der Bewunderung, die sein Begleiter von Zeit zu Zeit ausstieß, horchte und sie mit einer Neigung des Kopfes bestätigte; in der That, es ist ein entzückender Anblick, der sich dem Beschauer dieser herrlichen Gegend darbietet. Berge von nicht unbeträchtlicher Höhe erheben sich längs des europäischen wie des asiatischen Ufers; Dörfer in höchst malerischer Lage kränzen, dicht aneinander gereiht, das Gestade; Buchten, die eine immer reizender als die andere, reihen sich aneinander und werden von Cypressen, Lorbeerbäumen und Platanen beschattet. Am Fuße dieser Bäume sieht man Brunnen, kleine Wirthshäuser und eine Menge Türken, die sich in zahlreichen Gruppen auf bunten Teppichen Niederlassen, um der Ruhe zu genießen. Links und rechts öffnen sich duftige Thäler, in denen hundertjährige Platanen ihre dichtbelaubten Neste weit ausbrciten. Aus dem dunklen Grün der Cypressenwälder ragen unzählige Denkmale von weißem Marmor hervor; das sind die türkischen Friedhöfe, die zugleich als öffentliche Lustgärten dienen. Der Bosphorus selbst ist ebenso belebt wie seine Ufer: Tausende von Fahrzeugen gehen nach allen Richtungen; Seevögel lassen sich überall schaarenweise sehen, während Delphine in großen Gruppen um die Schiffe spielen oder sich in der Sonne wärmen. Als das Schiff um das Vorgebirge bog, auf welchem der Thurm der Janitschären sich erhebt, breitete der Jüngere der beiden Männer die Arme aus und rief: Mein, mein! Es war Dolma Baktsche, des Sultans Sommerresidenz. der dieser Ausruf galt. Es ist das ein Gebäude, das beim ersten Anblick als ein Zauberwerk erscheint, als eins jener Phantasiegebilde, von denen man meint, daß sie nur in der Einbildungskraft orientalischer Dichter existiren; vielleicht meinte auch der Reisende Skutari in seiner Pracht, auf dessen schmalem Vorgebirge der Kiosk des Sultans sich erhebt, oder den'Thurm des Leander, gegen den sich die Wellen brechen. „Mein, mein!" ries der Reisende noch einmal; denn nun zeigten sich das Meer von Marmara, die Prin;eninseln und die Küste von Bithynien, während der Schnee des Olympus in weiter Ferne die reizvolle Landschaft begrenzte; mitten vor ihm aber lag die Spitze des Serails, neben welchem sich das prachtvolle Constantinopel erhob. Tausende von Häusern sind auf den sieben' Hügeln verstreut, zwischen denen sich das goldene Horn, der Hafen von Constantinopel, hinstreckt. Mitten unter den Häusern erheben sich die schönsten Baumgruppen; eine Menge prachtvoller Moscheen, schlanker Minarets bieten sich zu gleicher Zeit Len Blicken dar, im klarsten Glanze des südlichen Himmels prangend. Die Luft war von der größten Reinheit; nur leise wurden die Wipfel der Bäume durch den Hauch eines sanften Seewindes in Bewegung gesetzt; der stille, klare Spiegel des Meeres zeigte den Wiederschein dieser reizenden Landschaft, welche auf solch- Weise in den Lüften zu schweben oder golden im azurnen Ocean zu schwimmen schien. Wer war der Mann, der alle diese Herrlichkeit sein eigen nennen durfte? Die Barke nahm ihren Weg, durch den engen Raum sich hindurchwindend, den Hunderte von Kauffahrteischiffen, freiließen, die hier aus allen Welttheilen zusamm-ngekomm-n waren, und legte an einem hölzernen Vorbau an; die Reisenden sprangen ans Ufer, und fast in demselben Augenblicke verkündeten die Kanonen des Serail und die Ausrufer auf den öffentlichen Plätzen den Tod des Sultans Murad HI. und die Thronbesteigung Mohammeds III. Murad war schon acht Tage vorher gestorben; aber man hatte seinen Tod bis zur Ankunft des Thror-folgers verheimlicht. Als der neue Sultan, denn er war der Reisende, den wir auf seiner Fahrt durch den Bosphorus begleitet haben, an das Land sprang, war es eine schöne, hohe Frau, die ihn in ihren Armen fast auffing: feine Mutter, die Sultanin Saffije, die unter der Regierung Murad's Sultanin Chafeki, das heißt, die Herrschende, gewesen war und nunmehr als Sultanin Valide (Mutter des Sul-

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