Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1877)
- Date
- 1877-12-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XVIII. Jahrgang. Erste ßcüttgt}« Nr. 50 des Israelit. Leitender Artikel. Die Ursachen -er MrssunflhigKeit des deutsch-isracl. Memeindebaudes. VI. Zum Schluffe fei uns noch ein Wort, über die Persönlichkeiten gestattet, aus welchen das Bureau des Gemeindebundcs, also dessen leitendes Element, sich zusammensetzt, weil wir gerade in diesem Puncte eine der wichtigsten Ursachen der Lebensunfähigkeit der hier in Frage stehenden Bestrebungen erblicken. So heikel eine Besprechung dieses Punctes auch ist, so unumgänglich nothwendig ist sie, zur vollständigen Darstellung der Bedenken, die wir gegen den Gemeindebund haben. Wenn eine „straffe Concentrationwie wir nachzuweisen versucht haben, bei der gegenwärtigen La?e der jüdischen Gemeindeverhältnisse, überhaupt unmöglich erscheint, ohne den Willensausdruck der einzelnen Gemeinden zu beeinträchtigen, so steigert sich diese Unmöglichkeit zur Lebensunfähigkeit, wenn diese Concentration so straff ist, daß sie sich in die Hände von Männern eoneentrirt, die mehr oder weniger ausgesprochener Maaßen, dem Reformjudenthum angehören, während andererseits die Schäden einer solchen Concentration einer Milderung fähig sind, wenn wenigstens die verschiedenen Richtungen der heutigen Judenheit zum Ausdruck gelangen. Wir wollen nun gern constatiren, daß wir unsererseits überzeugt sind, die Herren Mitglieder des Büreaus verwalten die Angelegenheiten des Bundes, in reinster hingehendster Weise, ohne jegliche Absicht, den Einfluß des Gemeindebunoes zur Förderung der Tendenzen des Reformjudenthums zu mißbrauchen Aber man wird es den jüdischen Gemeinden des deutschen Reiches nicht verargen können, wenn sie anderer Ansicht sein sollten. Als Vorsitzender fungirt der Vertreter der Berliner Gemeinde: Hr. Rechtsanwalt Meyer. — Wir haben nun nicht die Ehre, den genannten Herrn, oder sein bisheriges Wirken, sowie seine religiöse Richtung zu kennen, unsere folgenden Bemerkungen, haben also mit der Person des Herrn Vorsitzenden Nichts zu thun. Leitet derselbe aber den Gemeindebund, in dem Sinne der Gemeindez I repräsentanz, die er vertritt, so bricht dieses eine Factum allein den Stab über den so verwalteten Gemeindebund. — Jede jüdische Gemeinde, die! jüdisches Interesse genug hat, um sich dem Ge-! meindebund anzuschließen, hat auch sicherlich Kenntniß, von dem kläglichen Zustand der Berliner Gemeinderepräsentanz, weiß, welche Stellung gerade diese Gemeinde, die wie keine andere berufen wäre,! die Führerschaft der deutschen Gemeinden zu übernehmen, durch ihre zahlreichen traurigen Extravaganzen, in der jüdischen öffentlichen Meinung einnimmt. Im ganzen deutschen Daterlande gibt es vielleicht keine Gemeinde, deren Leitung in Händen so fanatischer Reformjuden liegt, als eben die Berliner. Sie genießt den traurigen Ruhm, als Bollwerk des modernen Reformjudenthums zu gelten, und verwaltet in diesem Sinne, ihre zahlreichen von gesetzestreuen Juden gestifteten Legate, die Gemeindebeiträge, kurz alle Gemeindeinstitutionen, sie vertritt diesen Standpunct in allen öffentlichen Angelegenheiten, zu denen sie Stellung zu nehmen sich herabläßt, sie behandelt die Interessen nicht nur ihrer orthodoxen, sondern auch ihrer sich nur „konservative" nennende Mitglieder, mit einer so beispiellosen Stiefmütterlichkeit und Unduldsamkeit, daß sie von keiner Vergewaltigung jüdischer Gewissen zurückschreckt — und der Vertreter dieser Gemeinde führt dev Vorsitz des Deutsch - Israelitischen Gemeindebundes. Welche Erwartungen muß man, wenn an der Regel intrpVca ncc';y rrbtr nprrr, daß der Mandatar im Sinne seines Mandatars zu handeln pflegt, auch nur ein Körnchen Wahrheit ist, an die Präsidentschaft eines Rechtsanwalts knüpfen, der einen An-' welt der Gewalt vertritt? Kann es ein anderes Recht sein, als das der Gewalt? — Bei aller Hingebung, bei aller Unparteilichkeit, wird es dem Präsidenten nicht gelingen, in den Augen der jüdischen Gemeinden, das Odium zu beseitigen, das auf dem Gemeindebund dadurch ruht, daß sein Vorsitzender, Vertreter der jüdischen Gemeinde zu Berlin ist. Als erster stellvertretender Vorsitzer fungirt Herr Professor Lazarus aus Berlin. — Die Wahl dieser Persönlichkeit halten wir für den unglücklichsten Mißgriff, der bei der Constituirung des Büreaus überhaupt möglich war. — Ein Bund, der statutengemäß alle religiösen Parteifragen ausschließt, schädigt sein Ansehen und also seinen Einfluß, wenn er prononcirte Parteigänger irgend einer religiösen Partei an seine Spitze stellt. Ein sol*