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Der Israelit · 1877-12-05 · Heft 49 (5.12.1877) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 49 (5.12.1877)
Date
1877-12-05
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1176 Wanderer aus Solchen besieht, die durch die namenlosen Leiden exaltirt gemacht, ins heilige Land gehen, um sich frommer Beschäftigung zu widmen. Einige Momente später erhielt ich den Besuch des H. Oberrabbiner, in Begleitung der Gemeindevorsteher, der Hakamim und anderer Notabeln verschiedener Corporationen. Alle stimmten darin überein, daß ihre gegewärtige Lage nicht trauriger sein könne und daß sie den Beschluß der Alliance, sich fortan nachdrücklicher für ihr LooS zu interessiren, für einen rechten Trost betrachten. Sie meinten, es gäbe nur ein sicheres Mittel, ihren Leiden ein Ende zu machen, das ist, Sr. Mas. dem Sultan den wahren Stand der Dinge mitzutheilen und ihre Klagen an ihn zu richten; sie sind fest überzeugt, daß der junge Monarch, der so edel gesinnt und so liberal ist, vollkommen wissen wird, die Gouverneure oder subalternen Chefs, welche eine bedeutende Classe seiner treuen Unterthanen ungerecht unterdrücken, zur Beobachtung der Gesetze anzuhalten. Im Laufe meiner Unterhaltung war ich nicht wenig erstaunt, zu hören, daß die Lage unserer Glaubensgenossen in Marocco seit dem Besuche des Sir Moses Montesiore bei * dem früheren Sultan sich bedeutend verschlimmert hat; der verehrte Baronet, dessen philanthropischer Schritt so viel gerechten Beifall bei allen Menschen von Herz gefunden, hat einen Firman erhalten, der in zu unbestimmten Ausdrücken abgefaßt war, als daß er eine praktische Bedeutung haben konnte. Ein Beispiel mag zeigen, wie die maroccanischen Behörden die Worte des Firma» mit ihren, Willkürakten in Uebereinstimmung zu bringen nussen. Wenn ein Israelit, dem die Zeugenfahigkeit abgesprochen wird oder der eine Bastonade von 100 Stockschlägen erhalten soll, unterthänig seinen Richter erinnert, daß der kaiserliche Firman dem Israeliten volle Gleichberechtigung vor dem Gesetze gewährt, antwortet der würdige Magistrat: „aber ich behandle*» die Muselmänner nicht anders; ich kann denselben gegebenen Falls nach Belieben die Fähigkeit, ein Zeugniß abzugeben, entziehen oder Stockschläge ertheilen lassen." Es findet hierbei jedoch ein kleiner Unterschied statt; der seiner Rechte beraubte oder zur Bastonade verurtheilte Muselmann ist ein des Mordes überführter Verbrecher, wenigstens ein qualificirter Dieb; der Israelit braucht gar fein Verbrechen begangen zu haben, um außerhalb I des Gesetzes gestellt zu werden, er ist criminalifch durch seine Geburt, durch seinen religiösen Glauben, und es ist schon ein hoher Act von Edelmuth, daß man ihn überhaupt leben und sich mitten in der Gesellschaft von wahren Gläubigen bewegen läßt. Es versteht sich, daß es hauptsächlich die Arbeiterclassen und die kleinen Handelsleute sind, . welche den Willkürlichkeiten der Behörde am meisten ausgesetzt sind; der iSrael. Handwerker, der seine Arbeit dem maroccanischen Beamten abbringt, wird mit Stockschlägen bezahlt, wenn er n'cht mit der Hälfte des verabredeten Preises zufrieden ist; die schwersten Frohndienste drücken unaufhörlich die arbeitsame Bevölkerung, ohne die Weiber und Kinder zu schonen; im Bazar des arabischen Stadttheils sah ich lange Reihen von jüdischen jungen Mädchen mit bloßem Kopf und bloßen Füßen sitzen und an der Anfertigung von Militär-Anzügen arbeiten, für 10 bis 15 Cnt. täglich. Aber die körperlichen Leiden wollen nichts sagen gegenüber den moralischen Schmerzen, denen diese empfindlichen und schamhaften Wesen fortwährend auSgesetzt sind; in einem Lande, wo keine anständige Frau ohne Schleier ausgeht, werden die jüdischen Frauen und Mädchen gezwungen, mit offenem Gesichte mitten im Bazar zu arbeiten, und sich den schamlosen Blicken der arabischen Bevölkerung auszusetzen. Ein Muselmann versicherte mir, daß diese erniedrigende Aussetzung nur den Zweck hat, die jüdischen Frauen zum Uebertritt zum Islam zu zwingen, dem einzigen Mittel, einer so unerträglichen Behandlung zu entgehen. Und gehört denn nicht in der That eine ganz ungewöhnliche Seelengröße dazu, auszuhalten in einem Leben der Noth und unsäglicher Leiden, während der Re* ligionswechsel die köstlichsten Güter bietet: Frei^ heit, Reichthum und Ehre! (Frts. folgt.) PnriK. Am I.Nov. fand auf Veranlassung des Hmr« A. Crsmieux eine Versammlung hervorrag«tter Männer statt, in welcher für dieuoM leidende» Israeliten in der Türkei eine CoÜecte veranstaltet wurde, die eine beträchtliche Mvmve erzielte. -Die Herren v. Rothschild QOlglL tere 10,000 FrS. geschickt. Im Ganze^Ms W jetzt für diesen Zweck 200,000 Frs. beMHbstrcG Comite der. „All. JSr. Un." eiugegangey. . _ (Un. ■ 5n;:VÄ.':V

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