Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1877)
- Date
- 1877-11-28
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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XVIII. Jahrgang. Zweite Seilage zu Nr. 48 drs Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenren. Deutschland. Mainz, 25. Nov. Wir haben heute eine höchst betrübende Mittheilung zu machen. Rabbi Samuel Bondi y'j, durch seine tiefe und auLgebreitete, taldmudische Gelehrsamkeit wie durch seine innige Frömmigkeit in den weitesten Kreisen rühmlichft bekannt, ist nicht mehr. Gestern Abend 9 Uhr, am rwi 'd Enip na» ’ksid, hauchte er seine reine Seele aus in einem Alter von 83 Jahren und 8 Monaten. Seine Kinder, Enkel und Urenkel beweinen den Verlust ihres unvergeßlichen geliebten Vaters, der Herausgeber dieser Blätter den Heimgang feines theuren Schwiegervaters und verehrten Lehrers, die iör. Religionsgesellschaft zu Mainz den Tod ihres Begründers und ersten Vorstehers, der mit wahrhafter Aufopferung und unermüdlicher Hingebung seit einem Viertel-Jahrhundert ihre Interessen vertreten, die Stadt Mainz den Heimgang eines ihrer geachtetsten Bürger, und ganz Israel den Verlust eines Mannes, welcher der Gesammtheit zur Zierde gereichte, nbsu wtn map, wehe, es ist gefallen die Krone unseres Hauptes! Es ist uns nicht möglich, heute mehr zu schreiben. Wir werden in den nächsten Nummern ausführlich von dem reichen Leben des theuren Verblichenen erzählen. n":j"ii"j"n. Mainz, 26. November. Heute fand unter überaus zahlreicher Betheiligung das Leich enbegängniß unseres verehrten, unvergeßlichen Schwiegervaters j/"j statt — es war ein ConducH wie er hier noch nicht war gesehen worden; circa 2000 Menschen aus allen Ständen und Confessionen folgten der Leiche. Die vornehmsten Bürger unserer Stadt, der Bürgermeister an der Spitze, die Rabbinen und Vorsteher der Gemeinde sowohl wie der Religionsgesellschoft, die Lehrer und Schüler unserer Unterrichtsanstalt, die isr. Schüler des Gvmnasiums und der Realschule, die Israeliten von Mainz fast ohne Ausnahme, sowie zahlreiche Fremde: von Berlin, Frankfurt a. M., CarlSruhe, Halberstadt, Darmstadt, Wiesbaden, Bingen, Fulda, Marburg, Bieberich, Biblis, Mosbach, sowie von den in der Nähe befindlichen, kleineren Ortschaften, bildeten das zahlreiche Gefolge, welches dem allverehrten Manne die letzte Ehre erweisen wollte. Heute Vormittag 10 Uhr eröffnete Herr Rabbiner vr. Hildesheimer aus Berlin die traurige Feier mit einem tiefergreifenden ison. Im Trauerhause sprachen noch Herr Moritz Lew in auS Frankfurt a. M., Herr Leo Leser von hier und ein Sohn des Betrauerten, Herr Hugo Bondi. Punkt 11 Uhr setzte sich der imposante Zug in Bewegung. Auf dem Friedhofe entrollte der Herausgeber dieser Blätter ein Lebensbild des Betrauerten, oftmals von dem lauten Schluchzen der zahlreichen Menge unterbrochen. Dann sprach Herr vr. M. Hirsch aus Frankfurt a. M., der Sohn des Herrn Rabbiner Hirsch, der leider durch Unwohlsein, selbst zu kommen, verhindert war. Darauf, sprach Herr Rabbiner vr. Auerbach aus Halberstadt. Noch Viele der Anwesenden hätten gerne ihrem Schmerze Ausdruck gegeben, wenn nicht die Zeit zu weit wäre vorgerückt gewesen. Außer den Genannten waren noch folgende Rabbinen und Rabbinatsassessoren anwesend: Dr. Cahn — Wiesbaden, Dr. Fromm— Frankfurt a. M., vr. Sänger — Bingen, vr. Munk — Marburg, Dr. Cahn —Fulda, Bamb ctg er — Frankfurt a. M., Weil und Thalmann — Karlsruhe, Sulzbach — Darmstadt; auch waren fast fämmtliche Vorsteher der iSr. Religionsgesellschaften zu Frankfurt a. M., Darmstadt, Wiesbaden und Bingen erschienen. Heute Abend brachten alle hier erscheinende Zeitungen Nekrologe, welche der allgemeinen Werthschätzung Ausdruck verliehen. Wir behalten uns vor, eine ausführliche Biographie des theuren Heimgegangenen in den nächsten Nummern zu veröffentlichen.? Oesterr. - Ungarische Monarchie. Aus Böhme«, 18. Nov. Die in der Bei» läge der jüngsten Nr. Ihres geschätzten Blattes befindliche Correspondenz aus Wien bedarf insofern einer Berichtigung , als nach dem Worlaute derselben anzunehmen wäre, daß die darin erwähnte Denkschrift von sämmtlichen Rabbinen Böhmens ausgegangen sei. Dies ist nicht wahr. Die in Pilsen im Juli d. I. stattgefundene Rabbinerversammlung war nicht von allen Rabbinen Böhmens besucht, hatte daher kein Recht, in deren Namen eine Denkschrift zu beschließen. Ebensowenig sind die Herren Rabbinen Dr. Bogelstein und Dr. Maybaum von sämmtlichen Rabbinen Böhmens zur Abfassung, Unterschrift oder Ueberreichung irgend einer Petition ermächtigt