Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1877)
- Date
- 1877-11-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XVHI. Jahrgang. M m Der Israelit. Ein Central-Organ für das orthodoxe Judenthnm. HrrauSgegeben von Vr. Lehmann in Mainz. Mittwoch, den 21. November 5638 (1877). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 10 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. —- Inserate 2b Pfennige die Petitzeile oder deren SRaiimV Oesterreichische Banknoten laut Eours. — Direkte Francozusendung unter Streifband oro Jahrgang 12 Reichs-Mark oder 7 fl. österr. an die Expedition franco einzusenden. Inhalt. I Leitende Artikel: Paraschath Wajijchiach,-s^ Die Ursachen der Lebcrlsunfähhgkeit des deutsch-iSrael. GemeindebMdes. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Oesterr.-Ung. Monarchie: Wien. — Frankreich : Paris. — FeiüSeton: Licht und Schatten. Anhalt der erste« Beilage:! Leitender Artikeln Literarischer Bericht. —! Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: München. Berlin. Frankfurt a. M. — Oeft.-Ung. Monarchie: Preßburg. — Algier. — Feuilleton: David Leb Magdeburger. A«hatt der zweite« Beilage: Leitender Artikel: Der Erfolg der Petition um obligatorischen jüdischen Religionsunterricht. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Wiesbaden. — Oest.-Ung. Monarchie: Pesth. — «rtik.l. Zu Paraschath Wajischtach. Mainz, 15. November. „Und Jakob blieb allein, da rang ein Mann mit ihm, bis daß der Morgen anbrach," Der Engel, mit dem Jakob ringen mußte» die ganze Nacht hindurch, bis daß der Morgen anbrach, war der Schutzengel Esaws, das Princip deS Bösen, der Sünde. Unser Leben hienieden gleicht der Nacht; wir müssen kämpfen gegen die Sünde vnd ringen mit Ihr die ganze Nacht hindurch, bis daß der Morgen eines schöneren, besseren Lebens anbricht. I Die Sünde ist ein Funken, der in jedem Menschen liegt, den er wohl in Acht nehmen muß. Leichtsinn und der Hauch böser Reden blasen den Funken zu einer Flamme auf, und es entsteht eia Feuer, das schwer gelöscht wird. Die Sünde gleicht einem See, der bei anhalj tendem Regen nach und nach aufschwillt. Das Steigen des See's ist immer unmerklich, aber es nimmt doch alle Tage und alle Stunden zu. Der See wird immer höher und höher, und die Gefahr wird gleich groß, als wäre er plötzlich und im Sturme angeschwollen. Darum geht der Vernünftige und Erfahrene im Anfänge zu den Wehren und Dämmen, sie zu besichtigen, ob sie den Ausbruch zu steuern im Stande seien. Der Unerfahrene und Unweise aber achtet das Steigen des See's nicht, bis die Dämme zerrissen, die Felder und Wiesen verwüstet find, und die Sturmglocke das Land avfbietet, der Verheerung zu wehren. So ist es mit der Sünde und dem Verderben, welches sie anrichtet. Jeder, der in irgend einer Sünde anhaltend fortwandelt, verhärtet sein Herz derart, daß er das Steigen ihrer Gräuel nicht mehr achtet, bis Verheerung und Entsetzen ihn aus dem Schlafe wecken. Darum soll der Mensch die Macht der Gewohnheit fürchten; sie macht zum Bedürsniß, was Anfangs vollkommen entbehrlich war; sie nöthigt, oft gegen diejbefsere Ueberzeugung, dies Bedürsniß von Zeit zu Zeit zu befriedigen.