Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1877)
- Date
- 1877-10-24
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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1040 meinde-Mitgliedern, überreichte. Unterdessen waren auch verschiedene Glückwunsch-Depeschen, u. a. aus Amsterdam, wo Hr. Cassuto geboren ist, eingetrofsen. Präcise 12 Uhr Mittags wurde der Jubilar im Wagen von den Vorstehern Herren Dr. Velmonte und Jessurun in die prächtig mit Blumen geschmückte, reich erleuchtete Synagoge geführt, wo ihn der Präses der Gemeinde, Herr Luria, empfing. Einen schönen Anblick gewährte namentlich die Estrade, über welche ein kronenverzierter Baldachin aus lebenden Pflanzen sich breitete. Den Gottesdienst leitete heute der Cultusbeamte der portugiesisch-jüdischen Gemeinde in Altona, der 83jährige Herr Piza (Vater des Redacteurs und Schriftstellers Herrn Dr. Piza), welcher den Jubilar mit einem hebräischen Begrüßungsgesange empfing. Hierauf wurden die Psalmen, lOi), 111, 116—118 angestimmt. Dann hielt der Jubilar selbst eine Rede, in welcher er einen kurzen Abriß seines Lebens gab. Als Waisenknabe von 5 Jahren sei er in Amsterdam von fremden Leuten ausgenommen worden, deren Hochherzigkeit und Güte er vor Allem gedenken müsse. Mit seinem 20. Jahre sei er nach Hamburg gekommen und bei der portugiesisch-jüdisten Gemeinde als Cultusbeamter angestellt worden. Durch 50 Jahre habe er in dieser Stellung wie auch als beeidigter Dolmetscher und Uebersetzer bei hiesigen und auswärtigen Gerichten gewirkt und habe überall sich der größten Freundlichkeit und Güte zu erfreuen gehabt. Redner sprach dann den Segen über den Senat, den deutschen Kaiser und die allerhöchste Familie, die jetzigen und früheren Vorsteher der Gemeinde sowie wie über diese selbst. Die ergreifende Rede weckte in der Brust aller Hörer das lebhafteste Echo. Mit der Anstimmung eines Gebetes für den Jubilar und die Gemeinden Israels sowie des Hallelujah durch Herrn Piza endete die schöne Feier, der sodann das übliche Nachmittagsgebet folgte. Zu dem kirchlichen Feste waren fpecielle Einladungen ergangen. Wir erwähnen unter den Erschienenen, Herrn Oberrabbiner Stern, die Prediger Dr. Jonas und Dr. Sänger, die Gemeindevorsteher der hiesigen Synagogen- und Tempelgemeinde, der portugiesischen Gemeinde in Altona. Auch zahlreiche Damen in Fesitoilette wohnten der Feier bei, welche um 12 begann und um l5/* Uhr endete. Es ist selbstverständlich, daß der hochgefeierte Greis von allen Seiten Zeichen der Anerkennung und Verehrung erhielt. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Ein aus Russisch-Polen gebürtigter Glaubensgenosse, Namens Markbreiter, welcher früher in Preßburg gewohnt, wurde dahier todt aus der Donau gezogen, und fand man in seinen Taschen ein Testament, nach welchem er sein auf 1l4,000 fl. sich belaufendes Vermögen unter der Bedingung an die isr. Cultusgemeinde vermachte, daß Niemand von seinen Verwandten, möge er sich auch in der größten Noth befinden, auch nur den geringsten Betrag hievon bekommen soll; blos seiner Tochter hinterließ er 500 fl. Wie wir hören , soll dieses sonderbare Testament von den Verwandten angefochten werden, da man mit Recht behaupten kann, daß M. nicht zurechnungsfähig gewesen. (W. Isr.) Prag, 10. October. Gestatten Sie mir, Ihnen ein hnvsches Geschichtchen mitzutheilen, welches Sie für Ihr geschätztes Blatt verwenden mögen. Am 2. Tage ro-D, der Heuer auf einen Sonntag fiel, erdreisteten sich drei Stiefelhändler in der goldenen Gasse in der ehemaligen Judenstadt, ihre Läden, aller ings nur halb, zu öffnen und zu verkaufen. Nun ging Herr Abraham Lion, Hausbesitzer, ein sehr frommer, gortesfürchliger Mann aus der Synagoge nach Haufe und sah zu seinem Schrecken, daß der Miether eines chm gehörigen Ladens am Feiertage offen hielt. Ohne sich nur einen Augenblick zu besinnen, trat er rasch entschlossen in den Laden und fragte seinen überraschten Miethsmann: „Wie viel Schaden erleiden Sie an Ihrem Geschäfte, wenn Sie augenblicklich schließen und auch, wie sich's gebührt, den ganzen Tag geschlossen hatten?" — ..Gewiß zehn Gulden," lautet die Antwort. — „So stelle ich Ihnen folgenden Antrag:" sagte wieder der Hausherr, „entweder Sie schließen augenblicklich und ich lasse Ihnen 10 Gulden am Zinse nach — oder Sie müssen mir für das bestehende Quartal den vollen Zins bezahlen und : erhalten überdies moren mit dem frül besten gerichtlich gekündigt." —Der Laden wurde sofort geschlossen und die Nachbarn, die . früher dem üblen Beispiele gefolgt waren, folgten, nachdem sie sich auch von der gefährlichen Concurrenz befreit sahen, ebenso dem guten Beispiele, und die Feiertagsruhe blieb von da ab vollkommen ungestört. Pesth. Der Cultusminister hat bestimmt, daß die königl. Schulinspectoren und Verwaltungsausschüsse nicht das Recht haben, in die Angelegenheiten der unter ausschließlicher Aufsicht der Rabbiner stehenden hebr. Religionsschulen sich einzumischen. In diesen Religionsschulen darf aber kein profaner Unterricht ertheilt werden. Ueber diese Verordnung herrscht unter den