Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1877)
- Date
- 1877-10-24
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XY1I1. Jahrgang. Zwtite jßtilugt zu Nr. 43 des Israelit. Zeitungsnacbrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin, 5. Oct. Der „Voss. Ztg." wird geschrieben: „Die von Ihnen reproducirte Nachricht der „Frankfurter Ztg.", daß die jüdischen Freiwilligen des 2. Garderegiments und des Kaiser Franz-Regiments dieses Mal sämmtlich vom Offizierexamen zurückgewiesen wurden, hat ihre volle Richtigkeit. Die Form dieser Notiz aber könnte zu der Annahme verleiten, als ob ausschließlich die Freiwilligen mosaischen Glaubens das Examen nicht mitmachen durften, und dem gegenüber muß zur Erwähnung kommen, daß dieses Mal überhaupt eine crößere Anzahl von Freiwilligen, die den Vorgesetzten nicht geeignet erschienen, auf Abfolvirung des Examens verzichten mußte. Unter diesen befanden sich allerdings alle jüdischen Frei willigen. Diese harten bisher in den erwähnten beiden Garderegimentern stets in größerer oder kleinerer Zahl das Examen bestanden (noch Ostern z. B. war beim 2. Garderegiment das Verbältniß ein sehr günstiges), und es dürfte daher mehr als bloßer Zufall sein, wenn dieses Mal von keinem einzigen Juden die Qualifikation bei einem hiesigen Garde-Infanterieregiment erworben werden konnte." — In einem weniger unfreundlichen Lichte erscheint die Angelegenheit in einer anderen Zuschrift, von welcher die „Voss. Ztg." den folgenden Passus mittheilt: „Ich bin Jude, weder Mediziner noch Philologe, sondern einfach Kaufmann, habe vom 1. Oktober 1875 bis ultimo September 1876 bei einem hiesigen Garderegiment mein Jahr abgedient, bin am b. April 1876 zum Gefreiten und nach bestandenem Offizierexamen am 29. September 1876 zum Unterofficier befördert, als solcher in diesem Herbst zur Uebung einberufen und vor 14 Tagen zum Vicefeldwebel ernannt. Ich gebe zu, daß auch, ich bei meinem Eintritt die Befürchtung hegte, daß mein Glaube mir eine andere Behandlung seitens meiner Vorgesetzten zuziehen würde, als dies bei den Freiwilligen anderer Konfessionen üblich, und habe mit diesen gefaßten Vorurtheilen die Handlungen, ja die Worte der Offiziere stets nach dieser Richtung hin auSgelegt. Ich that jedoch meine Pflicht und als ich mir erst vornahm, meine Dienstzeit mit unbefangenem Auge zu vollenden, erschien mir auch das Benehmen der Offiziere in anderem Licht. Bald hatte ich erkannt, daß nicht die Religion die Ursache schlechterer Behandlung sei, sondern vielmehr unmilitärische Haltung und Aufführung während der Dienstzeit. Ein Doctor der Medizin oder der Philologie, welcher ein nachlässiger Soldat ist, wird trotz seiner Gelehrsamkeit nach 6 Monaten nicht Gefreiter, und in weiterer Folge auch beim Schluß seiner Dienstzeit als ungeeignet, andere Menschen militärisch auszubilden, nicht zum Offizierexamen herangezogen. Es geschieht nun sehr häufig, daß gerade die tüchstigsten, wissenschaftlich gebildesten Freiwilligen alles Andere bester lernen, als gerade das „Soldat sein"; die Confession thut dabei gar Nichts, bei meiner Compagnie hatte ich Gelegenheit, dies zu erkennen. Es dienten mit mir 2 Studenten, tüchtige Köpfe, evangelischer Confession, die manchmal Gelegenheit gaben, mich erkennen zu lassen, wie unwissend meine Wenigkeit sich im Vergleich zu ihrer Kenntniß ausnahm. Beide aber sind als Gemeine entlassen, ich vagegen, der jüdische Kaufmann, werde Offizier werden; denn ich kann es ja dreist ohne Selbstliebe eingestehen , daß mein Oberst mir beim Abgänge die Hand reichte mit den Worten: „Sie werden dereinst ein tüchtiger Offizier werden." Wenn meine Glaubensgenossen sich zurückgesetzt fühlen, so mögen sie nur mit sich selbst zu Rathe gehen und sich fragen, ob nicht auch vielleicht noch ein anderer Grund bei der Zurücksetzung vorlag. Verhehlen wir es uns nicht, daß die Juden doch nicht durchweg das Zeug zu einem tüchtigen Soldaten mitbringen, sondern dasselbe sich vielfach erst mit aller Energie erwerben müssen. Wer dies gethan, verspürt keine Zurücksetzung. Hamburg. Das 50jährige Amtsjubiläum des Herrn Cultusbeamten der hiesigen portugiesischjüdischen Gemeinde, Herrn I. Cassuto, gestaltete sich heute (19. September) zu einer eben so hehren als ergreifenden Feier. Schon des Morgens 10 Uhr fanden sich in der Wohnung des allverehrten Jubilars Gratulations-Deputationen, darunter eine von Gemeinde-Mitgliedern, unter Führung des Herrn B. de Lemos, ein, welcher eine erhebende Rede an Len Gefeierten richtete und zwei werthvolle silberne -Girandolen, ein Geschenk von Ge-