Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1877)
- Date
- 1877-10-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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1011 hundert J«hr soll er von heut an leben; — iS ein alter Mann und will vielleicht nit mehr blasen. Sag ich: wenn Ihr wollt Mekaß Reb Schmul, blaS ich am zweiten Tag; schweigt er, un sagt nit na. Am zweiten Tag Roschhoschone lat er mich hinaufgehen am Almemor mit Kittel un Haubel — un wie ich hinaufkomm steht Reb Mosch Lasch da; — ich mein! — die ganze Altneuschul, — die ganze Welt dreht sich um mich herum, — ich weis Nit, wie ich lebendig auf mein Stodl18); zurückgekommen bin; Gott is mit mir gewesen, und hat mir Kraft gegeben, daß ich nit Hab mit selber Stimme zu weinen angefangen! aber die Schande hat mir weh gethan — nur daß ich sie nit verdient Hab, nur das hat mich getröstet .... zuletzt macht er sich noch e Gelächter, nur Gespött aus mir. Wie ihn der Oberstburggraf vorrufen lat, redt er ihm ein. ich werd' Moze 1£>) Jomkipur blasen — wie ein Esel bin ich dagestanden un Hab kein Wort reden können — ich Hab auch geschwiegen — wenn ich hätt reden wollen, wär der Graf nit wenig bös' geworden; — aber ich — Werd' wirklich den Altneuschulgabbe — auch wenn er is, wie er is — ka Verdruß nit e her machen — habe ich etwas gekackizt^o), was ka Kopf un ka Fuß hat .... Ich bin kein schlechter Mensch," fuhr Magdeburger, der sich in Eifer hineinsprach, fort, „kein Prahler un kenn Nix — aber wenn ein Anderer solche Gutheiten gemacht hätt. wie ich; thät er das Maul groß aufreißen; aber ich — denk mir, Wenns keiner weiß, so weiß es Gott boruch hu^). Der Primator war aufmerksam geworden. Der Kundschaftgeher, der da bescheiden, aber gewissermassen doch seines inuern Werthes bewußt vor ihm stand, erschien ihm plötzlich in einem andern Lichte, es schien ihm, der unbedeutende Mann sei kein unbedeutender Mensch! „Was für Gutthaten, deren Ihr Euch rühmt, habt Ihr ausgeübt?" fcug Frankl, Magdeburger unterbrechend.' Dieser mißverstand die Absicht der Frage. Sie schien ihm irrthümlich entweder einen Zweifel, oder eine Rüge auszudrücken. „Ich will mich nix rühmen; aber . “ Magdeburger hätte jetzt vielleicht gerne abgebrochen, aber der Primator sollte nicht glauben, daß er ihm eitlen Dunst vormachen wollte, und in gesteigerter Erregtheit fuhr er fort: „Alsdann, — einmal vor vier Monaten, hat ein Moßer^) eine Messire"8) eingebracht, daß 18) Sitzplatz. 19) Ausgang. 20) gegackert, gestammelt. 21) gelobt sei er. 22) Denunciant. 23) Denunciantion. alle Jude ihr Vermögen zur Judensteuer zu gering taxirt haben, und hat ein Gubermalrath „was hätt darüber reflectiren sollen . . . „Referiren," corrigirte der Primator; „meinetwegen referiren," fuhr Magdeburger fort „angetragen, es soll eine Commission alle großen jüdischen Kaufleute überfallen, und wenn man sieht, daß sie zu wenig angegeben haben, soll ihr ganzes Vermögen vom Staat conscribirt werden." „Wohl consiscirt werden" verbesserte der Primator wieder unwillkürlich. „Consiscirt oder conscribirt. is mir Alles eins — und Der Angeber hätt' sollen Zehn pro Cent davon bekommen. „Nun" frug Frankl in höchster Spannung, „warum habt Ihr mich nicht gleich davon in Kenntniß gesetzt?" „Zu was?" wenn Einer etwas beim Oberstburggrafen richtet, bin ich's — und dann hat mir der Oberstburggraf verboten, irgend einem Menschen etwas davon zu sagen. Er hat mich so gefragt über das Vermögen von dem und jenen, zum Beispiel wie hoch ich Sie an Vermögen schätze .... Ich frag warum, und erzählt mir die ganze Geschichte, — aber ich Hab ihm versichern müssen, daß ich Niemanden nix erzähl'. — Nu, ich Hab aber mein Maul laufen lassen. „Was!" Hab ich geschrieen, „is das d'erhört geworden, seit dem Gott die Welt beschaffen hat? Fünfzehn Procent soll der Jad jährlich Vermögenssteuer zahlen, von allem Erdenklichen, von Silber und Gold und faulen Schulden, für die er nit einen Kreuzer kriegt, — un noch extra von jedem Theilhaus — das macht ja bei Manchem dreißig Procent aus! un wenn e Jud von etwas einem lüderlichen Cavalier, statt fünf, zehn Procent nimmt, steÄt Ihr ihm ins Kriminal in Eisen und Ketten, as wenn er hatt einen Menschen d'erschlagen — is das ein Gewissen? und Sie meinen wirklich Excellenzleben as der Jud kann sein Vermögen richtig angeben zur Judensteuer?! — Was thaten Sie, gnädigste Excellenzleben, wenn Sie sollten dreißig Procent Vermögenssteuer zahlen und derfeten nur fünf nehmen? Sie, Excellenzleben — ich mein nit Ihnen allein, ich mein' alle Christen — wissen Sie, was Sie thun thaten?! — einen Aufstand möchten Sie machen, die Burg mochten Sie stürmen! — Wenn es Lügen is Excellenzleben, sagen Sie mir's gerad' ins Gesicht hinein! — aber weil wir Juden nur wenige im Lande sind, wollt Ihr auf uns hcrumtreten, als wen« wir Gaflenkoth wären. Wenn Sie wirklich jährlich zwanzig Procent vom Vermögen Steuer nehmen wollen, und der Jud' soll fein Vermögen