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Der Israelit · 1877-10-17 · Heft 42 (17.10.1877) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 42 (17.10.1877)
Date
1877-10-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1003 den, der aber, statt sich die Sache ernstlich angelegen sein zu lassen, ihnen nur einige Soldaten gab, damit sie selbst nach den Mördern und Leichnamen suchen; dieselben gingen in der That nach dem genannten Duar, allein sie fanden dort nichts weiter, als die verbrannten Reste einer Frau. Als man dem Gouverneur dieses Resultat mittheilte, stieß er heftige Redensarten aus und fügte hinzu, it habe verboten die Stadt nach 3Vs Uhr zu verlassen, und die Leute haben sich nach dieser Zeit auf den Weg begeben. Von dieser Antwort benachrichtigt, gab der italienische Gesandte, H. Scovasso, die Versicherung, daß er die Minister Sr. Mas. sofort besuchen und an seine Regierung hierüber schreiben werde; auch der französische Gesandte schritt ein, und die Wirkung dieser Schritte ließ nicht auf sich warten; ein sehr energischer Brief des ersten Ministers des Sultans, Saidi Mohamed Bargasch, an den Gouverneur von Larache zwang diesen Beamten, seine Unthätigkeit aufzugeben, und führte schließlich zur Verhaftung eines Theils der Mörder; diejenigen der Schuldigen, welche entflohen sind, werden von den Soldaten verfolgt. Einer der Mörder gab in Gegenwart der maroccanischen Behörde und vieler Israeliten folgende Erklärung ab: Wir waren unserer 7 in der Nahe unseres DuarS Ullard Hamu, als wir eine Gruppe Israeliten herankommen sahen; wir theilten uns, 4 von uns postirten sich in einiger Entfernung, um jede Ueberraschung abzuwenden, und wir 3 anderen hielten die Juden an und forderten von ihnen Alles, was sie hatten; sie gaben nach; sodann wollten wir ihre Frauen, und da sie sich weigerten, schoß Einer von uns auf den Mann, der todt hinfiel; auf das Geschrei der Weiber und Kinder kamen unsere Brüder vom Duar herbei, aber zu spät; wir hatten sie alle abgeschlachtet, die Leichname wurden nackt auf einen entlegenen Ort geworfen und unter Stroh versteckt. Nach 3 Tagen kamen die Israeliten von Larache, die Opfer zu suchen; da wir fürchteten, daß der Duar durch die Nähe der Leichname verrathen werden könnte, beschloß der Scheik in Uebereinstimmung mit anderen Arabern, sie verschwinden zu machen, und so zerstückten sie dieselben in der Nacht mit Aexten und trugen sie nach einem Sumpf, wo sie sie vergruben. Trotz dieser Angaben sind die Leichname noch nicht aufgefunden. Nach der Ansicht eines Correspondenten aus Tanger rühren alle diese Verbrechen größtentheils davon her, daß man die auswärtige Protection beseitigen will, die eine gewisse Anzahl isr. Familien genießt und die ihnen zum Hauptschutz gegen den muselmännischen Fanatismus dient. Verschiedene Gesandtschaftsvorsteher hatte« dies auf Forderung der kaiserlichen Regierung bereits bewilligt und es fei hierzu nur noch die Sanction verschiedener, in Marocco vertretenen Mächte erforderlich. (Die Israeliten von Tunis.) Das C.-Comits erhält folgende Mittheilungen über einen soeben stattgehabten Vorfall, der die isr. Bevölkerung von Tunis in Aufregung versetzt hat: Zwei an einer Fleischbank angestellte Israeliten batten mir einander einen Streit, und der städtische Aufseher wußte, um sie von einander zu trennen, nichts Besseres zu thun, als Einem von ihnen einen heftigen Keulenschlaq auf den Kopf zu versetzen, so daß derselbe im Blute schwimmend hinfiel; aber mit dieser Heldenthat noch nicht zufrieden, stieß er ihn mit dem Fuße auf die Brust, schüttelte ihn gewaltsam und schleppte ihn nach dem Palais des Gouverneur, Generals Selim, der ohne die Sache zu untersuchen, lediglich auf die Aussage des Aufsehers, daß er, um den Juden zur Raison zu bringen, habe Gewalt brauchen müssen, Letzteren zu 500 Stockschlägen und einer Gefängnißstrafe verurtheilte; als Muselmann hätte er nur Gefängnißstrafe erhalten. Der Unglückliche ertrug diese Strafe mit unerhörten Schmerzen; unter den auf die Fußspitzen fallenden Streichen fiel das Fleisch stückweise ab; erschöpft von der Tortur und dem Blutverlust, wurde er sofort unbarmherzig ins Gefangniß geschleift, trotz der Bemühungen unserer Glaubensgenossen, ihm diese letztere Härte zu ersparen. Ein Augenzeuge dieses Vorfalls berichtet hierüber mit folgenden Worten: Ich befand mich in einer persönlichen Angelegenheit in Driba, Dienstag den 15. August Abends, als man den in Rede stehenden Juden brachte, zerschlagen, zerbrochen, unkenntlich gemacht durch die Mißhandlung des Gendarmen. Der arme Mensch suchte bei seinem Eintritt mit den Augen einige Glaubensgenossen, die ihn von der Strafe befreien könnten. Als der Ferek ihn sah und den Gendarmen gehört hatte, rieb er sich die Hände und lachte; er ließ vor Allem alle anwesenden Israeliten in den Hof jagen und die Zugänge zu demjenigen Hofe, wo die Execution stattfinden sollte, schließen, damit, wie er sagte, „diese Hunde nicht kämen, um ihn um Gnade zu bitten." Da ich die Rohheit dieses Menschen kannte und die schlimmen Anzeichen dieser Vorbereitungen verstand, so versteckte ich mich hinter eine Thür, wo ich die Schläge der Bastonade und die herzzereißenden Schreie des Unglücklichen hörte , der sich nnter dem Druck von 3 Gendarmen, die auf

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