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Der Israelit · 1877-10-03 · Heft 40 (3.10.1877) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 40 (3.10.1877)
Date
1877-10-03
Page
– (sequence 18)
Language
German
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964 nahmen zur Regelung der Organisation der isr. Cultusgemeinden zu erlangen. ein Ausweis aller bestehenden isr. Cultusgemeinden und deren Verhältnisse vorzulegen. In Czeritowitz fand am 7. Sept in Anwesenheit des Landespräsidenten, des Bürgermeisters, der Vertreter sämmtlicher Staats- und Communal- Behörden, ferner von Militärs und Geistlichen aller Confessionen und eines äußerst zahlreichen Publikums die Einweihung des neuen isr. Tempels statt. Der Bau und die innere Ausschmück:ng und Einrichtung des Tempels sind prachtvoll. Lernberg. Ein christlicher Bäcker, welcher 45 Jahre lang sein Geschäft im Judenviertel betrieben hatte, starb und vermachte südischen Wohlthätigkeitsanstalten 5000 fl., zugleich verordnete er, daß sein Sohn an jedem Donnerstag und Freitag jüdischen Armen Sabbatbrode austheilen solle, wie er dies selbst gethan. Pesth. Vor etwa zwei Jahren brachten wir die Mittheilung, daß eine jüdische Dienstmagd, Namens Fanny Lederer, mit Zurücklassung eines 5jährigen Knaben plötzlich verschwunden ist. Ein christlicher Hausmeister wollte damals das Kind übernehmen, wenn man ihm erlaubte, dasselbe taufen zu lassen. Die Juden nahmen sich jedoch der Sache an, weil sie nicht dulden konnten, daß ein kleines jüdisches Kind ohne Weiteres getauft werde. (Soviel wir UNS erinnern, war es die autonome, orthodoxe isr. Gemeinde, die sich des Kindes angenommen. Red. d. Isr.) Die jüdische Cultusgemeinde führte seitdem gegen die Stadtbehörde einen Prozeß, weil diese sich weigerte, das Kind auf ihre Kosten, wie sie es bei verlassenen Kindern anderer Confessionen thun muß, erziehen zu lassen. Durch den in diesen Tagen auf Veranlassung der Stadtbehörde herbeigeschafften Geburtsschein wurde nunmehr constatirt, daß das Kind in der Wiener Vorstadt Mariahilf geboren und vom dortigen katholischen Geistlichen getauft worden ist. (Pesth. jüd. Zeit.) Belgien. Brüssel. Ueber ein entsetzliches Rifchus von Setten der Liberalen berichtet das „Franks. Journal." Demselben wird geschrieben: „Ganz Israel ist in Brüssel in Aufregung, seitdem Bürgermeister Anspach den isr. Friedhof für geschlossen erklärt und decretirt hat, daß fürder Katholiken, Protestanten, Juden und Freidenker in der Reihenfolge, wie sie sterben, nebeneinander auf dem gemeinsamen Gemeindekirchhof zu Evärö die letzte Ruhe finden sollen. Es bleibt selbstverständlich der Geistlichkeit aller Culte unbenommen, ihre Tobten zu beerdigen, wie es ihr beliebt; aber confessionelle Kirchhöfe bleiben abgeschafft, und ebenso wenig können auf dem Friedhofe besondere Räume abgesteckt werden. Die Israeliten, welche bekanntlich'auf Grund ihrer religiösen Satzungen die Ausgrabung der Leichen verpönen, haben vergebens Schritte gethan, um wenigstens Zeit zu gewinnen. Als sie sahen, daß selbst das katholische Ministerium. obgleich gegen diese von den Liberalen beliebte Auslegung des Decret du Prairial an XII., nicht einzuschreiten wagte, da der Bürgermeister seine Befugnisse nicht überschritten hat, wandten sie sich an die Verwaltung der Vorstädte, wurden aber auch hier überall abschlägig beschieden. Das Brüsseler Consistorium wußte keinen anderen Ausweg mehr, als sich mit dem klerikalen Gemeinderath von Nivelles, 12 bis 15 Stunden von hier, zu verständigen; dieser räumte ihm auf dem dortigen katholischen Kirchhof einen kleinen abgegrenzten Raum ein, aber nur unter der Bedingung, daß für jede Beerdigung eines Israeliten der' dortigen Stadt-Verwaltung 300 Franken bezahlt werden müssen. Auf die Dauer kann diese Last schwerlich von der jüdischen Gemeinde Brüssels getragen werden; dabei verstößt die ganze Convention gegen das Gesetz, das confessionelle Abkommen solcher Natur nur dort gestattet, wo wirklich Familien von der betreffenden Religions-Gesellschaft seßhaft sind. In Nivelles wohnt aber kein einziger Jude. Türkei. Confiantinopel, im September. Am vorigen Sonntag fand die feierliche Einweihung der neuen Synagoge der Österreichischen, Deutschen und Polnischen Israeliten in der Gaffe Auk-em- Calderim in Galata statt. Dieselbe hat der hiesige Großrabbi der Spanischen Juden vorgenommen, den eine Deputation in Begleitung eines höheren Munizipalbeamten unten in der Gasse beim Polizeigebäude erwartete. Sowohl er als sein Kanzler waren mit langen schwarzen Talaren angethan, mit Ordensdecorationen auf der Brust; ihre Kopfbedeckung bestand aus einem rothen Fez mit sehr breitem Deckel, oberhalb der Stirn in aschgraue seidene Tücher eingefaßt, so daß sie von Weitem einem türkischen Turban glich. Der Eintritt wurde den Herren in schwarzem Anzug und den Damen gegen die Vorweisung von Einladungskarten gestattet. Von Seiten der Behörden erschien der Oesterreichisch - Ungarische Generalkonsul Oester-

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