Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 38-39 (19.9.1877)
- Date
- 1877-09-19
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XVIII. Jahrgang. Zweite Skilage;» Rr. 38 k 39 des Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Bericht. ns^öi ■?»» cm-rro D’can nai Musterblätter hebräischer Dichtung zum Behuse der Gründung einer periodischen Schrift für Pflege der hebräischen Sprache von Joseph S. Pick, emerit. Rabbiner. Prag 1877. Selbst.- Verlag des Verfassers. Bei aller Regsamkeit, die sich in jüngster Zeit auf dem großen Gebiet der jüdischen Literatur in erfreulicher Weise bemerkbar macht, ist die Pflege der hebräischen Sprache selbst verhältnißmäßig spärlich bedacht worden. Mit Freuden begrüßen wir daher den Gedanken, durch eine periodische Schrift die Pflege der hebräischen Sprache zu fördern. Das uns vorliegende Probeheft enthält nun in der That musterhafte Musterblätter, welche zu den schönsten Hoffnungen für die gedeihliche Entwickelung des Unternehmens berechtigen. Das goldene Zeitalter der rrnen nw ist ja nicht, wie der gelehrte Verfasser im Vorwort meint, längst dahin; es hat nie existirt. Die rnaen n’ip waren und sind eine eigenartige geniale Erscheinung, und wurzeln keineswegs in dem Zeitalter, in welchem ihr Dichter gelebt und gesungen hat. Gelingt es diesen Musterblättern, den mj*sn nw Ebenbürtiges im Laufe der Zeit zu Tage zu fördern, so brauchen sie um ihre Zukunft um so weniger besorgt zu sein, als der Herr Verfasser ja von vornherein nur auf! das kleine Häuflein Auserlesener zählt, welche sich i ein Interesse für den Gegenstand dieser Blätter bej wahrt haben. > Der Stoff zu den vorliegenden Dichtungen! ist zum Theil aus Talmud und'Midrasch entnomj men, besteht ferner in Nachbildung klassischer, nicht! jüdischer Dichtungen, sowie in selbstständigen j Schöpfungen, von welchen sich besonders die Sinn-! gedichte durch ihre prägnante klare Kürze auszeich-! nen. Die Sprache ist überall fließend und ent-! spricht in jMr Weise den behandelten Gegenj ständen.! Weniger einverstanden können wir uns mit j einem Theil der versuchten neuen Wortbildungen j erklären. Wer würde wohl z. B. die Bedeutung des Wortes nne» errathen (S. 30), wenn die deutsche Uebersetzung „Wesen ' nicht betgefügt wäre? Wenn man in ausschließlich philosophischen Schriften derartigen Wortformen begegnet, so entschuldigt man diese Härten und verzichtet zu Gunsten des pracisen Gedankenausdrucks auf den correcten sprachlichen Wohllaut. Ob aber der Pflege der hebräischen Sprache durch solche und mehrere ähnliche Formen ein Dienst geleistet wird, darf man billig bezweifeln. Daß übrigens der Werth dieser verdienstlichen Schrift hierdurch nicht beeinträchtigt wird, braucht nicht erst gesagt zu werden. Ob eine Einführung dieser Schrift zur sprachlichen Uebung an jüdischen Religionsschulen, wie sie der Herr Verf. empfiehlt, nicht an der praktischen Schwierigkeit scheitern wird, daß die Religionsschulen kaum die nöthige Zeit zur Bewältigung des biblischen Materials übrig haben, das zu beurtheilen, muß den Schulmännern überlassen bleiben. Der Herr Verfasser beabsichtigt vierteljährlich je ein Heft erscheinen zu lassen, und begleiten ihn unsere besten Wünsche zur glücklichen Realisirung. seines Vorhabens. — n— Zeitungsnachrichten und Correspottdenzen. Deutschland. Laupheim. Die hiesige Synagoge wurde im Laufe dieses Sommers einer großartigen Umgestaltung unterzogen, die endlich soweit fertig gestellt ist, daß am rwn ttrtn zum ersten Male wieder Gottesdienst darin abgehalten werden konnte. Wenn die Synagoge früher Vieles zu wünschen übrig ließ, so steht sie heute als h rrliches bvi^k rva da und das Einzige, was an ihr zu beanstanden, ist, daß, anstatt der auffallenden Kreuz-Verzierungen an den Einfaffungswäliden der Frauengallerie andere, entsprechendere hätten angebracht werden sollen. Am Angenehmsten berührt der Umstand, daß die Orgel, für die schon Jahre lang gespendet wurde, keine Stätte in der Synagoge gefunden. Und dieses haben wir einzig und allein dem energisch kräftigen Veto unseres Rabbinen, Herrn L. Kahn, zu verdanken.