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Der Israelit · 1877-09-19 · Heft 38-39 (19.9.1877) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 38-39 (19.9.1877)
Date
1877-09-19
Page
– (sequence 15)
Language
German
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925 Feuilleton. Licht «u- Schatten Erzählung von Friedrich Rott. HI. Es war in einem Kreise heiterer Kameraden, in denen ein junger Mann dieses Reiseabenteuer zum Besten gab. Er war der heiterste der Heitern, ein trefflicher Erzähler, aber die Gefährten, größtentheils Gesinnungsgenossen, schätzten in ihm nicht nur den liebenswürdigen Gesellschafter, sondern weit mehr noch den charakterfesten, gediegenen, ernst frommen Mann. „Wer nur auch solche Träume hätte! Sagen Sie doch, Grün, wie fangen Sie's an, so interessant zu träumen?" „Er legt sich den Schulchan Aruch und den Musaus unter das Kopfkissen," rief ein anderer. Alle aber scherzten und lachten noch eine Zeit lang über das durch die Erzählung angeregte Thema. Nur zwei der Anwesenden blieben ernst. Um die festgeschlossenen Lippen des Einen zuckte wohl zuweilen ein wehmüthiges Lächeln, aber der Ausdruck seiner bleichen Züge blieb sinnend und trübe. Er war einige Jahre älter als Derjenige, den die Kameradenheute den Träumer nannten. Früher als die Uebrigen brach er auf, flüsterte dem neben ihm sitzenden Grün einige Worte zu, drückte voll Herzlichkeit seine Hand und entfernte sich, die Zurückbleibenden flüchtig grüßend. „Was hat denn der Rosenbaüm seit einiger Zeit? er macht ja eine wahre Leichenbittermiene." „Thu' mir den Gefallen und frage ihn nicht," erwiederte Grün. „Rosenbaum, obgleich er am Sabbat den Laden offen hat und über manch anderes sich hinwegsetzt, ist doch im Grunde eine brave Natur. Wie er mir selbst erzählte, war er in früheren Jahren streng religiös, denn seine Mutter ist eine sehr brave fromme Frau. Aber bevor der Sohn sie unterstützen konnte, war sie blutarm und daher kam es auch, daß seine Religiosität mehr der Gewohnheit als der Ueberzeugung entsprang; denn er hatte nicht lange Zeit, die Schule zu besuchen, mußte zeitig ans Erwerben denken. Trotzdem litt er in den ersten Jahren seines Hierseins lieber Mangel und Roth, als daß er den Sabbat entweihte; denn er wußte, daß seine Mutter dem Kreuzer fluchen würde, den er am Sabbat verdienen würde. Aber eben um der Mutter willen, um sie nicht darben zu lassen, überwand er schließlich das Vorurtheil, wie er es nannte, und seitdem besserten sich seine Verhältnisse von Jahr zu Jahr. Doch seine Mutter hat noch heute keine Ahnung von der Aenderung seiner Ansichten und seiner Lebensweise. Seit einiger Zeit aber ist es mir gelungen, ihn zu überzeugen, daß er auf Irrwegen wandelt und ich glaube, er befindet sich in einem Uebergangs - Stadium. — Doch es wird Zeit, uns auf den Heimweg zu machen. Gehst Du mit, Eduard?" rief er seinem Bruder zu, der am entgegengesetzten Ende des Tisches schweigsam und düster in das vor ihm stehende Glas schaute. Der Angeredete erhob sich und ohne ein Wort zu erwiedern, folgte er der Aufforderung; auch die Uebrigen zerstreuten sich bald. Einige gingen eine Strecke den gleichen Weg mit den Brüdern Grün; doch dann schritten diese allein ihrer Wohnung zu. „Was hast Du, Eduard? warum bist Du so verstimmt?" fragte der Aeltere. „Was ich habe?" entgegnete der Andere unmuthig, „je nun, deine moralischen Hanswurstiaden sind eben nicht gerade nach meinem Geschmack, und ich ärgere mich über mich selbst, daß ich sie in Gegenwart der Anderen so ruhig hingenommen habe, denn im Grunde war die ganze geistreiche Tirade doch nur an mich gerichtet." „Da bist Du im Jrrthum. Eduard; ich gebe Dir mein Wort, ich habe dabei nicht im Entferntesten an Dich gedacht." „Ich nehme Dein Wort nicht an!" rief Eduard heftig, „denn ich bin vom Gegentheil überzeugt. Oder willst Du mich vielleicht glauben machen. Du hättest all' den Kram in Wirklichkeit geträumt?" „Daß das Ganze aus einen Traum beruht, das kann ich in Wirklichkeit versichern, Du könntest Dich noch heute bei meinem Reisegefährten erkundigen; er wird sich der Sache sicher noch erinnern. Daß ich jedoch nach mancher Richtung hin meinen Traum ein wenig ausgeschmückt, das will ich durchaus nicht in Abrede stellen. Du weißt es doch, wie sie mich Alle drängten, ich sollte etwas Interessantes erzählen; was war denn da Unrechtes dabei, daß ich die Phantasie ein wenig zu Hilfe nahm?" „Wer spricht von Unrecht? aber unpassend war es und auch unklug. Meinst Du, du würdest mich andern Sinnes machen, wenn Du Denjenigen verhöhnst, den ich verehre? Da irrst Du sehr. Im Gegentheil." „Ich begreife Dich nicht, Eduard, wen hatte ich denn verhöhnt, den Du verehrst?" „Wie Du Dich so scheinheilig stellen kannst! wenn Du wüßtest, wie ich das verabscheue! Aber um Dir zu zeigen, daß ich doch nicht gar so dumm

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