Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 38-39 (19.9.1877)
- Date
- 1877-09-19
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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923 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Schönebeck, 4. September. Ein seltenes und schönes Fest ward in den letzten Tagen der vergangenen Woche in unserer Stadt abgehalten, eine seltene, nach tausend Jahren — der menschlichen Berechnung nach — kaum wiederkehrende Feier hier vollzogen: die Einweihung einer neuen Synagoge , eines neu erbauten jüdischen Gotteshauses. Der wilden Elemente vernichtende Gewalt, die entfesselten Wogen des Hochwassers im'Frühjahr 1876 hatten auch das alte jüdische Bethaus in der Steinstraße untauglich gemacht zu ferneren gottesdienstlichen Handlungen und ein gemiethetes Local auf dem Markte diente bislang der jüdischen Gemeinde als dürftiger Ort ihrer Gottesverehrung. Gleichwie der Erzvater Jacob auf seiner Flucht nach Mesopotamien das Gelübde that, daß, wenn Gott würde mit ihm sein und ihn behüten auf dem Wege, den er reifete, und ihn in Frieden wieder heim bringen, der Stein, auf dem er geruht, zu einem Grundstein eines dort in Bethel aufzurichtenden Gotteshauses dienen solle, so hatte auch die hiesige jüdische Gemeinde erklärt, daß sie die ihnen von fremden Glaubensgenossen und von dem hiesigen Hilfscomitö etwa zugehenden Mittel zum Aufbau eines neuen Tempels verwenden wolle. Etwa vor einem Jahre fand denn unter den üblichen Ceremonien die feierliche Grundsteinlegung zu einem neuen Heiligthum auf der Kaiserstraße statt. Manche Schwierigkeiten stellten sich der Ausführung hemmend entgegen, aber sie wurden überwunden, und am Freitag, den 31. August, konnte die officielle Einweihung unter großer Betheiligung der jüdischen und christlichen Einwohner der Stadt, sowie der städtischen und Staatsbehörden vorgenommen werden. Die Festrede hielt Herr Rabbiner vr. Rahmer aus Magdeburg. Dieselbe wird auf allgemeines Verlangen dem Drucke übergeben werden. Hamburg, 12. September. Ein hier erscheinendes Blatt, der „Nachbar" brachte folgende Notiz: „In Frankreich wird jetzt Gambetta vor die Gerichte gezogen und zwar nicht nur wegen frecher Wahlreden, sondern auch wegen schmutziger Unterschleife und Bereicherung mit Staatsgeldern, die ihm während des Krieges zugänglich waren. Ein Helfershelfer hat ihn verrathen. Gambetta ist ein Jude und gehört zu der in allen Parlamenten üblichen Sorte, die mit schönen Redensarten von Freiheit, Volk und Vaterland um sich werfen, dabei aber nur an die eigne Tasche denken und deren größtes Glück des Vaterlandes Unglück ist, weil ihr einzig wahres Interesse der Gelderwerb ist. In der Eisenbahnfrage spielte Gambetta dieselbe unwürdige Rolle, die bei uns Lasker übernahm. Daß aus den Processen viel kommen wird, ist nicht anzunehmen. Die Begleiterin der Constitutionen, die Corruption, ist in Frankreich, wie nirgends, zu Hause." Mit vollem Recht schreibt der „Freischütz" in Bezug auf diese der Wahrheit wie dem Anstand gleichartig widersprechenden Notiz in seiner gestrigen Nummer: „Herr Pastor Ninck, der Redacteur des frommen Blattes, Prediger an der St. Anschar'Capelle zu Hamburg, wird höchst wahrscheinlich diesen Erguß nicht geschrieben noch ihn vor der Aufnahme in sein Blatt gelesen haben, denn er kennt doch wohl das Gebot: „Dn sollst nicht falsch Zeugniß reden wider deinen Nächsten." Einer seiner Mitarbeiter mag der Autor dieses von Geifer triefenden, von infamen Verleumdungen niedrigster Art strotzenden Artikels sein und hoffen wir, daß Herr Pastor Ninck sich in nächster Nummer des „Nachbarn" gegen denselben verwahrt. Ob Gambetta ein Jude ist^ wissen wir nicht. (Und selbst wenn er Jude wäre, so würde dies weder in seinem politischen Leben noch bei der gegen ihn schwebenden Anklage eine Rolle spielen).' Wohl aber wissen wir, daß das ganze Leben, die gesammie politische Vergangenheit dieses Mannes dafür zeugen, daß er sich „schmutziger Unterschleife" nicht schuldig gemacht haben kann. Daß der Verfasser des Artikels bei dieser Gelegenheit auch einen andern achtungswerthen Mann, Lasker, mit Schmutz bewirft, setzt der Niederträchtigkeit die Krone auf. Pfui über den Protestantischen Jesuiten, der in seinem zclotischen Wuthausbruch zu solchen elenden Waffen greift!" Oesterr. -Ungarische Monarchie. Wien, 10. September. Herr Emil Ladenburg, Bruder des gestern zu Grabe getragenen Reichscaths-Abgeordneten Herrn Ludwig Ladenburg, hat dem Herrn Bürgermeister 2500 fl. und dem Präsidenten der israelitischen Gemeinde 1000 fl. für die Armen übergeben. Wir vernehmen bei dieser Gelegenheit, daß der Verstorbene, der sich bei Lebzeiten durch einen großen Wohlthätigkeitssinn ausgezeichnet hat, nebst verschiedenen bedeutenden Legaten in seinem Testamente fünf Percent von seinem gesammten Vermögen wohltätigen Zwecke» gewidmet hat.