Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1877)
- Date
- 1877-09-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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888 dienste um fein Volk und um die Menschheit erworben, der seinen Feinden Gutes erwies und für seine Freunde sich aufzuopfern stets bereit war, dieser wahrhaft göttliche Mann, der in der ganzen Weltgeschichte unerreicht dasteht — auch er hatte gezeigt, daß er nur ein Mensch ist. er hatte gefehlt; und wenn wir auch durch die Tradition wissen. daß seine Sünde nicht derart craß war, wie das heilige Schriftwort sie darstellt, ny*u aba u»*t «Dn in naw» »o Vd, so hatte er doch jedenfalls gefehlt und einer Leidenschaft nachgegeben, die er hatte beherrschen sollen. Und nun kömmt der Prophet zu ihm und hält ihm sein Vergehen vor und spricht pw nna, „Du bist jener sündige, strafwürdige Mann" — und David? Ungleich seinem Vorgänger Schaul, dem der Prophet Samuel sein Vorgehen entgegenhält, sucht er nicht seine That zu beschönigen, sucht er nicht die Schuld auf Andere zu wälzen, verweist er nickt auf seine hohen Tugenden und Verdienste, sucht er nicht nach Ausflüchten, macht er nicht geltend , daß Uriah als Empörer den Tod verdient und daß der gefallene Officier schon vor seine.gr Abgänge in den Krieg seinem Weibe den Schesd'ebrief geschrieben — nein, David bekennt offen und voll seine Schuld, 'ib »rwtan, „ich Hab' gesündigt gegen Gott," und deßhalb verzeiht ihm Gott. D. möchten wir uns daran ein Beispiel nehmen! Es nahet heran der große, der heilige Tag, an welchem uns die Gelegenheit geboten wird, uns aller Schuld zu entlasten, wenn wir nur unsere Fehler erkennen, sie bereuen und sie ablegen. Aber wir sind stets geneigt, die Schuld Anderer zu tadeln, während wir für die eigenen Fehler kein Auge haben. Wir wollen nur einige, wenige Beispiele herausgreifen. Das Gebet hat, das wird jeder vernünftige Mensch zugestehen, nur dann einen Werth, wenn es dem Herzen entquillt, wenn der Sinn der gebeteten Worte erfaßt und begriffen wird; nicht aber, wenn bloß die Lippen die Worte flüstern, der Geist aber ganz wo anders, etwa bei Geschäften, Vergnügungen, Tagesereignissen weilt. Wirst Du ein solches, gedankenloses Gebet nicht tadeln, mein Bruder? Nun, ich sage Dir, »»wi new, Du bist jener Mann, der die Worte ausspricht, im Geiste aber ganz wo anders weilt! Prüfe Dich, und Du wirft es zugestehen. Nun, so erkenne Deine Schuld, denke ernstlich daran, diesen Fehler abzulegen, und es wird Dir gelingen. Ist eS nicht unrecht, Böses von dem Nebenmenschen zu sprechen, ihn zu tadeln, ihn zu verurtheilen, ohne daß man alle Umstände, Nebevumstände, Beweggründe seines Handelns kennt? Jeder vernünftige Mensch wird das zugestehen, und dennoch, dennoch . . . tp\vn nn*, „Du bist jener Mann, der also verfährt. Erkenne Deine Schuld und lege ihn ab, diesen schlimmen Fehler! Ist nicht die Thora unser köstlichstes Gut und sie zu kennen, sie zu verstehen, sie zu erfassen der größte Reichthum, den ein Mensch erwerben kann? Jeder Jude erkennt das an, gesteht das zu. Und trotzdem — wenn sich Dir die Gelegenheit bietet, tausend Mark zu erwerben, so kennst Du weder Rast noch Ruh*, spürst weder Hunger noch Ermüdung, und die Gelegenheit, in der Kenntniß der Thora unermeßliche Schätze zu gewinnen, versäumst Du gern und oft aus Bequemlichkeit, aus Nachlässigkeit, aus Hang zur Trägheit. Würdest Du den thörichten Mann nicht tadeln, der Diamanten liegen ließe, um Kieselst'ine zu sammeln? Nun wohl, pwi nn»v, Du bist der thörichte Mann, der die unschätzbaren Perlen der Gotteslehre verschmäht, um eitel Thorheit und Flitter zu erwerben. Möge es an diesen Beilvielen genügen; wir könnten sie in*s Unendliche ausdehnen. Nur aus Eines wollen wir noch aufmerksam machen. Der Fremde, der in dem Gleichnisse des Propheten Nathan den reichen Mann besucht, heißt zuerst ivn, ein Wanderer; aber bald wird aus ihm rrw, ein Gast, und es währt nicht lange, so gerirt er sich als r»x, als Herr. Das ist die Entwicklungsgeschichte des jnn ns» der Leidenschaft. Als armer Wanderer pocht die Sünde zuerst an die Thüre; gewährst Du ihr Einlaß, so wird sie bald als gerngesehener Gast sich bei Dir niederlassen, bis sie als Herr des Hauses herrscht und Dich vollständig tyrannisirt; dann ist es schwer, sehr schwer, sie wieder zu entfernen; dann nimmt sie den Herrscherthron ein und Du wirst ihr bedauernSwerther Sklave; dann ruht und rastet sie nicht, bis sie die von ihr Beherrschten zu allen Thorheiten treibt und sie am Ende dem Verderben preisgibt. Da gibt es nur ein Mittel, die Sünde, die sich eingenistet hat, zu vertr-iben, das Mittel nämlich, die Sünde einzugestehf~ib »nxon, „ich habe gesündigt gegen Gott," mon ab *]nxm i'vyn 'i m dann hilft Dir Gott, die Sünde zu vertreiben — Du wirft nicht sterben. Und zu diesem Zwecke hat uns Gott den omsrn di»> den Versöhnungstag gegeben, uisn »pin nwyb i»1?« awa uh» ptpiyo tnru;yvv nbv 2ib2 „damit wir das Böse erkennen, eingestehen, unterlassen, damit wir zurückkehren zu Ihm und Seinem heiligen Willen na^eben mit ganzem, ungetheiltem Herzen. _