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Der Israelit · 1877-08-27 · Heft 35 (27.8.1877) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 35 (27.8.1877)
Date
1877-08-27
Page
– (sequence 18)
Language
German
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848 Aurlch, 19. Aug. In Ostfriesland existiren mehrere Armenhäuser, zu deren Unterhaltung sämmtliche Bürger, Juden wie Christen beitragen müssen. Jüdische Armenhäuser gibt es nicht und Diejenigen armen Juden, welche aus religiösen Gründen in diese Anstalten sich nicht aufnehmen lassen können, haben daher kein Unterkommen. Die Juden, denen aus religiösen Rücksichten der Weg zu dieser Anstalt versperrt ist, haben wohl gleiche Pflichten, keineswegs aber gleiche Rechte. Nur Die hiesige Gemeinde und die isr. Nachbargemeinde Leer erhalten für die jüdische Armen eine sehr kleine Unterstützung aus der Commune, die aber Durchaus nicht als Entschädigung für die Beiträge, die die Juden geben, anzusehen ist. Die Gemeinden, die für ihre armen Glaubensgenossen sorgen wollen, müssen daher außer den Steuern, die sie zur Unterhaltung der genannten Anstalten zahlen, auch noch die jüdischen Armen unterhalten. Da manchen Gemeinden das Wohl ihrer armen Glaubensgenossen nicht jo sehr am Herzen liegt, oft aber auch die Mittel zur Bestreitung dieser Doppelausgaben fehlen, so kommt es hier zu Lande vor, daß' die Armen darben und sehr leicht in die Versuchung kommen können, ihre Zuflucht zu den nichtjüdischen Anstalten zu nehmen. Diesem Uebel könnte abgeholfen werden, wenn sämmtliche jüdischen Gemeinden Ostfrieslands sich vereinigten und ein jüdisches Armenhaus gründeten. ' Die Communen würden schon in Anbetracht, daß die isr. Gemeinden Armensteuern zahlen, ihnen einen Theil derselben zurückgeben, damit sie ihre eigene Anstalt unterhalten können. Die Gründung eines solchen Instituts würde ein sehr wohlthätiger Akt sein und die Gemeinden würden dadurch ihr Interesse für die jüd. Gesammtheit bekunden. Folgendes Factum weiset schon auf die Nothwendigkeit einer solchen Anstalt hin. Vor mehreren Monaten befand sich ein armer Jude aus Emden im Gefängnisse Hierselbst und verlangte -uzn zu essen. Die hiesige Gemeinde sorgte in jeder Beziehung dafür. Als aber no£ herannahte und die Ausgaben sich in hohem Maße steigerten, beanspruchte man von dem Vorstande der Synagogen- Gemeinde in Emden nur das Honorar für den Boten, welcher die ganze Zeit hindurch das Essen besorgte. Doch wollte sich der Vorstand genannter Gemeinde trotz der Fürsprache des Landrabbiners auf keinen Fall darauf einlassen, da er dadurch seiner Pflicht enthoben zu sein glaubte, daß die Gemeinde Emden dem Armenverbande angehöre. Es geht also auch daraus zur Genüge hervor, daß der sogenannte allgemeine Armenverband für die jüdischen Armen zum großen Nachtheile ist. Da Aurich der Mittelpunkt von Ostfriesland ist, so würde es der geeignetste Platz zur Errichtung der vbenbezeichneten Anstalt sein. England. London. Gegenwärtig weilt der Prinz von Wassan, Groß Scheriff von Marrocco, dahier. Eine Deputation d<r ,Anglo-Jew. Assoc." hatte bei demselben Audienz, in welcher sie dem Prinzen die traurige Lage der Israeliten in seinem Hermathlande auseinandersetzte. Derselbe versprach nach seiner Rückkunft die Abstellung so mancher Mißbräuche zu veranlassen. Merkwürdig ist. wie „Jew. Chr." schreibt, daß der Groß^Scheriff eine jüdische Küche hält und diese für ihn so nothwendig zu sein scheint, daß er sie mit nach London brachte. Türkei. (Vom Kriegsschauplatz). Henry de Worms veröffentlicht im „Daily Telegraph" folgende Depesche Layaid's an Lord Derby, welche ihm durch das auswärtige Amt zugeftellt worden ist. Die Depesche ist aus Therapia, 15. August datirt und lautet: „Ich höre, daß unter den in Adrianopel und sonstwo angelangten Flüchtlingen eine Anzahl jüd. Familien sind, welche von den Händen der Bulgaren und Russen fast ebenso wie die Mohemedaner die grausamste Behandlung erfahren haben. Dieselben stammen hauptsächlich von Eskl Sagra und Kasanlik. An dem letzteren Platze sollen viele Juden massakrirt worden sein. Wie mir Mr. Blunt mittheilt, haben die türkischen Behörden ihr Bestes gethan, um sie zu schützen und viele Flüchtlinge haben ihn versichert, daß die türkischen regulären Truppen sie freundlich behandelt und ihre Decken und Mäntel für die Kinder hergegebeu. Ein jüd. Mädchen von 18 Jahren ist in Adrianopel gestorben in Folge der Gewaltthaten, welche sie von 20 Kosaken empfing. Diese armen Juden, verfolgt von Christen und unterstützt und versorgt von Mohamedanern allein, befinden sich im größten Elend, da man ihnen alles geraubt, ihre Häuser und ihr Eigenthum zerstört worden sind. Ein Apcll an ihre Glaubensgenossen in England würde ihnen wahrscheinlich Hilfe bringen und ich wage Sie zu bitten, deren Leiden zur Kenntniß einiger ihrer leitenden Führer zu bringen. Mr. Blunt, Mr. Dupuis und einige andere Herren, welche ohne Rücksicht auf Nationalität und Glaude in Adrianopel ein Comits zur Unterstützung der vielen Tausend Flüchtlinge in jener Stadt gegründet

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