Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1877)
- Date
- 1877-08-27
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XY1II. Jahrgang. ZWkitk öeilage zu Ar. 35 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Aus Mittelfranken. Bezugnehmend auf die Correspondenz aus Würzburg in Nr. 34 dss. Bl. in Betreff der religiösen Trauung durch einen nicht zuständigen Rabbiner, erlaube auch ich mir eine diesbezüglich ergangene Allerhöchste Ministerial-Entschließung mitzutheilcn. Hier handelte es sich um die Frage, ob überhaupt nach Einführung der Civiltrauung noch die früheren gesetzlichen Bestimmungen bezüglich der relig i ösen Trauung in Kraft und Wirksamkeit seien, namentlich ob nur — wie bisher — geprüfte und ordnungsmäßig angestellte Rabbiner hierzu befugt seien. Die betreffende M.-E. erging an die Kreisregierung von Mittelfranken, un*> lautet wörtlich wie folgt: München, den 5. März 1876. Nr. 2603. Königl. Staats-Ministerium des Innern für Kirchen» u. Schul-Angelegenheiten. Betreff: Die Zuständigkeit der Rabbiner zur Vornahme von kirchlichen Trauungen. Die Beilagen des Berichts vom 17. Januar und 1. März l. Js. bez. Betreffs, folgen im Anschlüsse zur weiteren Verfügung mit dem Eröffnen zurück, daß d'e auf dem Edicte vom 10. Juni 1813 und den hierzu erganqenenNormativ-Entschließungen beruhende ausschließliche Befugniß der amtlich bestätigten Rabbinen im Königreiche zur Vornahme einzelner kirchlicher Handlung und insbesondere von Trauungen innerhalb der ihnen zugewiesenen Bezirke durch das Reichsgesctz über die Beurkundung des Personal-Standes und der Eheschließung vom 6. Februar v. Js. keinerlei Aenderung erlitten hat. (qez.) Dr. v. Lutz, (gez) v. Bez old. Aus Württemberg. Verschiedene Buchhandlungen colpvrtiren gegenwäriig ein in Zürich gedrucktes Broschürchen mit dem Titel: Altes und neues Judenthum von Dr. William Rubens. Das Machwerk ist durchaus keiner Besprechung würdig und wir möchten ihm um leinen Preis die Ehre einer solchen erweisen. Es enthält in der That weder altes noch neues Judenthum und wird wohl bei den fortgeschrittensten Reformern nur Mißbilligung staden; denn es ist so voll des trivialsten Spottes über nisoi mm, so strotzend vom verbissensten nij/Bn, so überfließend von cynischem Schmutze (Siehe S. 80. 81.), daß man sich gezwungen glaubt, einen Jünger Rohlings sich als Verfasser zu denken. Wenn ich dennoch Notiz von diesem Pamphlete nehme, so geschieht dies nur, um den Schleier der verleugnete'n Vaterschaft, hinter welchen sich der Verfasser versteckt, etwas zu lüften und zu zeigen, was alles in gewissen „kirchlichen" Kreisen möglich ist. Der schwäbische Dialekt, die „schweinerne Wurstle," der „E an statt er Wasen" der Stuttgarter Königsbau die „Sichehenge der schwäbischen Bauern" und Aehnliches genug weisen unbestreitbar auf Württemberg als Heimat des Verfassers. Haben wir diese, so werden wir auch den dunklen Ehrenmann bald finden; er hat selbst dafür gesorgt. Es ist nähmlich charakteristisch an seinem opusculum, daß es einen glühenden Haß gegen die Dr' Dr. Grätz, Treuenfels, Rahmer und alle „Breslauer' athmet. Nun wissen wir aber, daß vor nicht sehr langer Zeit ein „G eist licherderschwäbischenisrael. Landeskirche" beim Ringkampf um eine Pfründe einem „Breslauer" unterlegen ist; Kino illav lacvymae! Wir haben zwar keine Veranlassung, eine Lanze für das Breslauerthum einzulegen und es vor dem Vorwurf der Zwiespältigkeit zu schützen, der ihm hier gemacht wud. Doch rühmt man den Jüngern dieser Schule nach, daß sie immer so viel Judenthum cvnserviren, als die Gemeinden, deren Brod sie essen müssen; und das ist immerhin eine Tugend. Ä ie kann aber diesen Vorwurf ein Mensch aussprechen, der einen Standpunkt einnimmt, den sicher nicht zehn zurechnungsfähige Genossen seiner Gemeinde theilen. Ist es aber, so möchten wir die Vertreter jener „Kirche" fragen, ist es nicht ein Skandal, daß man Rabbiner anstellt, die sichs zur Lebensaufgabe gemacht, das Judenthum und seine Bekenner dem Hohne und der Verachtung preiszugeben? Uebrigens dürfte der Herr Pamphletist etwas glimpflicher mit dem Talmud umgehen, wenn ich ihn daran erinnere, daß dieser ihm noch eine glänzende Zukunft verheißt. Nach der bekannten Deutung der Stelle (Klagt. I. 5.) L'srib nos vn wird er einst nw n«D tinS herniedersteigen von seiner rauhen Höhe und an den wilden Ufern des Neckars weilen; denn nach dieser Deutung muß er einst die höchste Sproße auf der Leiter der Hierarchie der württemb. isr. Landeskirche erklimmen und — Kirchenrath werden. —