Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1877-08-27 · Heft 35 (27.8.1877) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 35 (27.8.1877)
Date
1877-08-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447695-2447730--14057-2469950
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

842 feilte Mienen drückten unverhohlen einen Zweifel an der Berechtigung seiner Forderung aus; „daS Hab ich gethan, um ruhig herübergehen zu können — also wissen Sie was, meine liebe schöne gnädige Excellenz, Sie wollen mir kein Unrecht thun — so e Gesund auf mir, wie nit — so geben Sie mir zehn Gulden; und die vier Polizeigulden Iheilen wir — jeder büßt zwei Gulden, . . . . .Ist das ehrlich?!" „Vrairnoot das ist es!" rief die Oberstburg- Hräfin überrascht. Sie traute ihren Ohren nicht. Der Mann da, hätte sich ganz leicht dreißigtausend Gulden von dem Gelbe halten und trotzdem als Muster von Redlichkeit und Biederkeit erscheinen können. und stellte jetzt eine so lächerlich geringe Forderung. „Nein, nein!" rief sie lebhaft, „däs kann ich nicht thun, unter keiner Bedingung." Magdeburger glaubte, die Dame finde feine Forderung zu hoch, das verdroß ihn; aber in ihm steckte eine starke Portion Eitelkeit, er wollte die .Oberstburggräfin an Noblesse überbieten, er zuckte die Achsel und sagte geringschätzend, die Hand weit weg von sich schleudernd: „Ich kann das lange Gehandel nit leiden, wo viel geredt wird, ist kein Segen beim Geschäft — wegen die zwei Gulden red ich gar nit mit Ihnen, davor sind Sie mir viel zu sein — also geben Sie mir zehn Gulden — vier Gulden Hab 4ch die Polizeien geben, bleiben mir sechs Gulden, die sinten verdient." „Mein lieber Magdeburger," unterbrach die Gräfin den Wortschwall des geschwätzigen Kundschaftsgehers, „er ist ein ganz ehrlicher, braver Mensch, aber, nehm' er mir's nicht übel, der Primator Frankl und der Juwelier Zappert hatten beide recht — er ist wirklich ein klein wenig ein großer Chammer und ein Maiße Beheme" und die schöne Frau sprach die jüdischen Worte, die sie aus Magdeburgers Munde erst vor Kurzem aufgefangen hatte, so liebenswürdig komisch ans. daß sie selbst, das Kammermädchen, und auch Magdeburger, der sich in dem Budoire der hohen Dame schon so heimisch fühlte, als sei er ein langjähriger Hausfreund, herzlich lachen mußten. „Es fällt mir ja," fuhr die Oberstburggräfin fort „nicht im Traume ein, ihm noch weniger als zehn Gulden geben zu wollen — bewahre! ich kann ihm seine große Redlichkeit nicht bezahlen, aber Freund Magdeburger, das kann er mjr doch nicht anthun wollen, daß er weniger als — zweitausend Gulden von mir annimmt — da;" die Gräfin reichte ihm zweitausend Gulden Noten, nehm er; und dabei bin ich ihm noch zu Dank verschuldet — und des Zappert Schaden soll es auch nicht sein; das ist ein Ehrenmann, den werde ich überall beim ganzen Adel bestens empfehlen." Magdeburger war zur Salzsäule erstarrt. Daß die Oberstburggräfin keinen Scherz treibe, das sah er wohl ein. Seine Blicke flogen von den Banknoten auf das lächelnde Gesicht der hohen Dame; dann wieder zurück. Zweitausend Gulden bei einem Geschäfte im Handumdrehen zu gewinnen! und drei Hundert hatte er auch vom Juwelier Zappert bekommen; es ward ihm schwindlich Er mußte sich an der Stuhllehne festhalten. er rieb sich die Augen, zupfte sich am Ohrläppchen, um sich zu überzeugen, daß er nicht träume. Dann erst nahm er die zweitausend Gulden, küßte der Gräfin beide Hände und rief mit dem Tone naturwahren EnthllfiasmufeS: „Gnädige Excellenz! Sie find ein ganz groß Stück Zucker mit Mandelkern; so verwahr soll ich gesund und glücklich sein!" — aber in dem nächsten Momente gewann wieder die Reflexion die Oberhand, und ein finsterer Schatten überflog sein ehrliches Gesicht. „Excellenzleben" sprach er, und seine Stimme zitterte förmlich vor Aufregung — „überlegen Sie sich's gut — thun Sie sich nit übereilen; es ist wahr, Sie haben kaum geglaubt zweitausend Gulden für die Brillanten zu kriegen — un wenn ich hält gebracht nur Zwölfhundert und hätt gesagt, der Zappert will nit mehr geben — hätten Sie mir — so fürwahr soll ich gesund und glücklich leben — auch nit die NaS abgebissen — und ich Hab Ihnen gebracht Einundvierzigtausend Gulden — das is e Maul voll! — aber—Schwesterleben , gnädige Excellenz! — zweitausend Gulden für ein Geschäft geben! — das müssen Sie sich doch erst e bisstl überlegen. Sie sind brav — mein Glück soll e so gehen wie Sie brav sind — aber Ihr Mann, seine Excellenz, der Herr Oberstburgraf". Magdeburger machte ein höchst bedenkliches Gesicht, „wenn's der -'erfahren thut, as Sie so mit'n Geld herumschmeißen, als Wenns Hagebutten wären — könnten Sie Excellenz da nit ine großen Verdruß hineinkommen? — Wissen Sie was Excellenz — da haben Sie Ihre zwei Tausender; überlegen Sie sehr oder fragen Sie den Herrn — sagt er ja — is es mir — so e Gesund auf mir und mein Weib — ganz recht — wenn er aber meint, daß es zu viel is, will ich zwischen Mann und Weib kein Verdruß nit e her machen!" Der dumme Magdeburger war wirklich ein edler Mann. Wenn man sein besseres Wesen von der Schlacke der Dummheit und Unwissenheit, hätte reinigen können, hätte dies ein herrliches Menschengebilde gegeben. Diese an's Unglaub-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.