Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1877)
- Date
- 1877-08-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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841 ivar auch körperlich ermüdet. Er blickte sehnsüchtig nach einem Sessel, und erwartete, daß man ihm denselben anbieten werde, da dies nicht geschah, sagte er: „Entschuldigen Sie, Excellenz. ich bin müd' wie ein Hund, d'erlaben*) Sie, as ich mir einen Stuhl nehm'" — und ohne die Erlaubniß abzuwarten, griff er rasch nach einem rothen Sammtsessel, rückte ihn näher, und warf sich mit einer solchen Vehemenz auf denselben, daß dieser in alen Fugen krachte; dann wiegte sich der Kundschaftsgeher ganz vergnügt auf dem elastischen Sitze. Anna schlug vor Verzweiflung die Hände zusammen, aber, dem durch Winke feine Sitten lehren! da wär's wohl leichter aus einem Eisbären einen gewandten Clavierspieler zu bilden; — und sie überließ den unmanierlichen, aber grundehrlichen Magdeburger seinem Schicksale. Die Oberftburggräfin war hoch erfreut. Die Dame und selbst ihr hoher Gemahl, waren, wie dies noch jetzt zuweilen, damals aber sehr häufig auch bei reichbegüterten Cavaliere» vorzukommen pflegte, oft in Geldverlegenheiten. Sie war durch die — für jene Zeit — große Summe baaren Geldes, zu welcher sie in so unerwarteter Weise gelangte, hoch erfreut, ja sie war sogar jetzt entschlossen, nunmehr vor ihrem Gemahl weder den Verkauf des geerbten Schmuckes, noch die Unterstützung, die sie ihrem Bruder angedeihen lassen wollte, zu verheimlichen und ihm — ihrem Gemahl nämlich — die ganze große Summe, die ihr, nachdem sie die Ehrenschuld ihres Bruders bezahlt, übrig blieb, zur Regelung seiner Verhältnisse zur Verfügung zu stellen. Sie befand sich daher in der rosigsten Laune, und amüsirte sich sogar recht gut; eine so originelle Unterhaltung hatte sie noch ihr Lebelang nicht genossen. „Was sagte Euer Primator Frankl dazu?" frug die hohe Dame ihr parfümirtes Taschentuch an die Lippen drückend. Magdeburger schlug verlegen mit der Hand auf seinen Schenkel, daß es nur so klatschte, die Frage schien ihm ungelegen; er meditirte, schnupfte zuerst hastig, Putzte seine Brille, als wenn er hierdurch im Stande wäre, die Situation klarer zu übersehen, dann lispelte er unter jungfräulich schämigen Erröthen: „Maiße Beheme hat er gesagt — daS sagt man bei uns Israeliten, wenn einer is e großer Ochs — oder sonst etwas ein Esel — aber Magdeburgers diplomatisches Feingefühl hatte sofort das Richtige erkannt — aber Excellenzleben, er hat nur e Spaß gemacht, was? glauben Sie nit auch?" was ist das für eine Maiße Behemeheit5)? — das ist eine Weisheit von mir! „Gewiß, gewiß" meinte die Oberstburggräfin, den gedrückten Mann beruhigend; aber plötzlich wurde die hohe Frau von einem heftigen Heiterkeitsanfall ergriffen, und mußte laut herauslachen. Heiterkeit und Lachlust sind bekanntlich ansteckend, und auch das Kammermädchen vermochte es, trotz allen Respektes nicht, sich zu bezwingen, endlich ward auch Magdeburger, der sich zuerst ganz verwundert und verlegen umgesehen, von der allgemeinen Stimmung erfaßt, und dem weiblichen Lachduette verschmolzen sich bald Magdeburgers kräftige Bierbaßtöne. Eine solche Scene hatte sich in diesen Räumen noch nicht abgespielt. Endlich hatte sich die Gräfin gesammelt, und mit. vollem Ernst, und in dem hoheitsvollen Tone, der ihr eigen war, in einer Weise zurückfallend, daß sich Magdeburger unwillkürlich von seinem Sitze erhob, sagte sie: „Magdeburger, er ist ein grundehrlicher Mann — er und der Juwelier Zappert, — nun von dem wunderts mich nicht. — Magdeburger, er soll alle Lieferungen in meinem Hause bekommen." Magdeburger verneigte sich hochbefriedigt. „Und," fuhr die Gräfin fort, „sag' er mir, was verlangt er für seine Mühe?" „Hmmeinte Magdeburger, die offene Hand nachdenklich nahe vor seinem Gesichte hin- und herschwenkend. „Sie haben ja da ein gutes Geschäft gemacht — so e Gesund auf mir und auf Ihnen Excellenz, wie Sie da ein Geschäft gemacht haben — da kommt es Ihnen doch auf eimPaar Kreuzer nicht an?" ..Ganz richtig, lieber Mann, fordere er nur was er für recht hält — nur nichts Uebertriebenes, versteht er mich?" „Alsdann," sagte Magdeburger nachdenklich , seine Leistungen einzeln an' den Fingern abzählend, um jenen durch Nachweis des großen erforderten Zeitaufwandes, das gehörige Lustre zu verleihen — „Gestert bin ich einmal zum Herrn Kubitschka herübergeloffen, dann zu Ihnen Excellenz, dann Hab ich heut den ganzen Tag verbracht; ich glaub' — zehn Gulden is nit zu viel. — ES is nit zu wenig, es is nit zu viel — grad' recht . . . . nu richtig, wie is es das mit die vier Gulden, was ich die Polizeien Hab geben? — so soll ich und mein Weib glücklich und gesund sein, ich Hab e-jedern und dem Korporal e Silbergulden gegeben. — Sie können ihn ja fragen, wenn Sie grad mit ihm^Zusammenkommen; freilich," wieder schwenkte er seine breite Hand in der Luft und 4) erlauben. ö) Dummheit.