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Der Israelit · 1877-08-15 · Heft 33 (15.8.1877) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 33 (15.8.1877)
Date
1877-08-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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776 zum Gottesvolke zu erziehen; selbst bei der Zerstörung unseres Heiligthums war es der erbar- MUUgsvolle Gott, der Sein heiliges Haus zerstören ließ, um Israel zu retten und es einer glücklichen Zukunft entgegenzuführen; auch während der furchtbaren Leiden des Mittelalters verließ uns Gottes Erbarmen nicht, und nur Seiner Barmherzigkeit haben wir es zu verdanken, daß wir jenen entsetzlichen Vernichtungskampf, den alle Völker gegen uns geführt haben, zu überdauern vermochten. Seit fast zweitausend Jahren irren wir umher, unsere Sünden und die unserer Väter büßend, zu den alten Sünden neue häufend. O, wie schön wäre es, wenn wir durch die mannigfachen Leiden gebessert, so hoch zu steigen vermöchten in Tugend und Gottesfurcht, bis wir es verdienten, erlöst zu werden, bis wir gerechtfertigt dastanden vor Gottes Richterthron und selbst das strenge Recht pn rrrö zu unfern Gunsten entscheiden müßte! Dazu aber ist jetzt weniger Aussicht vorhanden als ehemals. Der Fortschritt des Menschengeschlechts, überhaupt und namentlich Israels, vollzieht sich nicht in gerader Richtung, er geht in Curven (krummen Linien) und auf eine Fluth tritt immer wieder Ebbe ein. In den Zeiten, in welchen Israel auf dem Wege zu sein schien, die Vollkommenheit zu erreichen, traten einzelne Mängel zu Tage, die einen Rückschlag vorbereiteten. Als Samuel ganz Israel zur Gotteserkenntniß und zum Gottesdienste geführt hatte, da war es die Neigung zur Verrätherei, piö*n, welche die vollständige Erlösung hinderte; und wiederum als zu Achab's Zeiten Israels Gottanhängigkeit verloren schien, als selbst der fromme König von Juda, Jehoschaphat, geblendet durch die glänzenden Erfolge der Achab'schen Herrschaft, sich mit dem Götzendiener verband und verschwägerte und dadurch fast sein ganzes Geschlecht dem Verderben weihte, war es das eifervolle Wirken Elijahu's, welche' die Wiederkehr besserer Zustände ermöglichte. Auch vor circa hundert Jahren lebte ein Geschlecht, in welchem Erkenntniß und Gottesfurcht einen hohen Grad erreicht hatten; überall herrschte die innigste Frömmigkeit, widmete sich die Jugend dem Thora- Studium; freilich gab es auch noch mannigfache Zustände, die viel zu wünschen übrig ließen, deren Verbesserung die Aufgabe der Führer des Volkes war. Da kamen Zanksucht, Streit, Hader inmitten der jüdischen Gemeinden auf, die Vertreter der Thora befeindeten sich gegenseitig und setzten sich herunter in den Augen der Menge; da wurde der Boden der Religiösität unterwühlt, und die neue Zettepoche, welche mit der französischen Revolution von 1789 in die Welt trat, fand ein durch Zank und Hader zerklüftetes Judenthum; ein Umschlag in der religiösen Gesinnung war die natürliche Folge, und heute sind wir wieder weit, weit zurückgeworfen. Von der Hoffnung, die Erlösung zu verdienen, sind wir weiter entfernt als in irgend einer andern Zeit, aber die Hoffnung auf Gottes Erbarmen hat uns nicht verlassen. Vielleicht sind es gerade die trostlosen Zustände der Gegenwart, die den Allerbarmer veranlassen, uns Sein gnadenreiches Antlitz zuzuwenden, um uns emporzuheben aus der Versumpfung, die uns bedroht. ■pNo »noro rwaion myaani ücmd1 onnn o P •)omo BiDn nnai tpid» „Wenn auch die Berge weichen und die Hügel wanken, so wird Meine Gnade von dir nicht weichen und der Bund meines Wohlwollens wird nicht wanken. So hat gesprochen Dein Erbarmer, der Ewige." (Schluß folgt.) Dir Petition preußischer SynagogenvorMode um obligatorischen jttb. Netigiouruutericht. x. Wir haben unseren bisherigen Ausführungen wenig mehr hinzuzufügen. Auf Grund aus dem Leben gegriffener Erfahrungen, unterstützt durch die Zeugnisse der bewährtesten Fachkundigen, haben wir n ach g e w i e s en, wie eine vorurteilsfreie Erwägung der in Rede stehenden Angelegenheit auch nicht mit einem einzigen Motiv für die Einführung eines obligatorischen Religionsunterrichts plaidirt, wie dagege« sämmtliches von den Petenten eines solchen Religionsunterrichts zur Begründung herbeigebrachte Material gerade am nachdrücklichsten den Stab über das ganze Verlangen bricht. — Das Judenthum und die Judenheit, die jüdischen Gemeinden und ihre Schulen, die Freiheit der Gewissen, die Freiheit der Religionen, sie alle würden unter einem staatsseitig ertheilten obligatorischen Religionsunterricht so empfindlich leiden, daß etwaige Vortheile eines solchen Unterrichts vollständig dagegen verschwinden müßten. — Wir glauben, und hoffen daher, daß die jüdischen Gemeindevorstände, nachdem sie nun in der Lage sind, sich über die vermeintlichen Lichtseiten und die thatsächlichen Schattenseiten dieser ganzen Bestrebungen ein Urtheil zu bilden, nicht länger mehr ihre Hand, d. h. ihre Unterschrift zu einem Unternehmen bieten werden, das in so trauriger Weise dazu angethan ist, die Zukunft des Judenthums in Preußen zu gefährden. — Haben die Bewerber um Einführung eines

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