Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1877)
- Date
- 1877-08-08
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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758 Magdeburger setzte sich wieder beruhigt nieder, zog seinen Hut vom Kopfe und wischte sich den Schweiß, den seine Aufregung hervorgetrieben, von der Stirne. Kubitschka holte, um jeden Groll gründlich zu ersäufen, eine dickoäuchige Flasche aus dem Schranke, und schenkte seinem Gaste ein Glas spanisch Bittern ein, das dieser stillschweigend leerte. Das Mädchen sagte, ihre Stimme zu einem Flüstern herabsenkend: „Die Sache ist diese. Der jüngste Bruder der gnädigen Frau Gräfin, Graf Julius, der Lieutenant bei Savoyen-Dragonern, ist ihr Liebling und macht schrecklich viel Schulden. Unser Excellenz-Herr, der schon einmal für ihn tief in den eigenen Beutel gegriffen und seine Schulden getilgt hat, will nichts mehr von ihm wissen. Der junge Graf hatte damals heilig versprochen brav zu werden, nicht so hoch zu spielen, nicht so hoch zu wetten; — aber versprechen und halten ist zweierlei! — Jetzt ist er wieder in der allergrößten Verlegenheit, und ist gestern bei Nacht in voller Verzweiflung zu meiner lieben, gnädigen Excellenz gekommen, hat gesagt, daß er wieder Ehrenschulden gemacht hat, daß er infam cassirt werden wird, und daß er sich eine Kugel durch den Kopf jagen muß.nun da will ihn meine gnädige Excellenz doch nicht so grausam in der Patsche stecken lassen, und da der Excellenz-Herr gar nichts davon wissen darf, und da die gnädige Excellenz kein baares Geld hat, so muß sie halt einen alten Schmuck, der ihr Privateigenthum ist — sie hat ihn von einer Tante geerbt, und trägt ihn nie — verkaufen. Da sie nicht haben will, daß man erfährt, daß sie den Schmuck verkauft, so muß dies durch einen ehrlichen, verlässigen Mann geschehen. Mein Bruder rühmt Sie stets als einen solchen, und da mich Ihre Excellenz, meine gnädige Gräfin, beauftragt hat, einen solchen Mann aufzusuchen; — habe ich Sie empfohlen, Herr Mageburger." Das kitzelte den eitlen Mann, daß er seuerroth vor Freude wurde, und verschämt die Blicke zur Erde senkte. „Hm! Das ist etwas anderes — etwas ganz anderes Mammsell Anninko; ja — Brillanten verstehe ich keine, aber ein ehrlicher Mann bin ich, und will den Schmuck gerne verkaufen. Was man dafür bekommen kann, soll Ihre Oberstburggräfin dafür kriegen. Ich werd' zu WolfZappert gehen, das ist der größte Juwelier, — ein sehr braver Mensch, mir^) sinten sogar etwas Freund") mit einander" fügte Magdeburger mit gerechtem Stolze auf die hohe Verwandtschaft hinzu, „warum? weil mein Großvater selig, is ein Geschwisterkind gewesen von der zweiten Frau, von sein Obervetters Stiefsohn. — Also die Frau Oberstburggräfin will mir den Schmuck selbst übergeben? — gut! ich werde pünktlich um vier Uhr da sein . . . . Wie soll ich mich anziehen, Herr Kubitschkaleben, soll ich mir meine Samstags- oder die Feiertagskleider anziehen?" „Welche sind schöner?" frug das Kammermädchen. Magdeburger unterdrückte mühsam ein Lächeln über die dumme Frage. „Nu" antwortete er seiner Gewohnheit gemäß mit einer Gegenfrage, „werden die Feiertagskleider nit schöner sein?" „Also diese!" entschied Anna, „und seien Sie gefälligst schlag vier Uhr da." „Gut." Kubitschka schenkte zur Erhöhung der Feierlichkeit dieses denkwürdigen Momentes, dem Kundschaftgeher ein zweites Glas spanisch Bitter ein, das dieser resolut mit einem Zug austrank, und nachdem dann noch einige Worte gewechselt wurden, eilte Magdeburger, der eitle Mensch, weg. Er konnte es vor Ungeduld nicht erwarten, seiner Frau mitzutheilen, welchen unerwarteten und erfreulichen Zuwachs sein Kundenkreis erhalten hatte. (Fortsetzung folgt.) 15) wir 16) verwandt. A N Z E I G E N. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. ^TLesucht eine Lehrlingsstelle für einen jungen Mann, der das Einjährig-Examen mit Erfolg bestanden, in einem Ledergeschäfte, wo Kost und Logis gegeben wird und daL am Samstag geschlossen hat. Gef. Offerten werden erbeten unter L. L. 2072 an die Exped. d. Bl.