Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1877)
- Date
- 1877-08-08
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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756 gar dummer Mensch und nicht das allerkleinste, allerunbedeutendeste Ehrenämtchen war ihm je zugedacht worden; — und er wäre doch so genügsam gewesen! — allein, seine Versuche sich seinen Glaubensgenossen irgend wie nützlich zu machen, waren nie beachtet noch viel weniger gewürdigt worden; so daß er nach und nach, die stille Hoffnung seiner Seele, etwas in der Kille *) zu werden, aufgab, und eine Abart Menschenhaß, allerdings der mildesten Sorte — in seinem sonst kindlich guten Gemüth Wurzel schlug. — Jetzt überdachte er die Unannehmlichkeiten, die ihm in dem oberstburggraflichen Palais zustoßen konnten, und leise seufzend flüsterte er mit bitterem Humor: ..Beim Goj^) Nisches und beim Inden ka Kowed^, was soll mir die Narreschkat*) — ich bin mich nicht mekanne^)!" Um sich aber nicht fortwährend nur unangenehmen Gedanken hinzugeben, machte er den Versuch zu errathen, was sein Freund Kubitschka plötzlich von ihm wünsche, und es entstanden die sonderbarsten , wenn auch nicht sinnreichsten Combinationen in seinem sonst nicht erfinderischem Kopfe. „Eschwer" vermuthete er „ist er von seinem Bruder, dem Förster, eingeladen worden, auf die ChagoeZb) mag jetzt bald sein werden, hinaus zu kommen; und braucht zu der Reis' e' warmen Pelzrock, e gut Dinterleibl und ein Paar feste Pelzstiefel, hm!" meinte er auf der schwanken Basis dieser Voraussetzung, diesen Gedanken weiter spinnend; „bei Eli« Mühlhausen Hab' ich vorgestern e Pelz gesehen; der gebet ihn billig, oder," fiel ihm jetzt ein, „hat sein ältester Sohn der Baal milchome?) wieder etwas Geseres^) mit seinem Hauptmann , und Kubitschka will ihm mit e Paar Dukaten meschached sein") und ich soll ihm das Gold einwechseln; oder ... bah!" unterbrach er endlich laut seine divinatorischen Anstrengungen, „zu was soll ich mir mein Kopf zerbrechen, ich werd's ja im jirze haschem bald erfahren!" So in Gedanken versunken, war David Leb Magdeburger bei dem oberstburggräflichem Palais angelangt. Beim Eintritte in das Gebäude stieß er gleich auf den rothhaarigen Jäger Franz, den er seiner Frau als besonders boshaften Judenfeind bezeichnet halte. Der Jäger schien auch dieser Schilderung vollkommen gerecht werden zu wollen; denn kaum erblickte er ihn, streckte er die Zunge aus dem Munde, schnitt Gesichter, und rief dem Manne, der ihn nie mit einem Worte beleidigt, 1) Gemeinde. 2) Christen. 3) keine Ehre. 4) eigenthümliche Phrase, so viel als: „ich muß es offen gestehen". 5) beneide mich nicht. 6) Feiertage. 7) Soldat. 8) Verdrießlichkeiten, Unannehmlichkeiten. 9) bestechen. oder ihn je geschädigt hatte, und der ruhig an ihm vorüberschritt, die gemeinsten pöbelhaftesten Schimpfworte nach, scheinbar ohne sich darum zu kümmern ging Magdeburger nach KubitschkaS Wohnung. Dort wurde er freundlich empfangen. „Ah!" rief ihm der Portier entgegen, „gut daß Ihr gleich gekommen seid; es handelt sich um ein gutes Geschäft für Euch; nicht mit mir — ich weise es Euch bloß zu; das heißt eigentlich meine Schwester, .... Ihr sollt das Geschäft mit einer vornehmen Person machen; aber vor Allem müßt Ihr verschwiegen sein, es darf kein Mensch auf der ganzen Welt erfahren, dann müßt Ihr klug sein und müßt's fein anstellen, und dann müßt Ihr ehrlich zu Werk gehen; — freilich das brauch ich Euch nicht zu empfehlen; dafür kenn ich Euch, . . . . . dann . . . ." „Herr Kubitschkaleben" unterbach ihn der einfache Magdeburger ungeduldig, „werden Sie einmal fertig mit 'Ihre lange Red; ich bin schon ganz neugierig. also was is das für en Massematten und mit wem soll ich ihn machen? ' „Kommt herein ins zweite Zimmer, meine Schwester soll's Euch selbst sagen." Magdeburger trat in das zweite Zimmer, wo ihn Anna, die jüngste Schwester des Portiers erwartete. Sie war Kammermädchen bei derOberstburggräfin. Annas Vater war Förster bei den Herrschaften ihres Vaters gewesen und die Gräfin hatte sich des frühverwaisten Mädchens an- und sie später in ihre Dienste ausgenommen. Sie hatte das kluge anhängliche Mädchen lieb gewonnen, und schenkte ihr viel Vertrauen. Es war auch Annas Einfluß, dem ihr Bruder Kubitschka seinen guten Posten dankte. Das Kammermädchen hatte schon die Formen des feinen Umganges, den sie täglich vor Augen sah, angenommen, sie sprach: „Herr Magdeburger! mein Bruder rühmt Sie als einen ehrlichen, vertrauungswürdigen Geschäftsmann , und als einen verschwiegenen Menschen. Es handelt sich um ein Geschäft für eine sehr vornehme Dame. Sie sollen bei demselben einen anständigen Profit machen, oder wenn Sie die Sache nicht selbst kaufen können oder wollen, für die Mühe des Verkaufes gehörig bezahlt werden; — wollen Sie das?" „Warum soll ich nicht wollen?" entgegnete Magdeburger, der es liebte mit Gegenfragen zu antworten. „Also kommen Sie um vier Uhr, Nachmittags, her, — da ist sonst Niemand im Hause, der Excellenz-Herr ist auf die Jagd gefahren, und hat einen Theil der Dienerschaft mitgenommen, die Lakaien und Bedienten haben Nachmittag Kirchen-