Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1877)
- Date
- 1877-08-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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734 — nur der Kubitschka, der Portier, nit — ah! der soll meo schonim^) leben, an dem Hab' ich unbeschrieen eine schöne Kundschaft, schade, daß er bei einem solchen Rosche dient,.wenn ich zu ihm hinübergeh' Hab' ich immer das Fraß vor More?'). „Warum, David Leb Leben?" frug Dina zärtlich besorgt . . . „Ich had' Dir's doch schon gesagt; weil Alle drüben Reschoim sind; da is e Rothköpfl der Jäger Franz — ein Hauptaschkasch ^); wie mich der erblickt, spott' er mir nach, und thut mir, wo er nur kann und mag gebranntes Herzleid an. Freilich , wenn ich schon einmal drinn beim Portier-, bei Kubitschka im Zimmer sitz; is mir wohl, der is mich mechabek umnaschek^) — e Zucker von e Orel, sag ich Dir. Unlängst is er mir e Glas Punsch mechadid-'). „Macht nur Euren Segensspruch" sagte er, und weil mein dreieckig Hütel nit gleich bei der Hand war, setzt er mir geschwind seinen großen Paradehut mit der schweren goldenen Bort, der aus dem Tisch liegt, aus den Kopf, ich Hab' mich im Spiegel angesehen, er hängt grad dem Tisch gegenüber, ich Hab' lachen gemußt — und doch Hab' ich e Raches^) gehabt, wie ich ausgesehen Hab';' der dumme David Leb lachte noch bei der Erinnerung vor Vergnügen, „aber" fuhr er dann nachdenklich fort: „wenn er nit gar so e braver Mensch war' — ich ließ ihn doch lieber laufen — man hat zu viel Herzabdrückung in dem Haus! — Unlängst wie ich drüben war, und aus dem Pvrtierzimmer herausgeh'; kommt grade der Wagen des Oberstburggrafen angefahren und der springt heraus; ich zieh ganz bederech erez^) mein dreieckig Hütel und sog „Gut Morgen und gut Jahr Herr Oberburggrafleben" — sog selbst Dina, mein Kind, kann der Mensch noch feiner reden? Was meinst Du sagt der Rosche Amolek-3) dazu? — Hätt er geschwiegen, gar ka Tschowo'0) geben, as wenn e Hund bellet — auch recht, aber er sagt „halt's Maul Du dummer Jud!" Hast Du so etwas Dein Lebtag gehört? Al koll soß^) steht der rothhaarige Schekez^), der Jäger Franz am Wagenbreit und zerlacht sich, — e Siebzehner hätt' ich drum geben, wenn ich wenigstens dem hätt' e saftigen Patscht) geben können/es ^) Massel31) war noch, daß Kubitschka nit dabei war, vor dem hätt' ich mir gar die Augen aus dem Kopf herausgeschämt." „Das is wirklich ein großer Verdruß" rief 18) hundert Jahre. 19) Zittern vor Angst. 20) Schelm. 21) küßt und umhalst mich. 22 > verehrt er mir ein Glas Punsch. 23) Bergnügen. 24j voll Höflichkeit. 25) Judenfeind Amalek. 26) Antwort. 27) zu alledem. 28) Junge. 29) Ohrfeige. 30) das. 31) Glück.! Dina, die ihren dummen Mann herzlich gern hatte, „aber weißt Du was?" (Dina war auch unwissend; > aber sie besaß wenigstens natürlichen Verstand.) i Vielleicht hast Du ihm nicht den rechten Titel; geben . ... Du hättest eschwer^) sagen sollen: I Allergnädigster Herr Oberstburggraf, oder Euere Majestät, wohlgedorene Hoheit oder etwas, eine andere Feinheit — und — darüber is er broge§33) gewesen." Gerechte Vorwürfe berühren am schmerzlichsten; Magdeburger hatte seiner Frau, aus Eitelkeit , den ganzen unliebsamen Vorfall bis heute verschwiegen, da der plauderhafte Mann endlich den ihn bedrückenden Kummer durch Mittheilung an seine Frau theilweise von seiner Seele wälzen wollte; aber in dem Augenblicke, wo ihm Dina mangelhafte Kermtniß des feinen Umgangtones vorwarf, wollte es ihm so Halbdunkel selbst schier bedünken, als wenn seine Begrüßung des Oberft-- burggrafen sich in der That nicht' den strengen Gesetzen der Etiquette elastisch angeschmiegt hätte; und er sagte, mit einem geringschätzigen Achselzucken grimmig: „Wie soll ich denn mit ihm reden? Soll ich vielleicht zu ihm sagen: gnädiger König; gnädiger Kaiser? — er ta ja doch nur Oberstburggraf „Nur Oberstburggraf!" schrie Dina ganz erschrocken — „er ist an des Kaisers Stelle in Böhmen! . . . aber weißt Du was David Leb leben .... geh' nix mehr zu Kubitschka hinüber — zu was sollst Du Dich ärgern. so soll ich ....“ Frau Dina war offenbar im Begriff irgend einen hohen Schwur auszusprechen, mittelst welchem sie ihrem Gatten verbieten wollte, den judenfreundlichen Portier des judenfeindlichen Oberstburggrafen zu besuchen, aber Magdeburger fiel chr in die Rede, und sagte mit einem halben Lächeln: „So kann man mit den Kundschaften nit umgehen Dina, mein Kind; ich bin doch kein Pinto^) — e; gelüst ohnehin schon manchen, mir das Haus wegzunehmen.bah! man jacht33) sich — im Augenblick — dann is es vorüber — das Gemacht vergeht, der Rewech^) besteht! — Dina leben, mein Kind; sei mochel^), geb mir Rock, Hut und Stock; ich geh' hinüber. Im jirze Haschern33) gewinn ich an dem Orel e schöne Paar Pem3'). * Dina reichte ihm das Verlangte, und sagte: „Geh' gesund und glücklich, und Hab' heut und immer viel Massel!" (Fortsetzung folgt.) 32) vielleicht. 33) erzürnt. 34) ein sprichwörtlich berühmter reicher Mann in Amsterdam. 35) ärgert. 36) Gewinn. 37) so viel etwa als: sei so gut. 33) So Gott will. 39) Groschen.