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Der Israelit · 1877-08-01 · Heft 31 (1.8.1877) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 31 (1.8.1877)
Date
1877-08-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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729 Feuilleton. Der Königliche Nesi-cnt. (Eine historische Erzählung.) XXXIII. Am darauffolgenden Tage erschien Rabbi Bärmann an der Pforte der Bergfeste und begehrte Einlaß. Er hatte die Beschneidung in der frühesten Mittagsstunde vollzogen, so daß er schon in der Morgenstunde oben auf dem Berge anlangte. Nachdem er seinen Namen genannt und den Wunsch ausgesprochen hatte, vor dem Commandanten zu erscheinen, wurde die Zugbrücke niedergelassen. Rabbi Bärmann wurde denselben Weg geführt wie Tags zuvor sein Diener. Als er vor dem Commandanten erschien, ging dieser ihm entgegen und reichte ihm die Hand. „Willkommen auf Königstein, Herr Resident," sagte er, „erinnert Ihr Euch noch meiner?" „„Gnädiger Herr,"" antwortete Rabbi Bärmann, „„ich habe sehr oft an Sie gedacht. Mit Bedauern habe ich von dem Unglück vernommen, das Sie in der Schlacht bei Fraustadt betroffen. Ich bin noch in Ihrer Schuld, Herr Oberstlieutenant; ich habe mein in Bialeh Ihnen gegebenes Wort noch nicht eingelost. Ich möchte Sie bitten, diese zweihundert Ducaten als ein Zeichen der Anerkennung für Ihre mir in Polen geleisteten Dienste entgegenzunehmen."" »Ihr seid mir nichts schuldig, Behrend; ich habe damals nur meine Pflicht gethan. Allein ich werde dennoch das Geschenk Eurer Großmuth annehmen; ich bin ein armer Krüppel und stehe ganz allein in der Welt. Da habe ich den Entschluß gefaßt, mich zu beweiben. Ein reiches Mädchen nimmt den Holzfuß nicht; deßhalb habe ich mir eine brave, hübsche Braut ausgesucht, von altem Adel, aber arm, blutarm. Da ich nun auch nichts Anderes als meine Löhnung besitze, so kömmt mir Euer Geschenk als ein Sparpfennig für unvorhergesehene Zufälle sehr gelegen." Er nahm die seidene Börse, welche Rabbi Bärmann ihm reichte; dann lud er den Residenten ein, sich niederzulassen. „Ist das der einzige Zweck Eurer Hierherkunft?" fragte er. „„Nein, Herr Commandant, der König schickt mich her, um . . . ."" „Euer Diener war gestern hier und überbrachte mir ein Schreiben. Kennt Ihr den Inhalt der königliche« Cabinetsordre?" „„Nein; ich vermuthe „Spart Eure Vermuthungen und lest selber." Er reichte dem Residenten das Schriftstück. Dieser entfaltete es und las. Rabbi Bärmann wurde leichenblaß; ein Zittern durchlief seinen Körper. Also hatte der vermummte Warner Recht gehabt; er sollte hingerichtet werden ohne Anklage, ohne Untersuchung, ohne Urtheil! „Ich habe natürlich," sagte der Commandant, „den Ueberbringer des Briefes sofort erschießen lassen." Rabbi Bärmann schauderte; die Kugel, die das Herz seines Dieners durchbohrt hatte, war für ihn selbst bestimmt gewesen! Ein heißes Dankgebet sandte er im Innersten seines Herzens zum allmächtigen Retter empor; zugleich eine Bitte um ferneren Schutz, denn noch war die Gefahr nicht vorüber. Der Commandant bemerkte, wie sehr das Schreiben den Residenten erregte. „Ihr braucht Euch um den Kerl keinen Kummer zu machen," sagte er. „Der Schuft war ein arger Spitzbube; er hat vor seinem Tode bekannt, wie oft er Euch bestohlen, ja, daß er in Braunschweig eine Diebesbande in Euer Zimmer geführt hat. Damals sei Euch viel Geld, ein Pelzrock und eine Tabaksdose gestohlen worden." Rabbi Bärmann war keines Wortes mächtig. Mit Mühe rang er nach Fassung. Endlich gelang es ihm, ruhig zu werden. „Sie haben weiter keine Aufträge an mich, Herr Commandant?" „„Keine."" „Sie wissen auch nicht, weßhalb der König meinen Diener auf so geheimnißvolle Weise hat erschießen lassen?" „„Nun, das kann man sich doch leicht denken; wahrscheinlich ist die Braunschweiger Diebesbande gefangen worden und hat den Mitschuldigen verlachen. Das haben die Braunschweiger Behörden nach Dresden gemeldet, und unser guter und gerechter König hat dann den Kerl aus der Welt schaffen wollen. Aber Seine Majestät weiß, wie gut Ihr seid. Ihr wäret am Ende im Stand gewesen, dem Galgenstrick Verzeihung zu erwirken. Da hat's denn der König in seiner Weisheit so gemacht und schickt Euch heute, damit Ihr hier erfahrt, wie man mit Denjenigen verfahrt, die Euch bestehlen."" „Ja, ja, Herr Commandant, so wird's wohl

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