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Der Israelit · 1877-08-01 · Heft 31 (1.8.1877) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 31 (1.8.1877)
Date
1877-08-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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724 feste vergeblich nach Mazzoth suchen würde, in denen die Kinder ganz ohne jedes Wissen von unserer heiligen Thora, gleich modernen Heiden, aufwachsen. Und wenn solche unglückliche Kinder von Reformrabbinen oder irreligiösen Lehrern unterrichtet würden, wäre es da nicht noch besser, sie würden ganz ohne Religionsunterricht aufwachsen? Wenn Sabbat-, Speise- und Ehe-Gesetze als veraltet und die Erzählungen der heiligen Schrift als Mährchen dargestellt werden? Nach einer solchen Gemeinde, wie wir sie oben geschildert, zog vor einigen Jahren ein religiöser Jude, der sein Geschäft am Sabbat geschlossen hielt. Da ließ ihn der Rabbiner rufen und ermahnte ihn väterlich, daß er doch sein Geschäft öffnen möge. Alle Juden hätten ihre Läden und ihre Comptoire offen — da nun sein Laden geschlossen sei, so würde das den Nichtjuden aufsallen und zu allerlei unliebsamen Erörterungen, am Ende zu „Chillul Haschem" führen. Also ein Jude, der am heiligen Tage des Herrn von der Arbeit ruht, entweiht durch solche gottgebotene Ruhe nach der Ansicht dieses würdigen Vertreters der israelitischen Lehre den heiligen Namen Gottes! Gibt es einen größeren Hohn? Und wenn man sieht, wie auf dem Lande, in den Dörfern die Gottlosigkeit um sich greift, wie selbst öa Entweihung des Sabbats und Uebertre* der Speisegesetze über Hand nimmt, wie auch da schon hin und wieder Ehen geschlossen werden, die nach dem Gesetze Gottes nicht gestattet sind, und wenn man erst seinen Blick nach jenen Städten richtet, wo früher Juden nicht wohnen durften und wo sich erst vor wenigen Jahren Gemeinden bildeten wie in Constanz, Freiburg, Nürnberg, Bremen, Erlangen, Speyer rc., Gemeinden, in denen die Entweihung des Sabbats, die Uebertretung der Speisegesetze die Regel bildet, während die Beobachtung von Gottes Geboten zu den seltenen Ausnahmen zählt — dann sollte man fürchten, daß ein weiteres Jahrhundert das Judenthum austilgen werde von der Erde. Aber dahin wird es nie kommen. Israel hat schon schwerere Perioden überlebt und überwunden: die Zeit des Achab, der über die Pforten seines Palastes. schreiben ließ: Achab hat keinen Antheil am Gotte Israels, und der Israel zum Baalsdienste verleitete; die Zeit des Menascheh, der die mahnenden Propheten erschlagen ließ und ein Götzenbild aufstellte im Hause unsres Gottes; die Zeit des Jojachin, der die heilige Thora zerschnitt und verbrannte, die Zeit der Hohenpriester Jason und Menelaus, welche griechische Götzenaltäre in den heiligen Tempel'verbringen ließen; die Zeit des Alexander Jannaus, der die Weisen Israels ermordete; die Zeit des Herodes, der in gleicher Weise verfuhr; die Zeit der Verfolgungen von Seiten der Römer, die das Studium der Thora und die Beschneidung verboten hatten. — Oft hat sich Israel verführen lassen zu Sünde und Abfall; aber immer, immer ist es wieder zurückgekehrt zu dem Ewigen, feinem Gotte. Und schien die Abirrung noch so dauernd, die Gottinnigkeit unwiederbringlich — die Umkehr, die Rückkehr trat dennoch ein. Und das ist uns, das ist jedem erstmeinenden Juden ein unend? licher, ein nicht zu raubender Trost: 'n 5a rann „Und du wirst zurückkehren zu dem Ewigen, deinem Gotte." Ja, Ihr irrenden Söhne und Töchter meines Volkes, Ihr werdet zurückkehren, es kann nicht anders sein; denn Gott hat es verheißen. Und mögen auch Generationen in Sünde und Abfall und Gottvergessenheit dahingehen — es werden wieder Generationen kommen, die Gott suchen werden mit verlangendem Herzen. Das sind dann die Befreiten des Herrn, die da zurückkehren und kommen nach Zion mit Jubel, und ewige Freude wird sein auf ihrem Haupte, nnJNi jU1 idji uncn nnoten pwv „Wonne und Freude werden sie erlangen und entfliehen werden Trauer und Klage." (Fortsetzung folgt.) Die Petition preußischer Synagogeuvorjtändr um obligatorischen M. Neligiousnutericht. VIII. Ein ferneres Moment, das ganz besonders gewichtig in die Wagschaale zu Ungunsten des obligatorischen jüdischen Religionsunterrichts fällt, sind die vielfachen, sich schroff gegenüberftehenden, ja zum Theil sich geradezu gegenseitig ausschließenden Partheispaltungen innerhalb der Judenheit über die Auffassung des Judenthums. Man braucht nur die Überschrift des „Aufrufs an die israelitischen Gemeinden in Preußen" und die Unterschriften gelesen zu haben, man braucht den Gegenstand des Aufrufs noch gar nicht zu kennen, um an der Lebensfähigkeit eines Unternehmens zu zweifeln, das durch die Vereinigung solcher Extreme, die sich nun seit Jahrzehnten ununterbrochen auf's Aeußerste bekämpfen, zu Stande gekommen ist. Was gibt es innerhalb des ganzen Judenthums, worüber z. B. die zwei äußersten Flügelmänner

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