Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1877)
- Date
- 1877-07-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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708 ohne Bedeutung sind' Während die Synagogen in Nord-Carolina, Iowa, Kansas, Wisconsin und mehreren anderen Staaten kleine und billige Gebäude sind, die D. 500, D. 2800 oder D. 3000 jede kosten, werden diejenigen von Georgia auf D. 10,500, von Alabama und Maine auf D. 15,000, von Illinois auf D. 30,000, von Connecticut auf D. 35,000, von Californien auf D. 45,000, von Pennsylvanien auf D. 49,000, von Ohio auf D. 1500, von Missouri auf D. 45,000, von New-Zjork auf D. 60,000, von Maryland sogar auf D. 162,000 im Durchschnitte veranschlagt. Diese statistischen Aufstellungen veranschaulichen bis zu einem gewissen Grade den verhältnißmäßigen Reichthum und religiösen (?) Eifer der Israeliten in den verschiedenen Staaten. Wir gehen jetzt zur Geschichte der Einwanderung und Fortschritte über, welche die Juden in der Union gemacht haben; zu den Ursachen, die manche Veränderungen in ihrer Mitte veranlaßten; wie sie sich allmählich amerikanisirten und die herrschenden Voururtheile abschwächten und vernichteten. Die jüdische Einwanderung begann bei uns zu einer sehr frühen Periode unserer Geschichte, erhebliche Dimensionen nahm sie jedoch erst innerhalb der letzten dreißig Jahre an. Die Juden, welche vor dem Jahre 1848 nach den Ver. Staaten kamen, gehörten meiftentheils niedrigen Ständen an; sie waren hauptsächlich polnischer, russischer, portugiesischer oder spanischer Abkunft, waren entweder arm oder gaben zum Wenigsten vor , es zu sein, waren Hausirer, Händler mit alten Kleidern, Pfandleiher, kleine Wechsler und Kaufleute. Eine Scheidewand trennte sie von jeglichem socialen Verkehr mit der übrigen Bevölkerung, und sie strebten auch nicht nach einer gesellschaftlichen Gemeinsamkeit, die man ihnen wahrscheinlich versagt haben würde; die überkommenen Vorurtheile gegen die Juden wurden durch das Auftreten, die Thätigkeit und den allgemeinen Ruf derselben nicht vermindert. Man glaubte, daß sie sich ausschließlich dem Handel und dem Geldverdienste widmeten, ohne sich besondere Gewissensbisse über die Art und Weise ihrer gesellschaftlichen Politik zu machen. Ein hervorragender hebräischer Schriftsteller bemerkte vor einer langen Reihe von Jahren, die Juden seien als Volksstamm weiter und allgemeiner bekannt, aber weniger allgemein nach ihrem Werthe geschätzt, als jede andere Nation auf der ganzen Erde; die Eigenthümlichkeiten, welche sie früher der Mißachtung preisgegeben hätten, feien keineswegs Originaleigenschaften ihres Charakters, sondern die Früchte Jahrhunderte langer Unterdrückung und Verfolgung; sie bedurften nur weniger Jahre der Existenz in einem freien Lande, wo man ihnen gleiche Rechte verleihen würde, wo sie in Frieden und Sicherheit die schönen in ihnen schlummernden Fähigkeiten entwickeln könnten, um nicht nur die Toleranz, sondern auch die tatsächliche Achtung und Würdigung von Seiten ihrer Mitbürger zu gewinnen. Die Wahrheit dieser Behauptung hat sich in England, Frankreich, Deutschland und anderen Theilen Europa's auf das Schlagendste documentirt, während sich die Juden hierzulande bis zu einem erstaunlichen Grade amerikanisirt und die Besonderheiten abgestreift haben, welche sie früher als ein Volk für sich, als einen fremden Stamm erscheinen ließen. Feuilleton« Aus beut Mittelalter. Von Friedrich Rott. XXV. Und sollten wir nun schildern die Scenen, die nun folgten? Die Wiedervereinigung der schwergeprüften, seit zehn Jahren Getrennten, die einander so lange lange Zeit als todt beweint? unsere Feder ist zu schwach, wir versuchend nicht, erlauben uns vielmehr, den freundlichen Leser, die sinnige Leserin zu ersuchen, mit eigener Phantasie den beseligenden und doch so mächtig erschütternden Moment des Wiedersehens sich auszumalen, und dann überspringen wir in raschem Gedankenflug einen Zeitraum von drei Jahren. Es ist Frühling, hell und golden strahlt die Mittagssonne in die uns so wohlbekannten Straßen der alten Stadt H. In dem Judenviertel von H. herrscht ungewohnt reges Leben; Alles verräth festliche Bewegung, und in der That ist es auch wohl die ganze Gemeinde, die an dem Feste, das ihre angesehenste Familie heute begeht, sich betheiligt. Rabbi Pineas verheirathet heute seine einzige Tochter, Tirza, die holde anmuthige Tirza, um die die edelsten Jünglinge der Gemeinde sich beworben, sie hat alle ausgeschlagen, ihr Herz gehörte längst dem Gespielen ihrer Jugend, und —. horch! Musik erschallt, der Hochzeitszug nahet. Voran der Bräutigam inmitten der beiden Väter des Brautpaares. Gabriels hohe Jünglingsgestalt überragt die der Brautführer, wer sähe es den glückstrahlenden Augen wohl an, daß düstere Nacht sie einst umhüllt? er ist ein blühend schöner Jüngling, doch die Erregung des Tages läßt ihn heute bleich erscheinen. Ihm zur Rechten schreitet Rabbi