Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1877)
- Date
- 1877-07-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Treugebliebenen durch Uneinigkeit zerrissen, sich selbst'einander zerfleischen! Woher — woher soll in einer solchen Zeit Trost kommen Denjenigen, die um Zion und Jerusalem trauern? Unsere Weisen erzählen im Midrasch, daß Gott dereinst einen Propheten nach dem andern senden wird, um Israel zu trösten; aber Israel weigert sich, sich trösten zu lassen. Für solch' ein Leid wie das unsere, genügt selbst das Trosteswort der Propheten nicht, für solche Wunden wie die, aus denen wir bluten, gibt es von Menschen, selbst den weisesten, größten, besten, keine Heilung. Da erscheint Gott selbst, um Israel zu trösten, ojn dddhjd ton ’DJN, „Ich, ich bin's, der Euch tröstet." Und dieser Trost löst des Schmerzes Bande, heilt die offenen Wunden. Ja, von Gott wird uns Trost kommen, von Ihm allein. Seine Wege sind unerforfchtich, Seine Gedanken unergründlich, und wohin Er uns führt, und was Er uns erleben läßt — es gereicht zu unser« Heile. Als beim Ausbruche des deutsch-französischen Krieges sich hier in Mainz ein großer Theil der verschiedenen Armee-Corps formirte, da hatte der Herausgeber dieser Blätter Gelegenheit, zu beobachten , wie sich die Söhne des Vaterlandes zusammenfanden aus nächster Nähe und aus weitester Ferne, aus Amerika und Rußland, aus Australien und Holland, aus England und Skandinavien; ebenso aus den verschiedensten Ständen: der Gerichtsassessor und der Hausknecht, der Banquier und der Kutscher, der Gutsbesitzer und der Handwerksbursche, um dem Rufe des Königs Folge zu leisten. Und es war doch nur ein irdischer König, welcher rief, ein schwacher, sterblicher Mensch. Wie erst werden sie herbeiströmen, unsere Brüder, von allen Enden der Erde, wenn Gott, unser Herr, uns ruft, Gott, der Allmächtige, der Ewige! Und nachher, nach den ersten Erfolgen der deutschen Waffen, da ertönte der Ruf aus allen deutschen Stämmen: „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern!" Und auch die deutschen Fürsten opferten freudig und gern einen Theil ihrer Souveränität und riefen dem siegreichen Greise zu: ,.Du sollst unser Herr und Kaiser sein!" Wenn nun Gott erst sich zeigen wird in seiner Allgewalt, wie einst, da er aus Mizrajim uns führte, da Er das Schilfmeer spaltete, da Er auf dem Berge Sinai sich offenbarte, dann werden alle Leiden vergessen, dann wird alle Trauer verschwunden sein, dann wird die ganze Menschheit die Knie beugen vor dem Einig-Einzigen, dann wird Sünde und Abfall wie Rauch verfliegen, dann wird füllen Jauchzen unfern Mund und unsere Zunge Jubel; dann wird man sprechen unter den Völkern: „Großes hat Gott mit Israel vollbracht, und auch wir werden es anerkennen, wie Großes Gott uns gethan, und unsere Freude wird vollkommen sein!" (Fortsetzung folgt.) Die Petition preußischer IynagogeovorMdk um obligatorischen M Netigiononntericht. VI. Wenn wir die Unzulässigkeit jedes obligatorischen Religions - Unterrichts in den bisherigen Artikeln nachgewiesen zu haben glauben, so erlangt dieser Nachweis eine geradezu unwiderlegliche Evidenz, wenn man das eigenartige Wesen des sogenannten jüdischen Religionsunterrichts in's Auge faßt. Wir sprechen von einem „sogenannten" jüd. Religionsunterricht, weil es thatsächlich einen solchen nicht gibt, oder wenigstens nicht geben sollte, es jedenfalls aber einmal eine Zeit gegeben hat, in der man von einer jüdischen Religion und also auch von einem jüdischen Religionsunterricht bei uns Juden gar keine Ahnung hatte. Erst als man in den ersten Decennien unseres Jahrhunderts den Abfall von Gott Fortschritt, die muthwillige Verletzung seiner heiligstenDictate Aufklärung, die treue Hingebung an Gott und seinen Willen Orthodoxie, und dieses ganze Attentat auf unsere heiligsten Heiligthümer Reform des Judenthums nannte, erst damals fand wan es für gut, unser Judenthum und seine Thora jüdische Religion zu nennen, und überall statt von Talmud Thora, statt von Thora-Lernen von jüdischem Religionsunterricht zu sprechen. Die Verächter deS überlieferten Judenthums sorgten nun durch eine Fluth von systematischen Religionsbüchern dafür, daß diese anscheinend harmlose Namensfälschung ihre Früchte trug; und heute findet man es als ein so selbstverständliches Bedürfniß, auch unsererseits Religion und Religionsunterricht zu haben, daß fast ein gewisser Muth dazu gehört zu sagen, wir Juden hätten eigentlich und uneigentlich gar keine Religion. Was ist Religion? Was ist. Judenthum? Ueber diese Fragen muß man sich klar sein, um obligatorischen, jüdischen Religionsunterricht zu befürworten oder zu verwerfen; und wir sind in der glücklichen Lage, auf die diesbezüglichen Ausführungen eines Pädagogen verweisen zu können, der diesen Gegenstand mit der ganzen genialen