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Der Israelit · 1877-06-27 · Heft 26 (27.6.1877) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 26 (27.6.1877)
Date
1877-06-27
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XYI1I. Jahrgang. Zweite Leitage zu Ar. ZK -es Israelit. Leitendem Artikel. Me Petition preußischer Iynagogtuvorftäadt um obligatorischen M. Ncligionsuntericht. Nl. Daß die Religion ein wichtiges ethisches Element der Jugenderziehung, daß sie gleich den übrigen Culturzweigen von gemüthsbildendem Einfluß und daß religiöses Wissen ein integrirender Theil der wissenschaftlichen Bildung ist, steht also den Unterzeichnern der Petition so fest, daß sie an der Zustimmung des Ministers gar nicht zweifeln zu müssen glauben. Sind das wirklich so harmlose, allseitig anerkannte Sätze? Wir fragen zunächst nicht, ob diese Sätze die „mosaische Religion" des Breslauer Magistrats, oder die „jüdische Religion" der Petenten decken, — wir werden auf die Eigenthümlichkeiten der Lehre des Judenthums, soweit sie bei dieser Frage in Betracht kommen, eingehend zurückzukommen Gelegenheit haben; wir fragen nur, ob die Religiösen der verschiedenen Religionen so ohne Weiteres diesen Definitionen beipflichten werden, daß eine abweichende Ansicht des preußischen Cultusministers so ganz zweifelsohne ausgeschlossen werden darf. Ein orientirender Blick in die diesbezüglichen Aussprüche der religiösesten christlichen Denker überzeugt uns vom geraden Gegentheil und zeigt uns zugleich, wie auch auf diesem Gebiet specifisch jüdische Gedanken keine Wurzel gefaßt und bereits herrliche Blüthen gezeitigt haben. So wenig der wahre Jude in seinem Judenthum je ein wichtiges Element der Jugenderziehung erblickte, wie ihm umgekehrt die Jugenderziehung ein wichtiges Element des Judenthums ist, so wenig er die Kenntniß seines Judenthums einen integrirenden Theil der wissenschaftlichen Bildung nannte, wie ihm umgekehrt die wissenschastliche Bildung als ein integrirender Theil des Judenthums gilt, mit derselben Entschiedenheit protestiren auch gerade die religiösesten Denker der christlichen Religion gegen eine solche Herabwürdigung ihres religiösen Bekenntnisses. „Das Auseinanderfallen des Sittlichen und Religiösen, d. h. daß der Mensch bei seinen natürlichen und geselligen Zwecken nicht zugleich die Idee als absoluten Zweck, oder umgekehrt diese als etwas außer jenen endlichen Zwecken vor Augen hat, ist ein mangelhafter Zustand des Einzel-! neu und der Gesellschaft; aber eben auf diesem! Mangel und nur auf ihm beruht das Außereinandersein der Kirche und des Staates. Wer seine Pflichten als Himmelsbürger wie etwas Besonderes neben seine Staatsbürgerpflichten stellt, der wird als Diener zweier Herren den einen nothwendig vernachlässigen müssen, und zwar träfe dies dem Princip gemäß den zeitlichen Herrn, den Staat; daß in der Wirklichkeit meistens doch eher die Ewigkeit gegen die Zeit zu kurz kommt, ist die Reaction der menschlichen Natur gegen ein widernatürliches Princip. Dahingegen derjenige allein mit voller Seele im Staat und für den Staat leben wird, welcher weiß, daß er in dem wahrhaft Menschlichen das Göttliche betreibt, und daß nur in der Zeit, nicht über und hinter ihr das Ewige zu suchen ist." (David Strauß, Dogmatik II., S. 61*. Nur zu häufig betrachtete man den Religionsunterricht als etwas neben dem übrigen, sogenannten weltlichen Unterricht Herlaufendes. Dieser schiefen Ansicht treten mit Recht diejenigen entgegen, welche den Unterricht, wie Erziehung und Bildung, als etwas Harmonisches, Einheitliches betrachten und einen Geist in Allem verlangen. Der Mensch soll nach dieser richtigen Ansicht eine Einheit darfiellen, Harmonie in Allem. In einem Menschen dieser Art liegt nichts außer einander, nicht Werkrag und Sonntag, nicht geschäftliches Wirken und theoretisches Denken, nicht praktische und ideale Zwecke, nicht Sittlichkeit und Religion, nicht Beten und Lernen, nicht Zeit und Ewigkeit. Gemäß dieser Ansicht weiß der wahre Lehrer, daß er in Allem, was er treibt, das Aecht-Menschliche und darin das Göttliche zu fördern hat und befördert. Wie in seinen Gedanken keine Trennung zwischen Weltlichem und Geistlichem stattfindet, so auch nicht in seinem Thun. Nur der wirkt religiös, dem Alles Religion ist. — iDiesterweg, Pädagogisches Jahrbuch 18,>4, S. 261.) Ohne uns in dogmatische Streitigkeiten über das, was Religion ist oder nicht ist, einlassen zu wollen, genügt es, gestützt auf die Zeugenschaft jenes anerkannten Theologen und dieses bedeutenden Pädagogen constatiren zu können, daß die Anschauung, welche in dem religiösen Wissen blos einen integrirenden Theil der wissenschaftlichen Bildung erblickt einer allgemeinen Anerkennung

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