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Der Israelit · 1877-06-27 · Heft 26 (27.6.1877) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 26 (27.6.1877)
Date
1877-06-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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610 „Hanna, meine Hanna! um Gotteswillen was ist geschehen? ' „Friedrich," stammelte sie, „ich liebe Dich — grenzenlos — Seligkeit wäre es mir, für Dich zu sterben — aber Dein darf ich nimmer werden." „Ha. das also ist's" rief er aufspringend und sie trotz ihres Widerstrebens in seine Arme ziehend. „Dank, tausend Dank für den Vordersatz, den Nachsatz will ich nicht vernommen haben. Wenn Du mich liebst, wer wollte es mir wehren, Dich mein zu nennen! Dein Bruder vielleicht? — er soll sich hüten der Fürstengünstlin, — der ganzen Welt biete ich Trotz — Du wirst mein." „Nicht so Geliebter, nicht in diesem Ton der Leidenschaft" bat Hanna sich mehr und mehr fassend. „Weißt Du denn nicht, daß auch meine Liebe der Macht der Menschen spotten würde? So viel ich meinem Bruder verdanke, seinem Willen würde es nicht gelingen, mich zu vermögen, Dir zu entsagen." „Hanna, Hanna, Du spottest meiner, wenn Du mich liebst, so kann es nichts geben, was uns trennen könnte! „Dich Friedrich doch; Gott weiß, aus welchem Grunde mir Simon bisher ein Geheimniß daraus gemacht, aber erst vor wenigen Wochen hat er es Mir endlich eröffnet, daß ich Jüdin bin." ' „Das ist nicht wahr" rief Friedrich heftig, «.seit zehn Jahren gibt's keine Juden mehr in diesem Lande." „O Alle habt Ihr doch nicht ertränkt" erwie- Lerte Hanna, nicht ohne Bitterkeit. „Du mißverstehst mich Geliebte, Du kannst doch nicht glauben, daß ich jene Greuel gebilligt, o, ich habe in jenen Tagen gelitten! — ich war ein halb erwachsener Knabe und meine Abscheu kümmerte Niemanden — an jenem Tage. — Doch laß' uns davon schweigen, geschehene Dinge sind nicht ungeschehen zu machen. Thatsache ist's, daß seit jener Zeit in unserm Lande Juden nicht mehr existiren. Daß Du als Jüdin geboren, war mir wohl bekannt; doch Du bist Christin, denn Du bist getauft" „Daß ich getauft bin" versetzte Hanna achselzuckend „davon ist mir nichts bekannt. Aber gesetzt auch, ich wäre es, kannst Du denn glauben, einige. Tropfen Wasser auf des Fürsten Geheiß aus mein Haupt gesprengt, könnten der Bestimmung mich entziehen, für die Gott mich geschaffen?" „Hanna, Hanna, welche Ueberspanntheit! Begreifen kann ich's, daß der Frevel Dich empört, der an Deinem Volke einst verübt wurde, doch Laß Du darum Dich weigerst mein zu werden..." „Eine Ehe zwischen Christ und Jüdin ist undenkbar." „Zugegeben, doch Du bist Christin." „Das bin ich nicht," rief sie mit Energie, „Gott hat als Jüdin mich geschaffen und Jüdin bin ich, ob mit Wasser besprengt oder nicht, und sollte man mich deßhalb ertränken wie meine liebe schöne Leah." „Hanna, Hanna, wenn Du mich liebst, könntest Du so nicht reden " „Die Leidenschaft verblendet Dich, Friedrich; Du mit Deinem reinen, edlen Sinn, würdest mich verachten, wenn ich anders spräche. Sieh'; ich liebe Dich, so innig, so unaussprechlich; wenn Du aber zu mir sprächest, Du wolltest Deinem Glauben entsagen, um mir anzugehören, so würde ich trotz meiner Liebe Dir den Rücken wenden." Betroffen blickte Friedrich zur ihr auf, sie war wunderbar schön in diesem Augenblick; im Eifer ihrer Rede hatte sie sich erhoben, ihre ohnehin schon hohe schlanke Gestalt schien im Moment noch gewachsen — eine Hoheit, ein Seelenadel strahlte aus ihren Zügen, der durch die tiefe Blässe ihres sonst stets rosigen Antlitzes noch gehoben ward. Durch ihre Worte bis in's Innerste getroffen , vermochte selbst er ihnen eine gewisse Berechtigung nicht zu versagen, doch je mehr sie ihm einleuchteten, desto begehrenswerther erschien ihm Diejenige, die sie gesprochen, denn er liebte sie mit der ersten Gluth eines reinen Jünglingsherzens. „Hanna, meine Hanna" flehte er, „bedenke doch, ein Anderes ist es. dem Glauben zu entsagen, ein Anderes dem längst Entsagten fremd zu bleiben." Sie schüttelte heftig das Haupt. „Nie habe ich meinem Glauben entsagt; was dem Kinde geschah, kümmert die Jungfrau wenig. Als Jüdin hat mich Gott erschaffen, Jüdin bleibe ich bis zum letzten Athemzug." „Hanna, Hanna," erbarme Dich meiner! ich kann nicht leben ohne Dich. — Sieh'; um Dich zu besitzen, hätte ich der ganzen Welt getrotzt, hätte den Willen des Fürsten, den meines Vaters nicht beachtet — und vielleicht wäre Alles so leicht gegangen; ich hatte es mir so schön gedacht, morgen, wenn ich den Fürsten nach Schloß Reichenstein begleite, zu jener Gräfin, die er seine Freundin nennt, da wollte ich mit ihm von Dir und unserer Liebe sprechen. Er liebt Deinen Bruder, wer weiß ob er nicht eine Verbindung der Familie seines bürgerlichen Günfttings mit einem alten Akwlsgeschlecht befürworten würde, nnd den Fürsten einmal gewonnen, wäre meines Vaters Einwilligung leichter zu erlangen und wenn sie Dich nur einziges Mal gesehen, wäre Alles gewonnen. Und wenn ich Dich dann zu Hofe führen würd^

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