Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1877)
- Date
- 1877-06-20
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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XVIII. Jahrgang. Zweite Extra-Beilage;u tlc. 25 des Israelit. Aus Unterfvanken 17. Juni. Geehrter Herr Redacteur! Wenn Sie bisher, gewiß aus den edelsten und sachlichsten Motiven, über die Frankfurter Austritts-Angelegenheit in Ihrem geschätzten Blatte nichts erwähnten, so muH ich Sie heute, sicherlich im Sinne eines großen Theiles Ihrer Leser bitten, mit den nachfolgenden Zeilen eine Ausnahme zu machen, und dieselben recht bald zu veröffentlichen. Von befreundeter Hand erhielt ich nämlich heute die Nr. 24 des zu Cöln erscheinenden „Israelitischen Boten"*), worin sich ein großer Artikel mit der Ueberschrift: „Der Austritt in Frankfurt" befindet. Dieser Artikel ist in solch' parteiischer und gehässiger Wrise gegen den allverehrten Hrn. Distrikts-Rabbiner Bamberger zu Würzburg abgefaßt, daß es unter Nrovja yav Ijma «amsn begriffen sein könnte, hier zu schweigen. Und wenn gleichwohl mit Gewißheit anzunehmen, daß jene geistige Spätfrucht nicht am Erkenntniß- Baume der Redaction jenes Blattes gewachsen, daß dieselbe vielmehr von anderer «Leite inspirirt war, so bleibt für uns doch der nominelle Redakteur für seine Leitartikel verantwortlich, zumal derselbe ja zun wiederholten Male „von seinen Lesern" spricht. Daher auch unser Wort nur an den Herrn Redakteur gerichtet sei, ohne irgendwie auf die Materie selbst — die Austrittsfrage nämlich — einzugehen. Zunächst dürfte die Frage gerecht sein: Was berechtigt Herrn Moritz Baum in Cöln in einer so bedeutungsvollen und weittragenden rabbinischen Frage ein entscheidendes Wort zu sprechen? Bedarf es hierzu nicht anerkannter rabbinischer Befähigung ohne daß eine Redaktions-Ansicht genüge? Dann aber, Herr Baum, wollten Sie doch als Vertreter Ihrer Zeitschrift „Stellung nehmen" und ein Urtheil abgeben, dann hätten Sie sach- und fachgemäß, unparteiisch die Ansichten und die Gründe, welche diese Ansichten veranlaßt^n, von beiden Seiten nach eigener Darstellung der betreffenden Streitenden aufführen müssen, und dann erst Ihr Gutachten abzugeben sich erlauben sollen. Daß Sie aber nicht unparteiisch waren, geht schon daraus hervor, indem Sie aus der „offenenAntwort" des Herrn R. B. nur das *) Die genannte Zeitschrift ist uns trotz vielfacher Reclamation seit vielen Wochen nicht zugegangen. Red. herausrissen, was zu Ihrem Raisonnement paßte, Alles das aber außer Acht und unerwähnt ließen, was auf die Entstehung der Erklärungs-Abgabe in der Frankfurter Börsenzeitung Bezug hatte. Eben so wie Sie von all dem Nichts erwähnten, was in dem offenen Briefe des Herrn Rabbiner Hirsch für Herrn Rabbiner Bamberger Beleidigendes enthalten ist. — Sie, Herr Redakteur Baum, erdreisten sich, in Bezug auf einen Rabbiner Bamberger in Würzburg zu sprechen: „von der Verehrung, die derselbe bislang genossen", von „Scheidung der Wahrheit und Lüge", von einem Gesucht- und Gefundenwerden unter den Gegnern"! Am heilsamsten dürfte es für Sie sein, Ihnen eine, wenn auch nur kurze Lese aus dem thatenreichen Leben dieses Mannes v>2' -p-w aurn zu liefern: R. B. hat in seiner frühesten Jugend schon zu den Schülern der größten px nuo gehört Männer wie die R. Wolf Hamburg, R. Abraham Bing und R. Mendel Kargau rDia? ojroT erklärten denselben in seinem 20. Jahre schon als pD^ runn tyai. Schon in seinem frühen Lebensberufe — nicht dem rabbinischen — war es denn auch dessen erste und ernsteste Angelegenheit nmn pam1? mHxnfc». Als derselbe endlich Anfangs der 40er Jahre, als die Wogen der Reform am höchsten gingen — auf dem Rabbinatssitz in Würzburg kam, da war er es, der die polizeilich aufgelöste na'L" wieder begründete. Hunderte von Jünglingen aus allen Gauen Deutschlands schaarten sich nach und nach um ihn, und viele der gesetzestreuen und talmudisch gebildeten Rabbiner desJn- und Auslandes, den letzten 4 Decenien angehörend, verdanken der Würzburger na'Br ihre Ausbildung. Diesen Leistungen B's für die min durch das Wort schließt sich die durch die Schrift würdig an. Herrliche, vielfach auch mm 'bvw anerkannte, meist das praktisch-religiöse Leben betreffende Werke haben ihn zum Verfasser. Doch, vielleicht Herr Redakteur Baum, sind diese Verdienste nicht von solcher Bedeutung für Sie. — Sie legen ja auch bei vorwürfiger Frage kein so großes Gewicht auf „schwierige, gelehrte Forschungen und Deduktionen" — weßhalb ich Ihnen bemerke, daß auch moy und DnDn rvb'üi in Herrn R B. einen großen und edlen Förderer fanden und finden. — Sind Sie, Herr Baum, nun nicht im Stande, Ihren Lesern das Räthsel vom „Verhalten des Herrn