Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1877)
- Date
- 1877-06-20
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XY1U. Jahrgang. Zweite Seiiage M tlr. 85 des Israelit. Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. > Deutschland. Hantbnrg, 13. Juni. Unser Mitbürger Herr Hermann Lilienfeld, Inhaber der Firma Gebrüder Lilienfeld am Neuenwall, dessen rastloses Streben in Erforschung auf dem Gebiete der Numismatik bereits hier und auswärts in bürgerlichen und Adelskreisen vielfach Würdigung gefunden hat, und der persönlich durch manchen noblen Zug von sich reden machte, hat kürzlich eines der werthvollsten und interessantesten Stücke seiner großartigen Preziosen-Collection, das er durch eine Verkettung von Umständen erhalten, dem deutschen Kaiser nachträglich zum Geburtstag geschenkt. Herr Lilienfeld hat die Genugthuung gehabt, daß unter den zahllosen Prachtspenden, welche dem Kaiser zu diesem seltenen Feste von den verschiedensten Seiten übermittelt worden sind, der beregte Becher die besondere Aufmerksamkeit des Monarchen erregt hat. Es ergiebt sich aus dem folgenden über die gewöhnliche Form hinausgehende Schreiben, welches dem Herrn Lilienfeld aus der Cabinetskanzlei des Kaisers zugegangen ist: Berlin, den 26. Mai 1877. „Seine Majestät der Kaiser und König haben den von Ew. Wohlgeboren eingesandten Becher erhalten und denselben mit um so größerem Interesse entgegengenommen, als er sich durch seine Inschrift als ein Andenken an die Schlacht von Zorndorf im Jahre 1758 kennzeichnet. Seine Majestät sind über dieses Stück, welches durch seine historische Erinnerung für Allerhöchst Sie nicht ohne Werth ist, besonders erfreut gewesen. Ich bin daher beauftragt worden, Ew. Wohlgeboren für die Freundlichkeit, mit der Sie Sich desselben zu Gunsten Seiner Majestät entäußert, sowie für die Aufmerksamkeit, welche Sie mit diesem G.eschenke Seiner Majestät noch nachträglich zum Geburtstage erwiesen haben, Allerhöchst Ihren Dank auszusprechen. Der Geheime Kabinets-Rath, Wirklicher Geheimer Rath v. W i m o w s k y. An Herrn Hermann Lilienfeld Wohlgeboren. Der Brief des Herrn Lilienfeld an Sr. Majestät den deutschen Kaiser, in welchem er unter Anderem die Eigenthümlichkeit des Bechers beschreibt, lautet wie folgt: Allerdurchlauchtigster Großmächtiger Kaiser und König, Allergnädigster König und Herr! Ew. Majestät wage ich eine Reliquie zu übersenden aus der ruhmreichen Zeit, in welcher durch Allerhöchst Dero erhabenen Vorfahren Friedrich den Großen, der Grundstein gelegt wurde zu dem Bau, aus welchem das Preußen hervorgegangen ist, dessen Macht und Größe das wiedererstandene deutsche Reich sein Dasein verdankt. Wie es keinen cufrichtigen Deutschen gibt, dessen Herz nicht für Ew. Majestät schlägt, so bin auch ich, der als Bürger Hamburgs dem deutschen Reiche angehöre, von dem Gefühle der Dankbarkeit durchdrungen. Eine glückliche Verkettung von Umständen hat mich in den Besitz des beifolgenden kleinen Bechers gebracht. Derselbe ist getrieben und zwar aus einem Silber-Rubel. Nach der Inschrift: „Aus Rußland kamen wir gegangen Bei Zorndors wurden wir einpfangcu Von Friedrich, dein großen Held. Wir dachten geschwind nach Berlin, Wir blieben aber vor büstrin Da wurden wir geschlagen Wir durften cs Niemand sagen Vivat der König von Preußen. Zorndors, den 25. August 175Ö." zu schließen, ist derselbe an dem denkwürdigen Tage von Zorndorf aus len Händen eines in Gefangenschaft gerathenen Russen in den Besitz eines preußischen Unterthanen gelangt. (Er diente viele Jahre hindurch in einer jüdischen Familie als Sabbatweihebecher). Geruhen Ew. Majestät dieses lediglich den Werth einer geschichtlichen Rcminiscenz habende Unicum zu Allerhöchst Dero Berücksichtigung als Beweis meiner Dankbarkeit gnädigst anzunehmen. Möge es Gott gefallen den Retter Deutschlands, den Beschützer des Reichs, den Vater auch unseres Hamburgs noch viele Jahre im VoNgenuß ungeschwächter Geistes- und Körperkräfte Allerhöchst Sich dem Kaiserlichen Hause und der deutschen Nation zur Freude zu erhalten. (Folgt die Unterschrift).