Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1877)
- Date
- 1877-06-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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584 sie empfand, Simon vermochte es nicht zu errathen, es war ihr vielleicht selber nicht klar. „Leidest Du? hast Du Schmerzen?" fragte er theilnehmend. Sie preßte die Hand an die bleiche Stirn. „Der Kopf schmerzt mich, ich muß mich niederlegen. Gute Nacht Simon," sie bemühte sich ihm freundlich zuzunicken und wankte zur Thür. Er eilte ihr nach, sie zu unterstützen und geleitete sie zu ihrem Zimmer, wo er sie der Pflege ihrer 'treuen Dienerin empfahl. Hanna ließ sich entkleiden, fast ohne zu wissen, was mit ihr geschah und warf sich erschöpft auf ihr Lager. Sie wies die Hilfeleistungen des theilnehmden Mädchens zurück und hieß sie, sich entfernen. Ruhe war ihr Bedürfniß, sie mußte allein sein. Und sie war nun allein, doch Ruhe vermochte sie nicht zu finden; die Nacht war längst hereingebrochen und schlaflos wälzte sie sich noch immer in den weichen Kissen. Das Bild ihres sterbenden Vaters, das ihrer sich heldenmüthig in den Tod stürzenden Schwester wich nicht von ihrem innern Auge; sie wähnte die Wehklagen, die Todesseufzer jener Ertrinkenden zu vernehmen und wimmernd wand sie sich in ihrem Bette. Doch trotz dieser unsäglichen Qual regte sich in ihrem Herzen kein bitterer Gedanke gegen den Geliebten, ihn konnte sie nicht verantwortlich machen für die Greuel seines Vaters und zweifelte nicht an der Lauterkeit seiner Absichten; trotzdem empfand sie undeutlich, daß sie ihrer Liebe werde entsagen müssen. Erst gegen Morgen schlummerte sie ein. doch als sie nach einigen Stunden erwachte, fühlte sie sich wohler, ruhiger. Wohl war ihr ganzes Sein noch erfüllt von den Mittheilungen, die ihr gestern geworden; doch ihre Erschütterung hatte sich gelegt, war dem lebhaften Wunsche gewichen, I jene Religion kennen zu lernen, für die so Viele ihres Volkes Heimath und Vermögen Preis gegeben, für die ihre jugendlich schöne Schwester ihr hoffnungsreiches Leben geopfert; was mußte das für eine Religion sein? — Sie zürnte Simon ernstlich, daß er sie in so vollständiger Unwissenheit über den Glauben, in dem sie geboren. hatte aufwachsen lassen, denn ob getauft öder nicht, sie fühlte sich Jüdin; hatte sie auch keine Ahnung von den Lehren ihrer Religion, ihr Denken und Empfinden empörte sich, daß man in ihrer Kindheit den Glauben ihr geraubt. Sie mußte ihn kennen lernen, koste es was es wolle. Doch in welcher Weise? — sollte sie Simon ersuchen sie zu unterweisen? — nein, nein, das brachte wohl wenig Gewinn, hatte er doch selber ihr mitgetheilt, daß er seine Religiou verleugnet. — Endlich entsann sie sich einer alten Frau, die schon seit dreißig Jahren gelähmt; sie hatte sie einst als Jüdin bezeichnen hören und an sie wollte sie sich wenden, denn von ihr brauchte sie doch wenigstens nicht anzunehmen, daß fie um äußerer Vortherle willen, ihren Glauben entsagt; vielleicht hatte ihr nur der Much gefehlt, für ihn zu sterben. Sobald Hanna diesen Entschluß gefaßt, war ihre Niedergeschlagenheit geschwunden, ihre gewöhnliche Lebhaftigkeit und Energie wieder erwacht; rasch erhob sie sich und kleidete sich an, ihr Vorhaben unverzüglich auszuführen. Es war ihr nicht unlieb, daß Simon bereits vor einer Stunde zum Fürsten beschieden und seine Heimkunft nicht sobald in Aussicht gestellt hatte; ein Zusammentreffen mit ihm wäre ihr im Augenblick nicht erwünscht gewesen. Seine Abwesenheit als günstiges Omen nehmend, warf sie rasch einen dunklen Schleier über und machte sich auf den Weg. (Fortsetzung folgt.) ANZEIGEN. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. in junger Mann, Israelit, der mehrere Jahre in einem Frucht- und Mehlgeschäfte thätig war, sucht Stelle, am Liebsten als Reisender. Gcfl. Franco-Offerten unter II -41358 befördert Haasenstein & Vogler, 1594] Annoncen-Expedition in Köln. Lehrlings - Gesuch- Wir suchen für unser Eisengeschäft, welches Samstag und Feiertage geschlossen ist, einen Lehr-! ling mit den uöthigen Vorkenntnissen. Kost und! Logis im Hause. L. & A. Oestreich, 1621] Aschaffenburg.