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Der Israelit · 1877-05-30 · Heft 22 (30.5.1877) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 22 (30.5.1877)
Date
1877-05-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XVIII. Jahrgang. M 22. Der Israelit. Ein .— Central-Organ für das orthodoxe JudentWH Herausgegeben von IcC- Dr. Lehmann in Mainz. \ - Nu Mittwoch, den 30. Mai 5637 (1877).// / Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Mittwochs, in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 10 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die Petitzeile oder deren Raum.— Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband oro Jahrgang 12 Reichs-Mark oder 7 fl. österr. an die Expedition franco einzusenden. Inhalt. Leitende Artikel: Tie sogenannte Mittelpartei und die Klage über das erstarrte Talmudwo.rt. — Die heilige Stadt und ihre Bewohner. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Königs- . berg. — Frankreich: Paris. — Feuilleton: Der Königliche Resident. Inyatt der ersten zseifage: Leitender Artikel: Literarischer Bericht. Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Aus Thüringen. Feuilleton: Aus dem Mittelalter. Anhalt der zweiten ZSeikage: Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Oesterreich. - Ungar. Monarchie: Brünn. Aargau. — Belgien: Brüssel. — Türkei: Konstantinopel. — Leiten»« Artikel. Dir sogenannte Mttelpartei und dir Klage öder da» erstarrte Talmudwort. ES gibt eine Richtung im Judenthume, von der man nicht weiß, ob sie Fisch oder Fleisch ist, * die der Neuerung dient, die das Althergebrachte dom Gebäude unseres Glaubens abtragen will und ' doch nicht wagt, mit der Grundlage desselben, dem Talmud, entschieden zu brechen. Die Vertreter dieser Richtung fühlen, daß ihnen bei gänzlicher Mißachtung des Talmud der Boden untW, den Füßen weicht und sie^ÜVen festen AyjjMsp'unkt für ihre Behauptungen haben, wenn sie sich nicht wenigstens äußerlich an den Talmud lehnen. Da hört man denn gewöhnlich die Redensart: Seit der Abfassung des Schulchan Aruch sei ein Stillstand im Judenthume eingetreten, seien der freien Bewegung unzerreißbare Fesseln angelegt worden. Das bis dahin frei sich entwickelnde Talmudwort sei durch R. Joseph Karo erstarrt; daher seien heute alle Neuerungen so verpönt, die vor der Abfassung des Karo'schen Werkes etwas Selbstverständliches, selbst von den strengsten Juden nicht Angefeindetes gewesen wäre. Weiterentwickelunz des Bestehenden, llmgießuttg in neue Formen sei ganz dem Sinne des Talmud gemäß, darin sei die fre e Forschung, das selbstständige Denken geheiligt, und es sei nur Schuld des Schulchan Aruch, nicht des Talmud, wenn man die Neuerer heute für Schreckgespenster ansehe. Wenn man sich nur nicht an dieses geistesbannende Berk zu halten hätte — mit dem Talmud würde man schon fertig. Man würde denselben ganz einfach weiter führen im Sinne der lebendigen Ueberlieferung, die vom Sinai ihren Anfang genommen, durch die Zeiten der Richter, der Propheten, der Männer des großen Rathes, der Tanaiten, Amoräer, Saburäer, Gaonen und der späteren Rabbiner sich fortgepflanzt, ihnen freien Spielraum zur Entwickelung gelassen hätte, bis durch die Feststellung der Gebräuche sie verkümmert wäre. Was ist nun einfacher, als daß in einer so erleuchteten Zeit, wie der unserigen, die Ueberlieferung in den Köpfen

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