Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1877)
- Date
- 1877-05-02
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XVIII. Jahrgang. Zweite Leilaize ju tlr. 18 des Israelit. Telegraphische Depesche- Frankfurt a. M., 30. April. In Giurgewo (Rumänien) fand eine Judenverfolgung statt, bei welcher 8 Juden erschlagen und 11 verwundet wurden. Zeitungsnachrichten & Correfpondenzen. Deutschland. Wernetk (Bayern). Mein Artikel in Nr. 12 dieser weitverbreiteten Zeitung, der die Gründung eines jüdischen Spitals in Würzburg erörterte, veranlaßte eine Besprechung desselben Stoffes und Zweckes in Nr. 16 dieses Blattes durch Herrn E. R. Rosenbaum in Ze l a. M. Die Ansichten jedoch, die Hr. Rosenbaum in seiner Besprechung dargelegt, geben Veranlassung, daß ich heute wiederum die Feder führe, um dieses Thema nochmals zu besprechen. Ermuntert durch die Beifallsbezeugungen, die meinem vorigen Artikel zu Theil wurden, wage ich es heute mit größerer Zuversicht von der Realisirung meines Planes zu sprechen. — Und wahrlich nicht erst die Jubiläumsfeier des Dibbuk-Chaverim reifte den Gedanken in tüir, daß ein jüdisches Spital für Würzburg ein allgemeines Bedürfniß sei, sondern, wie ich es auch in meiner damaligen Rede betonte und wie es die von mir im Jahre 72, als damaliger Vorstand jenes Vereines, gedruckten Statuten besagen, beschäftigt Mich jener Plan schon feit damals und blos jene Erfahrungen, die mir die hiesige Anstalt beibrachte, gaben mir von Neuem Veranlassung die Dringlichkeit solchen Zweckes, wo sich irgend eine Gelegenheit dazu bietet, klarzulegen. Nicht die Geisteskranken, vielmehr hauptsächlich jene die mit gesundem Verstände aber mit krankem Körper sich von der jüdischen Welt gänzlich absperren müssen, um ihren Schmerzen Linderung zu verschaffen, flößten mir Mitleid ein, und sie sind es, die mein Augenmerk auf sich lenken. Es ist daher einMißverständniß, wenn Hr. Rosenbaum annimmt, daß ich hauptsächlich eine jüdische Irrenanstalt in's Leben rufen möchte, welche Annahme ihn die Ausführbarkeit meines Planes anzweifeln läßt und Hr. Rosenbaum sich zu erklären gezwungen fühlt .»gesetzt jedoch, daß dieses Projekt (der Bau eines jüdischen Spitals) ausführbar sei, so wäre doch der eigentliche Zweck, den Hr. RooS im Auge hat. j nicht erreicht. Ein Spital ist durchaus keine Jrren- > anstalt u. s. w." Nicht blos eine jüdische Jrren-! anstatt ist von mir projectirt worden, vielmehr ein jüdisches Spital, worin auch Gemüthskranke Unterkunft finden! Wenn nun, wie Hr. Rofenbaum richtig bebauptet, das großartige Juliusfpital Geisteskranke nur eine kurze Zeit beherbergt, sie dann aber der Irrenanstalt übergibt, so findet dies dadurch seine Erklärung, daß das Juliusspital eine Privatstiftung ist, daher blos seinem Zwecke (Heilung der Kranken) entspricht. Daß ein jüdisches Spital, worin Gemüthökranke Aufnahme finden, kein Ding der Unmöglichkeit ist, beweise ich dem Hrn. Rosenbaum durch meine Vaterstadt Amsterdam, die im Besitze eines großartigen jüdischen Spitals ist, worin selbst Tobsüchtige Aufnahme finden. Und daß ein jüdisches Spital für Würzburg allgemeines Bedürfniß ist, gesteht Hr. Rosenbaum ja selbst zu, er selbst erzählt uns ja „schon vor vielen Jahren wurde von unserm für alles Gute hvchbegeisterten Hrn. Distrikts-Rabbiner Bamberger die Errichtung eines solchen Spitals in Angriff genommen, indem er eine deßfallsige Subscriptionsliste eröffnete und selbst colportirte, welche eine Zeichnung von fl. 25000 ergab. Diese Summe reicht aber bei Weitem nicht einmal zu einem Ansangtzversuch aus, i weßhalb sie auch nicht eincassirt wurde." Daraus nun glaubt Hr. Rosenbaum schließen zu können, daß „wenn zu jener Zeit, als die Welt noch in bessern Verhältnissen lebte, dieses Projekt als unausführbar sich erwies, so dürfte die Jetztzeit um so weniger geeignet erscheinen, so bedeutende Summen herbeibringen zu können, welche zur Gründung eines Spitals nothwendig sind." Hierin nun kann ich dem Hrn. Rosenbaum nicht ganz beipflichten, denn wenn auch ich wohl überzeugt bin, daß der jetzige Moment, da Waffengefitrr die Gemüther beängstigt und Handel und Wandel stocken macht, zur Erreichung unseres Zweckes nicht der geeignetste sein mag, so darf eine momentane Stimmung für die Stichhaltigkeit eines friedlichen Unternehmens nicht maßgebend sein. Eben so wenig läßt sich aus der Nichtannahme jener fl. 25000 die Unausführbarkeit unseres Planes erweisen. Denn hätte man damals jenes Capital eingesammelt und dasselbe bis heute sammt Zinsen admassirt, so wäre es uns heute eine leichte Sache, jenes Capital zu der Höhe zu bringen, die zur Erreichung unseres Zweckes noth-