Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1877)
- Date
- 1877-04-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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371 so wird sie sehr erleichtert. Wenn wir überzeugend Vorstellen, daß die bisherige Organisation trotz großer Mittel verhältnißmäßig wenig bleibend geleistet, nach vielen Richtungen hin aber schadete, so wird man sich leicht an schließen. Man wird einsehen, daß man bisher förmlich die starke Einwanderung mit der Lockspeise der herbeigezogen. Dies darf nicht so fortgehen. Jeder Tag ist Verlust, Es werden uns ehrenwerthe Männer aus allen Ländern Europa's unterstützen. Das wird mit Gottes Hilfe nicht ausbleiben. Wenn wir mit Nachdruck auftreten, Besprechungen an verschiedenen Orten mit den jetzigen Leitern der (nty px j Angelegenheit herbeiführen, werden diese, hoffe und l wünsche ich, sich uüs anschließen und ihre Erfahrungen und ihren Einfluß der neuen Organisation zuwenden. Mögen diese Gesichtspunkte auch etwas zu > ideal sein, so sind es immerhin Ziele, die nach! und nach in die Praxis hineingetra,?n werden! können. ' j Zunächst muß auf Grund von sorgfälrigen j Berathungen ein Statut entworfen werden. Dieses j Statut muß in scharfen Grenzen die von nun ab j zur Herrschaft kommenden Principien feststellen, j Der Grund-ug des Statuts muß sein, die Wohl-! thätigkett gilt der geistigen und physischen j Pflege unserer Brüter in px, zur Erhalj tung und zum Ausbau gesunder jüdischer Verhältnisse nach der Tradition T“ oy rron -iio^n hd’ px. Ich glaube, selbst ein Reformer, der für 1 wirken will, wird nie wünschen, in ‘rx-uy px Re- ■ former zu erziehen, sondern wird ein an Gesetz und Tradition festhaltendes Judenthum auf unserem nationalen Boden erhalten sehen wollen. Mit einem solchen Entwurf in der Hand, der deutsch und englisch sein müßte, hoffe ich, wird sich ein deutsches Hauptcomito aus einflußreichen Leuten in verschiedenen Städten, die wieder in ihrer Hcimath Localcomite's prüsidiren, bilden lassen j Die Vorstände des deutschen Hauptcomite sind ihrerseits wieder Delegirte eines internationalen leitenden Centralcomitö, in dem sie Sitz und Stimme haben. Es ist unbedingt nothwendig, daß in ge- ■ wissen Zeiträumen gleichzeitig zwei Mitglieder des Centralcomits oder Delegirte desselben in px sich an Ort und Stelle von Allem durch persönliche Anschauung informiren. Bei der großen Anzahl von Mitgliedern werden immer einige der Herren sich bereit finden, opfermuthig dieser Reise sich zu unterziehen, wenn die Bedürsnißfrage herantritt. j Je größer die finanziellen Mistel in England > Ihrer Stiftung zufließen, und je rascher das Testij monial zu einer einflußreichen Centralisirung heranj bildet, um so leichter wird der allgemeine Anschluß j in Deutschland und anderswo erzielt werden. Ich bin etwas sehr ausführlich geworden, bitte! Sie jedoch, während der bevorstehenden Po^-Tage | meine Zeilen einer genei ten Prüfung zu unterwerfen und sie demnächst zur Kenntuiß des Testimonial -- Co.nuo zu bringen. Soweit wie ich mir ein Bild von den dortigen Bestrebungen gemacht habe, fallen diese im Großen und Ganzen mit mei-! nen Gesichtspunkten zusammen. Was ich zur Förderung und Verwirklichung dieser Idee thun kann, geschieht sehr gern, sobald das dortige Comite in dieser Richtung auf der vorgeschlagenen Basis Vorgehen will. In Frankfurt a. M., Berlin und Hamburg hoffe ich, daß uns tüchtige Kräfte sicher sind, es ist jedoch nothwendig, denselben cineu Entwurf in die Hand zu geben, der den Standpunkt des Testimonial Somit« ungefähr nach der oben dargelegten Anschauung hinsichtlich der human-jüdischen Richtung klar ausspricht. Den Entwurf hätte ich gern erst im Concept, da ich mit den deutschen Verhältnissen besser vertraut bin und mir diesen ja hier sehr zu rechnen ist. Ich hatte H ute noch die Ehre, im Namen des Testimomal-Eomn« Ihr Schreiben zu erhalten, und bin Ihnen dafür sehr dankbar. Ich bitte Sie gütigst, mir über irrige und abweichende Ansichten, wenn Sie es erforderlich halten, Aufklärung zu geben. Reckst gespannt bin ich auf die Berichte des Herrn Montague von dort, der augenblicklich in Palästina weilt und hoffentlich mit heilsamen Vorschlägen über die anzuwendenden Hilfsmittel zurück-- keh'st. Sie werden entschuldigen, daß ich Ihnen diesen Brief in deutscher Sprache schreibe, ein so langes Schreiben meinerseits in englischer Sprache könnte leicht an Deutlichkeit verlieren. Ihre gütige Antwort genügt englisch, ich werde schon, wenn für meine Freunde es erforderlich scheint, eine deutsche Uebersetzung davon anfertigen. Ich habe die Ehre zu verbleiben Ihr ganz ergebener Benjamin Hirsch.